Pinewood und die Textilbranche in China

Foto: Pinewood
Wie soziales Engagement Produkte besser machen kann. Ein Blick in die Welt der Näherinnen von Pinewood im Land des Lächelns.

Herbst 1994. Der dreiundzwanzigjährige Schwede Rainer Rüssel sitzt im Keller seiner Mutter und verpackt ein gefüttertes Kanadahemd für den Versand. Im Container aus China befanden sich noch viele weitere dieser Hemden in vier verschiedenen Farben, die sich nun in der Garage bis unter die Decke stapeln. Es ist die Geburtsstunde einer neuen Outdoor-Marke »Pinewood«, die in den nächsten Jahren stetig wächst. Das Kanadahemd ist in Schweden sehr erfolgreich und beschert der jungen Marke einen loyalen Kundenstamm. Rainer Rüssel erweitert seine Kollektion und die Garage wird bald zu klein. Rüssel studiert ab 1994 an der Universität von Peking, um Mandarin zu lernen. Eine Fähigkeit, die ihm vor allem bei der Auswahl seiner Geschäftspartner eine große Hilfe ist. Mit der Zeit entsteht so eine eigene Infrastruktur für die Produktion in China.

Foto: Pinewood

Zufriedene Mitarbeiter: Pinewood-Gründer Rainer Rüssel inmitten der Näherinnen und Näher in der eigenen Textilfabrik Huadian Garments Co. Ltd

Fair produzieren in China. Ist das möglich?

Viele assoziieren mit dem Label "made in China" niedrige Löhne, schlechtere Qualität und ökologisch fragwürdige Produktionsstandards. Dass dies nicht unbedingt der Realität entspricht, beweist Pinewood. Der Spezialist für Outdoor-, Jagd- und Angel-Bekleidung produziert wie viele in Fernost – und macht dabei doch einiges anders. Unternehmen in der Textil-Branche vergeben Aufträge für ein bestimmtes Kleidungsstück oft an unabhängige Textilfabriken. Das macht die Kontrolle von Fertigungsqualität und die Einhaltung von Sozialstandards für die Bekleidungsfirmen zu einem ausgesprochen schwierigen Unterfangen. Pinewood unterhält hingegen eine eigene Fabrik in China, die etwa 31 Prozent der Kleidungsstücke selbst fertigt. Das sind vor allem komplexe Kleidungsstücke wie Outdoor- und Jagdjacken und Hosen. Einfachere Hemden, Unterwäsche, Mützen und Accessoires werden von ausgewählten Herstellern zugekauft.

Pinewood und die soziale Verantwortung

"Unsere Philosophie ist es, immer die umweltfreundlichste Lösung für ein Produkt zu finden und es in einem sozialverträglichen Rahmen zu produzieren. Wir arbeiten stetig daran uns immer weiter zu verbessern.", beschreibt Rüssel die Agenda. Ab 2017 werden beispielsweise keine Produkte mehr mit PFC-haltigen Mitteln imprägniert. Der Lohn der chinesischen Arbeiter in der Pinewood-Fertigung liegt 5 Prozent über dem Durchschnittslohn in der Region. Außerdem wird freie Verpflegung geboten, was in China unüblich ist. »Uns ist wichtig, dass die Menschen von ihrem Lohn auch gut leben können«, sagt Dieter Dotzel, Verkaufsleiter von Pinewood in Deutschland. Das soll auch das Personal im Unternehmen halten, denn Pinewood investiert in die Ausbildung der Fabrikarbeiter: »Dadurch, dass die meisten unserer Mitarbeiter länger als eine Saison in der Produktion bleiben, konnten wir unseren Ausschuss deutlich senken. Allein acht Mitarbeiter sorgen in den Produktionsstätten für das Qualitätsmanagement. Das trägt erheblich zur Nachhaltigkeit der Produktion bei«, so Dotzel weiter.

Pinewood arbeitet derzeit daran, in seiner eigenen Fabrik Huadian Garments Co. Ltd die elf Punkte des Verhaltenskodex der BSCI in Brüssel zu erfüllen. Diese beinhalten unter anderem ethische Grundregeln gegen Diskriminierung und Zwangsarbeit, zu angemessenen Arbeitszeiten und fairer Bezahlung, gegen die Tolerierung von Kinderarbeit und zu ausreichendem Arbeitsschutz. Das verlangt Pinewood auch von den Zulieferern. Noch im Frühling 2017 sollen die Anforderungen der BSCI umgesetzt werden. Im Juni soll dann die Anerkennung durch die BSCI folgen.

Das Engagement von Pinewood geht aber noch über die internationalen Empfehlungen und geforderten Mindeststandards hinaus. "Wir beschäftigen in unserem Werk auch sieben gehörlose Mitarbeiter und haben jemanden eingestellt, der Gebärdensprache beherrscht, um mit ihnen kommunizieren zu können. Ein Novum: Auf dem chinesischen Arbeitsmarkt haben Menschen mit derartigen Einschränkungen normalerweise kaum eine Chance", sagt Dieter Dotzel. Soziales Engagement gehört bei Pinewood einfach dazu. Das Kanadahemd, mit dem damals alles begann, ist übrigens immer noch Teil der aktuellen Pinewood-Kollektion. Als Canada Shirt Classic gehört es damals wie heute zu den Bestsellern. Ein Highlight zum Wohlfühlen made in China.

Die Pinewood Himalaya Hose

Mit der Himalaya Hose bietet Pinewood einen Allrounder zum Wandern und Trekken. Sie besteht aus dem selbstentwickelten Stoff "TC Lite", einem besonders eng verwobenen Gemisch aus 65 Prozent Polyester und 35 Prozent Baumwolle. Bei der Entwicklung von TC Lite stand eine möglichst hohe Atmungsaktivität an warmen Tagen im Vordergrund. Gleichzeitig ist der Stoff winddicht und knitterfrei und soll sehr schnell trocknen. Für Knie- und Gesäßpartie verwenden die Bekleidungsspezialisten eine elastische Nylon-Elasthan-Kombination. Hinter den äußeren Beintaschen befinden sich außerdem Ventilationsöffnungen. Verstellbare Beinenden vervollständigen die Hose. Herren können aus acht, Damen aus vier verschiedenen Farben wählen. Pinewood verzichtet in der neuen Produktgeneration von 2017 komplett auf PFC-haltige Imprägniermittel und verarbeitet stattdessen umweltfreundlicheres "Bionic Finish Eco".

07.03.2000
Autor: Daniel Endreß
© outdoor