Klettern bei Olympia: alle Athleten, alle Termine

Olympia: Klettern im Überblick Klettern bei Olympia: alle Athleten, alle Termine

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Am 3. August starten die olympischen Kletterwettkämpfe. Hier im Überblick: alle Athleten, alle Termine, alle wichtigen Infos.

In diesem Artikel: Termine: Sportklettern bei den Olympischen Spielen in Tokio + Fotostrecke: die in Tokio startenden Kletterinnen + Klettern bei Olympia: Jetzt geht's los + Fotostrecke: die in Tokio startenden Kletterer + Interview mit Alex Megos: "Bei mir steht und fällt es mit dem Bouldern" + Interview mit Jan Hojer: "Ich hoffe auf eine Medaille"

Termine: Sportklettern bei den Olympischen Spielen in Tokio

Alle Daten und Uhrzeiten (MEZ)

3. August 2021: Qualifikation Herren (zu sehen auf ZDF / Eurosport)

  • 10:00 – 10:35 Speed
  • 11:00 – 13:15 Bouldern
  • 14:10 – 15:40 Lead

4. August 2021: Qualifikation Damen (zu sehen auf ARD / Eurosport)

  • 10:00 – 10:35 Speed
  • 11:00 – 13:15 Bouldern
  • 14:10 – 15:40 Lead

5. August 2021: Finale Herren (zu sehen auf ZDF / Eurosport)

  • 10:30 – 10:54 Speed
  • 11:30 – 13:00 Bouldern
  • 14:10 – 15:00 Lead
  • 15:10 – 15:20 Siegerehrung

6. August 2021: Finale Damen (zu sehen auf ARD / Eurosport)

  • 10:30 – 10:54 Speed
  • 11:30 – 13:00 Bouldern
  • 14:10 – 15:00 Lead
  • 15:10 – 15:20 Siegerehrung

Fotostrecke: die in Tokio startenden Kletterinnen

20 Athletinnen aus 16 Nationen haben sich für Olympia qualifiziert. Die ersten Acht buchten ihr Olympia-Ticket bei der WM in Hachioji 2019, weitere Sechs beim IFSC Combined Qualifier in Toulouse 2019. Vier Athletinnen qualifizierten sich über die Kontinentalmeisterschaften, zwei wurden wegen der ausgefallenen Asien-Meisterschaft nachnominiert.

Olympia in Tokio: Kletterer
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Klettern bei Olympia: Jetzt geht's los

Nach Jahren des Vorbereitens, Hoffens und Bangens geht es am 3. August 2021 endlich los: 20 Frauen und 20 Männer aus allen Kontinenten werden in Tokio im Combined-Format, einem Dreikampf aus Speed, Bouldern und Lead, um die Medaillen kämpfen.

Genau fünf Jahre zuvor, am 3. August 2016, hatte das Internationale Olympische Komitee der Aufnahme von Sport Climbing in den Sportkatalog der Olympischen Spiele 2020 in Tokio zugestimmt. Für die Wettkampfkletterer war das der Beginn einer sehr langen Zielgeraden. Auch wenn das Format anfangs umstritten war, begannen nahezu alle aktiven Wettkämpfer, darauf hinzuarbeiten. Manche wie Akiyo Noguchi aus Japan verschoben den bereits geplanten Rücktritt vom Wettkampfsport, andere wie Alexander Megos kamen wegen Olympia aus dem Wettkampf-Ruhestand zurück.

Dann kam Corona. Ausgerechnet im geplanten Jahr der Spiele breitete sich die Pandemie aus und erzwang schließlich die Verschiebung auf 2021. Hinzu kam, dass nahezu der gesamte Weltcup 2020 in Lead, Bouldern und Speed dem Virusangriff zum Opfer fiel. Ein einziger Leadweltcup und mit viel Glück vier Kontinental-Meisterschaften – wichtig für die Nominierung der letzten Olympia-Kandidaten – gingen im vergangenen Jahr über die Bühne. Um so wichtiger und erfreulicher, dass die internationalen Wettkämpfe seit diesem Jahr wieder stattfinden können. Zwar ist es nicht ganz wie früher, öffentliche Zuschauer waren zum Beispiel beim Weltcup in Innsbruck nicht zugelassen. Auch in Tokio werden die Zuschauerzahlen limitert, ausländische Zuschauer gar nicht zugelassen.

Starke Konkurrenten

Für die Olympia-Kandidaten und Kandidatinnen sind die Weltcups die letzte Möglichkeit der sportlichen Standortbestimmung vor Tokio. Erfreuliche Nachrichten kommen hier von den deutschen Olympioniken: Alexander Megos hat das Training am Fels im vergangenen Jahr offenbar nicht geschadet. Mit einem sechsten und einem zweiten Platz war er nach dem Wettkampf in Villars Führender im Worldcup-Ranking. Und auch beim Bouldern lief es für Alexander mit vier Platzierungen zwischen 8 (in Meiringen) und 14 (in Salt Lake City) nicht schlecht. Jan Hojer hat dieses Jahr bereits vier Boulder-Worldcups bestritten und belegte dabei trotz Fingerverletzung Plätze zwischen 19 und 23. Beim Speed-Worldcup in Salt Lake City kam er auf Platz 25, was im extrem schnellen internationalen Umfeld und für einen Combined-Athleten eine sehr gute Platzierung ist.

Von den anderen Nationen stechen vor allem drei hervor: Da ist das slowenische Frauenduo, Janja Garnbret und Mia Krampl. Janja ist Nummer Eins im Lead- und im Boulder-Ranking und dominiert das Wettkampfgeschehen seit geraumer Zeit fast nach Belieben. Wenn in Tokio nicht etwas ganz schief läuft, wird es für die anderen Athletinnen extrem schwer werden, ihr die Goldmedaille streitig zu machen. Ihre Landsfrau Mia Krampl ist ihr zumindest im Lead auf den Fersen. Daneben stellen die japanischen Gastgeber ein sehr starkes Team. Tomoa Narasaki ist als exzellenter Allrounder ein Medaillen-Kandidat, und auch Akiyo Noguchi wird im letzten großen Wettkampf ihrer langen Karriere sicher alles geben. Kai Harada und Miho Nonaka können vor allem im Bouldern ganz weit vorne mitmischen, wobei sich Miho zuletzt in Innsbruck am Knie verletzte. Bis zum 3. August wird sie aber hoffentlich wieder fit sein.

Schließlich muss das US-amerikanische Team erwähnt werden. Der erst 17-jährige Colin Duffy und die ebenfalls junge Brooke Raboutou zeigten sich zuletzt im Lead extrem stark, während Nathaniel Coleman und Kyra Condie im Bouldern überzeugten. Die Amerikaner waren schon immer ein starke Nation bei Olympia. Offenbar schaffen es auch die "Sport Climber", auf den Punkt genau fit zu sein.

Das tschechische Team besteht zwar nur aus einem Mann, aber der heißt Adam Ondra. Adam hat 2021 schon zwei Boulder-Worldcups gewonnen und scheint in Topform zu sein. Im Lead in Innsbruck fiel er im Finale schon früh, nachdem ihm zweimal der Fuß vom Tritt gerutscht war – sehr ungewöhnlich für den Meister der schnellen Präzision. Adams Selbstvertrauen scheint darunter nicht gelitten zu haben, über seinen Auftritt in Innsbruck meinte er nur: "Ich bringe einige sehr positive Gefühle mit nach Hause und habe eine Lektion gelernt." Auf jeden Fall gehört Adam genau wie Tomoa Narasaki, Jakob Schubert und Alexander Megos zu den heißen Medaillen-Kandidaten.

Ein besonderer Anreiz

Das deutsche Team – alle sind übrigens geimpft – wird sich am 19. Juli auf den Weg nach Tokio machen. Dort geht die Vorbereitung in verschiedenen Hallen weiter. Erstes Ziel im Wettkampf ist dann das Erreichen des Finales, denn wer in der Qualifikation ausscheidet, muss innerhalb von 48 Stunden das Land verlassen und darf nicht mal mehr vor Ort das Finale anschauen. Jan Hojer dazu trocken: "Das ist noch einmal ein extra Anreiz, diesen Schritt ins Finale zu schaffen."

Egal wie und mit welchem Ergebnis: Diese Olympischen Spiele werden auf jeden Fall kein Kletterwettkampf wie jeder andere. Ob sie für den Klettersport den Schritt in eine neue Dimension bedeuten, wird sich zeigen.

In den Fotostrecken stellen wir die 40 kletternden Olympia-TeilnehmerInnen (direkt hier sowie weiter oben) kurz vor.

Fotostrecke: die in Tokio startenden Kletterer

20 Athleten aus 15 Nationen haben sich für Olympia qualifiziert. Wie bei den Frauen verlief die Qualifikation über die WM in Hachioji 2019, den IFSC Combined Qualifier in Toulouse 2019 sowie vier Kontinentalmeisterschaften. Wegen der ausgefallenen Aisen-Meisterschaften rückte Jongwon Chon als bei der WM in Hachioji bestplatzierter nicht-japanischer Teilnehmer aus Asien nach.

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Interview mit Alex Megos: "Bei mir steht und fällt es mit dem Bouldern"

Letztes Jahr stand eine 9c-Erstbegehung auf dem Fahrplan, dieses Jahr die Olympischen Spiele: Alexander Megos (27) im Gespräch.

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Alex Megos gehört im Lead zur Weltspitze

Freust du dich, dass es jetzt endlich losgeht?

Ja, schon. Das hat ja jetzt auch lange genug gedauert.

Hat dir die Verschiebung der Olympischen Spiele auf 2021 eher genutzt oder geschadet?

Ich denke, eher genutzt. Für mich war letztes Jahr wichtig, dass ich noch einmal ein Jahr Felsklettern gehen und so die Motivation aufrecht erhalten konnte. Außerdem habe ich noch ein Jahr Zeit gehabt, mich vorzubereiten.

Bist du denn momentan rundum fit und gesund?

Ausnahmsweise mal. Auch keine Fingerverletzungen, eigentlich ist alles fit und gut bei mir.

Du bist aktuell Nummer 1 im Worldcup Leadranking. Wie schätzt du deine Form im Bouldern und Speed ein?

Im Speed wie immer schlecht. Da spekuliere ich darauf, dass die anderen das auch wissen und vielleicht Fehler machen. Beim Bouldern kommt es stark auf die Boulder an.

Was hast du dir für Olympia vorgenommen?

Auf Platz 20 will natürlich keiner landen. Ansonsten kann ich es schlecht einschätzen. Im Lead bin ich tendenziell immer gut, im Speed eher schlecht. Insofern steht und fällt das alles mit dem Bouldern für mich. Und da kommt es drauf an, ob dir die Boulder liegen oder nicht. Da kann man ganz schnell statt auf Platz 17 auf Platz 1 oder 2 landen. Das kann man aber nicht kalkulieren.

Hast du Wettkampfbouldern zuletzt intensiv trainiert?

Vor den Weltcups im Frühjahr habe ich zwei Monate den Fokus aufs Bouldern gelegt. Und viele Wettkampfboulder machen hilft immer. Trotzdem fühlt man sich nie sicher. Insofern finde ich es schon ganz gut, dass ich bei allen Worldcups ins Halbfinale gekommen bin.

Wo liegen denn deine Schwächen beim Bouldern?

Sloper und das Koordinationszeug. Rüberläufer auf Platten, komplizierte Sprünge – da weiß ich nie, was ich machen soll.

Bereitest du dich mental speziell vor oder ist das für dich ein Wettkampf wie jeder andere?

Wir haben jetzt seit Hachioji 2019 keinen Wettkampf mehr im Combined Format gehabt, insofern ist es kein Wettkampf wie jeder andere. Aber von der mentalen Vorbereitung ist es nicht viel anders als ein normaler Weltcup.

Wen siehst du als Favoriten in Tokio an?

Bei den Frauen ist es relativ einfach. Da ist Janja ganz vorne dabei, Akiyo auch, wobei sie im Speed nicht so gut sein wird. Brooke scheint auch ziemlich fit zu sein in allen Diszplinen. Bei den Männern ist Tomoa klarer Favorit, weil er in allen drei Disziplinen gut ist. Jakob ist sicher auch stark, weil er sowohl im Bouldern als auch im Lead gewinnen kann. Genau dasselbe gilt für Adam.

Fühlt ihr euch als Teil der deutschen Olympia-Mannschaft oder eher als Individualsportler?

Im Moment sieht es so aus, als würde man von den anderen Sportlern gar nicht so viel sehen, weil man eher selbst im Zimmer sitzt oder in Quarantäne ist. Aber ich war noch nie in einem olympischen Dorf, insofern: mal sehen.

Was kommt nach Olympia?

Ich mache auf jeden Fall den Rest des Jahres Wettkampfpause und gehe Felsklettern. Und über Paris 2024 mache ich mir dann vielleicht in drei Jahren Gedanken.

Interview mit Jan Hojer: "Ich hoffe auf eine Medaille"

Jan Hojer gehört zu den beständigsten und vielseitigsten Wettkampf-Athleten. Für Tokio hat er sich viel vorgenommen.

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Jan Hojer ist einer der erfolgreichsten deutschen Wettkampfkletterer.

Freust du dich, dass es jetzt endlich losgeht?

Ja, voll. So wie es zwischenzeitlich aussah, kann man froh sein, dass es überhaupt stattfindet. Es stand ja auch im Raum, dass es komplett abgesagt wird.

Hat dir die Verschiebung der Olympischen Spiele eher genutzt oder geschadet?

Ich wäre natürlich auch letztes Jahr fit gewesen. Aber 2019 war für mich ein langes Wettkampfjahr, ich habe mich ja erst Ende November in Toulouse qualifiziert. Deshalb war ich ganz froh, als im März 2020 klar war, dass die Spiele verschoben werden. Ich habe das Jahr genutzt, um noch einmal raus an den Fels zu kommen.

Du warst dieses Jahr bei vier Boulder- und einem Speedworldcup dabei. Wie schätzt du deine aktuelle Form ein?

Ich hatte ein bisschen Fingerprobleme, das hat in der Woche vor dem Weltcup in Salt Lake City angefangen und mich im letzten Monat etwas zurückgehalten. Aber das ist alles auf einem guten Weg und sollte für Tokio kein Problem mehr sein.

Was hast du dir für Olympia vorgenommen?

Ich trete natürlich auch in der Hoffnung an, mit einer Medaille zurückzukehren. So, wie das Ranking funktioniert, ist alles möglich. Eine richtig gute Disziplin reicht aus, um ins Finale und dann auch aufs Treppchen zu kommen. Ich hoffe auf jeden Fall, erst mal ins Finale zu kommen. Dann ist alles möglich.

Bereitest du dich mental speziell vor oder ist das für dich wie jeder andere Wettkampf?

Ich habe es in der Vergangenheit immer geschafft, bei den Jahreshöhepunkten meine Leistung auf den Punkt zu bringen, sowohl bei der WM 2018 als auch beim Qualifier in Toulouse. Von daher glaube ich, dass ich bisher immer auf einem ganz guten Weg war. Ich werde das jetzt auch nicht für Olympia ändern.

Wen siehst du als Favoriten in Tokio an?

Bei den Damen ist die Frage, wer hinter Janja Zweite wird. Gold ist da so gut wie vergeben, mit Janjas Leistungen auch im Speed sollte das eine recht sichere Nummer werden. Bei den Herren denke ich, dass Tomoa und Adam die besten Chancen auf Gold haben. Adam hat natürlich den Nachteil, dass er im Speed im Finale vermutlich Siebter oder Achter wird und dann schon einem Rückstand hinterher laufen wird im Vergleich zu Tomoa, der auch im Speed gute Chancen hat. Aber auch von den beiden hat keiner eine Medaille sicher. Tomoa hat zuletzt in Salt Lake City einen Fehlstart im Speed gemacht, Adam ist in Innsbruck im Lead ein Hook gerutscht. Und bei den Herren ist die Leistungsdichte deutlich höher als bei den Damen. Sobald sich einer der Top-Favoriten einen Fehler erlaubt, ist ein anderer da, der dann auch direkt um Gold mitklettert.

Wird Olympia dein letzter Wettkampf sein?

Nein. Hätte Olympia 2020 stattgefunden, hätte ich mir danach erst mal ein Jahr ohne Wettkämpfe gegönnt. Aber ich habe durch die Corona-Pause wieder Motivation getankt, auch dafür, über den Winter für 2022 zu trainieren. Dieses Jahr wurde ich in den ersten Wettkämpfen ein bisschen ausgebremst durch Fingerprobleme. Von daher würde ich gerne noch einmal eine ganze Bouldersaison starten, in die ich verletzungsfrei gehen kann.

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