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Warum Wandern gesund ist

Der Wald ruft

Man tut gut daran, so oft wie möglich ein "Bad in der Waldluft" zu nehmen. Die Forschung zeigt: Schon die Sinneswahrnehmung der Natur – ihr Anblick, die Gerüche und Geräusche – tut Seele und Körper gut.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift "Psychologie Heute"//

Der Japaner Kisho Miharu stapft durch das Dickicht. Er ist gut ausgerüstet: atmungsaktives T-Shirt, abrollende Trekkingschuhe, UV-abweisender Krempenhut und ein in den Rucksack integrierter Wasserbehälter. Kisho betreibt Shinrin-yoku, das "Baden in Waldluft": Japans Nationalsport. Auch wenn Shinrin-yoku auf gut Deutsch eigentlich nur "Waldspaziergang" bedeutet, nehmen die Japaner ihre Shinrin-yoku-Pflichten ernst und kommen ihnen so oft als nur möglich nach. Ja, es werden regelmäßig sogar Shinrin-yoku-Fachkongresse abgehalten.

Spaziergänge haben ein Imageproblem

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© Gerald B. / Pixelio
Die Berge fordern uns heraus und bieten die heißersehnte Auszeit vom Alltag.

In Deutschland sieht die Sache anders aus. Naturspaziergänge haben ein Imageproblem. Während man in Japan in einer kollektiven Natureuphorie mit jedem waldbodengefederten Schritt der Einheit von Yin und Yang, von Innen und Außen, von Seele und Geist, von Mensch und Natur etwas näher kommt, lümmelt man in Deutschland vereinigt auf dem Sofa. Nun gut, auch Deutsche wandern. Doch trotz aller Bemühungen von Hape Kerkeling bis Manuel Andrack ist es in diesem Land kein stolzer Sport, mit dem sich leicht prahlen lässt. Ein „Ich bade mich mal eben in Waldluft“ würde hier mit einem Stirnrunzeln erwidert. Es ist längst vorbei, dass Wandern in Deutschland als Hobby der Mittfünfziger mit roten Kniestrümpfen galt. Auch wir Deutsche wissen tief in uns, dass Natur guttut – im Prinzip. Allerdings reicht es bei vielen nur zu einer kurzen Mittagspause im Park. Bei anderen sucht die Sehnsucht nach dem Ursprünglichen Ausdruck in einem pervertierten Extrem: Sündhaft teure Ökotherapie- oder Extreme-Water-Rafting-Wochenenden versprechen auf aufwändige Weise das Erlebnis Natur.

Wohlbefinden, kostenfrei

Dabei muss man sich, um die Wunderkräfte der Natur zu nutzen, nicht einmal bewegen. Schon das Riechen, Sehen, Lauschen der Natur um uns herum hat einen Effekt auf das Wohlbefinden. In den vergangenen Jahren häufen sich wissenschaftliche Studien, die einen positiven Einfluss auf Körper und Seele durch einem Aufenthalt in der Natur nachweisen konnten. Kaum eine Krankheit, bei der ein Abstecher in die Natur keine Verbesserung verspricht. Und dazu ist diese Wunderdroge auch noch kosten- und nebenwirkungsfrei – wenn man von den Pollenallergikern absieht.

OD Psychologie Heute

Dieser Artikel von Simone Einzmann erschien erstmals im Magazin Psychologie Heute Ausgabe 10/08. Wir danken für die freundliche Nachdruckgenehmigung. © Psychologie Heute, Beltz Verlag, D-69469 Weinheim//

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Auszeit vom Alltag

Doch was passiert genau mit uns, wenn wir uns der Natur anvertrauen? Im Auftrag der Organisation „Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz“ führte die Universität Bern eine großangelegte Studie durch. Ihre Ergebnisse waren überraschend eindeutig: Bäume, Wiesen und Felder steigern unsere Konzentration, fördern positive Gefühle, reduzieren Frustration, Ärger, Stress und sogar Kriminalität. Besonders Kinder und Jugendliche profitierten. Naturumgebungen unterstützen ihre kognitive, motorische, soziale und emotionale Entwicklung. Natur ist nicht nur hübsch, sie ist essenziell. Naturschutz ist deshalb kein Gefallen, den wir der Umwelt, sondern einer, den wir uns selbst tun.

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© DDD Manfred / Pixelio
Bäume, Wiesen und Felder steigern unsere Konzentration.

Landschaftstypen und Stimmungen

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Schub fürs Immunsystem

Das Eintauchen in die Natur bedeutet eine Auszeit vom Alltag. Die Beruhigungseffekte lassen sich sogar unmittelbar physiologisch messen: Stresshormone werden abgebaut, Verspannungen, Ängste und Depressionen gemildert. Der Noradrenalin- und Kortisolspiegel sinkt, Herzaktivität, Muskelspannung und Hautleitfähigkeit nehmen ab, und die ruhigen Alphawellen im Gehirn nehmen zu. Kurz, wir fühlen uns einfach ausgeglichener. Selbst wenn Versuchspersonen nur eine Zimmerpflanze ansehen, schaltet das Gehirn auf Entspannung – besonders dann, wenn die Pflanze Blüten hat. Natur gibt zudem unserem Immunsystem einen Schub: Der Körper gönnt uns nach jedem Spaziergang eine Extraportion natürlicher Killerzellen.

Natürliche Medizin

Daher ist Natur die ideale Ergänzungstherapie bei einer Vielzahl von Krankheiten. In einer Studie etwa untersuchte man, wie schnell sich Patienten von einer Gallenoperation erholten. Solche, die von ihrem Fenster aus auf Bäume blickten, wurden im Vergleich zu jenen, die auf eine Mauer schauten, sehr viel schneller gesund. Sie benötigten weniger Schmerzmittel und hatten weniger Komplikationen nach der Operation. In einer anderen Studie zeigte man Patienten vor einer Bronchienspiegelung Naturbilder und spielte ihnen Vogelgezwitscher vor. Auch sie kamen mit weniger Medikamenten aus. Die Vorstellung, am Strand zu sitzen, wirkt so positiv auf die Psyche, dass man selbst eine Wurzelbehandlung besser übersteht. Wissenschaftler der Universität Witten-Herdecke beschallten ängstliche Zahnarztpatienten mit Meeresrauschen. Sie blieben ruhiger, empfanden weniger Schmerzen und Angst. Japanischen Medizinern gelang es durch ihre Baden-in-Waldluft-Therapie sogar, den Blutzuckerspiegel von Diabetikern zu senken.

Mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift "Psychologie Heute"//

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Natur fördert die Konzentration

Doch Natur ist nicht nur etwas für Kranke. Sie hat auch eine erstaunliche Wirkung auf unsere Aufmerksamkeit und Konzentration. Angestellte, die sich ihren Arbeitsplatz mit Zimmerpflanzen teilen oder von ihrem Fenster aus in die Natur blicken, sind zufriedener mit ihrer Arbeit, melden sich seltener krank und können sich insgesamt besser konzentrieren. Italienischen Studenten zeigte man nach einigen anstrengenden Denkaufgaben Bilder von natürlichen Landschaften. Sie erholten sich von der geistigen Ermüdung sehr viel schneller als ihre Studienkollegen, denen man Bilder von Städten und geometrischen Figuren gezeigt hatte. Der Erholungseffekt setzte schon nach drei Minuten ein. Selbst bei hyperaktiven Kindern bewirkt ein Aufenthalt in der Natur wahre Wunder; ihre Symptome verbessern sich um bis zu 30 Prozent.

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© Adal43 / Pixelio
Normalbürger verbringen 93 Prozent ihrer Zeit in geschlossenen Räumen.

Landschaftstypen und Stimmungen

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Balsam für die Seele

Doch obwohl ein positiver Effekt der Natur auf unser Wohlbefinden offensichtlich ist, sind die Gründe dafür immer noch wenig erforscht. Man vermutet, dass unsere Sinne in der Natur gleichmäßiger angesprochen und so weder über- noch unterlastet werden. Die grellen Farben, das Hupen und Scheppern der Städte weicht in der Natur einer weniger fordernden, unaufdringlicheren Lautkulisse. Es plätschert hier, es raschelt dort, doch nichts verlangt unsere unmittelbare Aufmerksamkeit. Und auch die in der Natur vorherrschenden Farben Blau und Grün sind wie Balsam für die Seele, da sie als relativ neutrale Farben kaum direkte Aufmerksamkeit fordern. Die Rolle der Bewegung an der frischen Luft ist nicht zu unterschätzen. Auch das Sonnenlicht trägt vermutlich seinen Teil zum Wohlfühlkick bei. Zu wenig Sonnenlicht kann uns in ein Stimmungstief stürzen: So wird seit einiger Zeit vermutet, dass ein Vitamin-D-Mangel – verursacht durch eine Unterversorgung mit Licht – zum Entstehen von Depressionen beiträgt.

Stammesgeschichtliche Wurzeln

Evolutionswissenschaftler suchen den tieferen Grund für unseren Hang zur Natur in unseren stammesgeschichtlichen Wurzeln. Schließlich saß der Mensch den Großteil seiner Geschichte nicht hinter verschlossenen Jalousien vor einem flimmernden Computer; heute verbringt der Normalbürger in den Industrieländern im Durchschnitt 93 Prozent seiner Zeit in Innenräumen. Doch es ist noch nicht allzu lange her, dass der Mensch sich weitgehend unabhängig von der Natur gemacht hat – evolutionär betrachtet ist diese Zeitspanne sogar verschwindend klein. Noch bis zur industriellen Revolution bestimmten die Gesetze der Natur, die Jahres- und Tageszeiten seinen Lebensrhythmus.

Mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift "Psychologie Heute"//

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Sind wir überzivilisiert?

Naturliebe, so die Evolutionswissenschaftler, ist in unserer Spezies genetisch verankert. So ist es auch nicht verwunderlich, dass es unter den Menschen unterschiedlicher Herkunft eine erstaunliche Übereinstimmung darüber gibt, was sie in der Natur als schön empfinden. Weltweit bevorzugen Menschen offene, savannenartige Landschaften, gerne mit einem Hügel oder einem See. Fast zwei Millionen Jahre lebte der Mensch in dieser Umgebung, das hat unser Gehirn geprägt. Seen boten unseren Vorfahren Fisch als Nahrung und Wasser zum Trinken. Ein Hügel ermöglicht es, die Landschaft zu überblicken und vorbeiziehende Herden oder sich nähernde Feinde frühzeitig zu erkennen. Tatsächlich folgen die beliebtesten Parks diesem Muster, so etwa der Englische Garten in München oder der Central Park in New York: offene Grasflächen, umsäumt von Baumoasen, mittendrin ein Gewässer.

Landschaftstypen und Stimmungen

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Für jede Stimmung eine Landschaft

Doch genauso wie es für jede Krankheit eine andere Pille gibt, sind es auch unterschiedliche Landschaften, die uns je nach Stimmungslage ansprechen. Sind wir zum Beispiel depressiv, fühlen wir uns vermehrt zu Geländeformen hingezogen, die Schutz versprechen, wie etwa Höhlen, Bäume und Gebüsch, und vermeiden dagegen offene Flächen. Dies hat die Evolutionspsychologin Linda Mealey von der Universität Queensland herausgefunden.

Unsere Lebensweise ist wenig artgerecht

Wir haben viel getan, um uns unabhängig von der Natur zu machen. Autos transportieren uns von einem klimatisierten Gebäude zum nächsten, sodass wir die Landschaft nur noch durch die schützenden Scheiben unserer Wagen und Häuser wahrnehmen. Der Natursoziologe Rainer Brämer von der Universität Marburg glaubt, dass wir uns zu schnell und zu weit von unseren natürlichen Wurzeln entfernt haben: „Unsere überzivilisierte Lebensweise erweist sich aus ökologischer Sicht als wenig artgerecht, wofür wir – wie manche Tierarten – mit einer einseitigen Belastung unserer Psyche bezahlen.“ Ein Aufenthalt in der Natur ist also gewissermaßen eine Rückkehr auf Zeit zu unseren evolutionären Wurzeln. Brämer geht sogar so weit zu behaupten, dass die Natur uns gar nicht eigentlich gesund mache, sondern dass uns die Zivilisation vielmehr krank mache. Die Natur hat somit nur eine normalisierende Wirkung und führt uns zu unserem inneren Gleichgewicht zurück.

Mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift "Psychologie Heute"//

//Literatur:

Andrea Abraham u. a.: Landschaft und Gesundheit. Das Potenzial einer Verbindung zweier Konzepte. Universität Bern 2007

Jolanda Maas u. a.: Green space, urbanity, and health: How strong is the relation? Journal of Epidemiology and Community Health, Bd. 60/7, 2006, 587–592

Linda Mealey u. a.: The relationship between mood and preferences among natural landscapes: An evolutionary perspective. Ethology and Sociobiology, Bd. 16/3, 1995, 247–256

E. Morita u. a.: Psychological effects of forest environments on healthy adults: Shinrin-yoku as a possible method of stress reduction. Public Health, Bd. 121/1, 2007, 54–63

William Bird: Natural thinking. Investigating the links between the natural environment, biodiversity and mental health. Royal Society for the Protection of Birds 2007 //

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