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Outdoor-Legende: Alexander von Humboldt

Alexander von Humboldt: Baron und Forscher

Nur in einem Schloss sitzen und das Vermögen verwalten? Das war Alexander von Humboldt viel zu langweilig. Er zog lieber los und erforschte Südamerika.

Vielleicht ist es ja die Konkurrenz zu seinem Bruder Wilhelm, der immer als das größere Talent gilt. Oder sind es Karrierewünsche seiner Eltern? Alexander mag sich nichts diktieren lassen, geht seinen eigenen Weg. Lässt sich viel lieber von den Pflanzen, Heilkräutern, Insekten locken, die er im Park seines Zuhauses, einem abgeschiedenen Schloss nordwestlich von Berlin, sammelt und nach den Klassifizierungen des schwedischen Botanikers Linné ordnet. Weshalb seine Eltern und Erzieher ihn den »kleinen Apotheker« nennen. Und auch neben dem trockenen Staatswirtschaftsstudium beschäftigt er sich lieber mit exotischen Gewächsen.

Erste Forschungsreise: Durch Hessen, die Pfalz und Westfalen

Als 20-Jähriger unternimmt er von seinem Studienort Göttingen seine erste Forschungsreise: Durch Hessen, die Pfalz und Westfalen geht es, dokumentiert in der Schrift »Mineralogische Beobachtungen über einige Basalte am Rhein«. Er begegnet dabei Georg Forster, der mit James Cook durch die Südsee reiste. Immer mehr wird ihm bewusst, wie eingeengt er ist, wie sehr er sich nach Abenteuern, Gefahren und Wunderwelten sehnt: »Jede Gemächlichkeit des häuslichen Lebens und der feineren Welt ekelte mich an.«

1791 wechselt er an die geologische Bergakademie ins sächsische Freiberg, wird ein Jahr später hier Assessor. Doch ihn plagt Ruhelosigkeit, er will endlich reisen. »Mein eigentlicher Zweck ist, das Zusammen- und Ineinanderweben aller Naturkräfte zu untersuchen, den Einfluss der toten Natur auf die belebte Tier- und Pflanzenschöpfung …«

1796 stirbt seine Mutter, Alexander erbt, gibt seine Karriere im preußischen Staatsdienst auf und bereitet sich auf die Weltreise vor.

Humboldt auf Weltreise

1799 startet er mit dem Arzt und Botaniker Alexandre Aimé Goujaud-Bonpland auf eigene Kosten und völlig frei ins Abenteuer. Nach 41 Tagen ist Neu-Granada, das heutige Venezuela, erreicht. Drei Jahre werden Höhlen, Tiere, Pflanzen, Himmelskörper und das Klima erforscht. Humboldt und Bon­pland legen 2250 Kilometer auf dem Orinoko und seinen Nebenflüssen zurück, durchstreifen das heutige Kolumbien, Ecuador und versuchen schließlich 1802 den Chimborazo zu besteigen. Der erloschene, schneebedeckte Vulkan gilt damals als höchster Berg der Erde. Gesteinsschichten, Vegetation und Tierwelt werden kartografiert. Erst kurz vor dem Gipfel muss das Duo in Lebensgefahr umkehren. Zwei Jahre noch bleiben die beiden in den amerikanischen Kolonien Spaniens, sammeln, vermessen, zeichnen und malen. Vor der Küste des Pazifischen Ozeans wird die Meeresströmung erfasst, die später Humboldts Namen bekommt.

Über Neuspanien (heute Mexiko) und Kuba geht es in die USA, man ist Gast beim Präsidenten Jefferson und kehrt 1804 wieder nach Paris zurück. Im Gepäck: 27 Behälter mit Pflanzen. Humboldt sichtet Manuskripte und Sammlungen und schreibt schließlich drei Jahrzehnte am großen Werk über die »Reise in die Äquatorial-Gegenden des neuen Kontinents«. Die 29 Bände und die mehr als 1400 Kupfertafeln sind so teuer, dass Humboldts Vermögen bald aufgebraucht ist.

1854 erntet der Naturforscher mit dem ersten Teil seines neuen Werks »Kosmos – Entwurf einer physischen Weltbeschreibung« noch einmal viel Anerkennung. Aber wie auch sein Reisewerk bleibt das gigantische Opus unvollendet. Er stirbt mit 89 Jahren, verarmt und verschuldet – allerdings hochgeachtet als Begründer der modernen Geografie und der Klimaforschung.

Daten und Fakten: Alex­ander von Humboldt

Der in Berlin geborene Universalgelehrte (1769–1859) gilt als einer der letzten Forscher, der ein fast vollständiges Bild der Welt zeichnete. Dafür wurde er als »der zweite Kolumbus«, »Wissenschaftsfürst« und »der neue Aristoteles« bezeichnet.

Buchtipp:

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Frederking & Thaler

Ulli Kulke hat für seinen Bildband dem Leben und Streben des Barons nachgespürt. Die gelungene Mischung aus informativem Text, historischen Gemälden und Grafiken, aktuellen Fotos und alten Karten schafft einen gelungenen Eindruck davon, was Humboldt antrieb. Kleine Exkurse beleuchten Aspekte seines Forscherdrangs genauer oder stellen seinen Mitstreiter Aimé Bonpland vor. Lesens- und staunenswert.

Alex­ander von Humboldt
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24,95 Euro

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