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Der Kampf gegen das Insektensterben

Wenn viele Insekten sterben, wankt das ökologische Gleichgewicht. Weniger Pestizideinsätze und mehr Artenvielfalt würden Biene und Co. sehr helfen ...

Pause bei einer langen Autofahrt im letzten Sommer. Was wäre vor 15 Jahren nebst Beine vertreten und einem Eis an der Raststätte fast selbstverständlich gewesen? Der Griff zu Eimer und Schwamm, um die Windschutzscheibe von toten Mücken, Fliegen und Co. zu befreien.

Dass Scheiben und Kühlergrill heutzutage kaum noch insektenverklebt sind, liegt nicht nur an der Aerodynamik moderner Autos. Der Bund, der Nabu und andere Naturschutzverbände warnen seit Jahren vor dem großen Insektensterben in Deutschland, inzwischen ist es vom Bundesumweltministerium bestätigt.

Als eine Hauptursache vermuten Experten den Einsatz von bestimmten Insektiziden, sogenannten Neonicotinoiden. Auch Glyphosat und andere Unkrautvernichtungsmittel stehen in Verdacht. Zudem sind in den letzten Jahrzehnten die Felder immer größer geworden - zu Lasten von Hecken und Blühstreifen. Frühe Aussaaten und wildkräuterarme Monokulturen verringern dabei das Nahrungsangebot für Insekten und Vögel.

Um rund 75 Prozent sei die Zahl der Fluginsekten in den letzten drei Jahrzehnten in Deutschland zurückgegangen, vermeldeten Wissenschaftler im Herbst 2017. Zuvor hatte in erster Linie das weltweit beobachtete Bienensterben als massives Umweltproblem gegolten. Was man sich vor Augen halten muss: Insekten besitzen wichtige Aufgaben in unserem Ökosystem. Etwa 80 Prozent aller wilden Pflanzen werden von Fluginsekten bestäubt, und laut Greenpeace hängt ein Drittel unserer Nahrungsmittel von Bestäubung ab. Außerdem dienen Insekten als Nahrungsquelle für Vögel und auch Amphibien. Der Nabu gab im Herbst 2017 bekannt, dass Deutschland in nur zwölf Jahren rund 15 Prozent an Vogelbrutpaaren verloren habe.

Fast scheint es, als könnte das Szenario, das die US-amerikanische Biologin Rachel Carson im Jahr 1962 in ihrem Buch »Silent Spring« entwickelte (in Deutschland 1963 als Der stumme Frühling erschienen), Realität werden. Carson beschreibt im Eingangskapitel eine Stadt, in der plötzlich kein Vogel mehr singt – weil die Insekten verschwunden sind, ausgerottet durch Pestizide. Dann erklärt sie das Konzept des ökologischen Gleichgewichts und die Auswirkungen von Pestiziden auf Natur, Tiere und Menschen. Das Buch gilt als Urwerk der Öko-Bewegung.

In den USA führte es zehn Jahre nach der Veröffentlichung zum Verbot des Insektizids Dichlordiphenyltrichlorethan (DDT). In Deutschland wurde DDT 1972 ebenfalls verboten. Auch jetzt bewegt sich etwas: Das Bundesumweltministerium hat ein »Aktionsprogramm Insektenschutz« erstellt, das bis zum Sommer vom Kabinett beschlossen werden soll. Zu seinen neun Handlungsbereichen gehören bessere Lebensräume für Insekten, mehr Forschung und weniger Pestizideinsätze. Frankreich hat Neonicotinoide 2018 komplett verboten, EU-weit sind seit diesem Jahr drei Insektengifte gebannt.

Und was tut man selbst? - Garten- und Balkonbesitzer können Bienen mit bestimmten Pflanzen Nahrung bieten und im Winter Vogelfutter auslegen. Naheliegend ist auch, bei Lebensmitteln ebenso wie bei Kleidung Bioprodukte zu kaufen. Das fällt in der Outdoor-Branche immer leichter: Viele Hersteller haben das Problem von konventioneller Baumwolle erkannt, die auf riesigen Flächen in Ländern wie Indien und den USA intensiv mit Pestiziden besprüht wird – und verwenden Biobaumwolle.

Erfolgreiches Volksbegehren in Bayern

Mit 1.745.383 Unterschriften – weit mehr als der erforderlichen Million – war das »Volksbegehren Artenvielfalt« in Bayern erfolgreich. Es fordert zum Wohl von Bienen und anderen Insekten Änderungen im Naturschutzgesetz. Schon bald soll das Gesetz der Staatsregierung vorgelegt werden. Diese kann den Entwurf dann annehmen oder ablehnen.

Wer ebenfalls etwas für die Artenvielfalt tun will, folgt einem Aufruf des Nabu und macht der EU Vorschläge für eine umweltfreundlichere Agrarpolitik: neueagrarpolitik.eu

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