Klettern in Jerzu, Sardinien Sarah Burmester

10 Dinge, die verhindern, dass du besser kletterst

Tipps: BESSER KLETTERN 10 Dinge, die verhindern, dass du besser wirst

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Auf Dauer schlauer: Manche Tipps wirken kurzfristig, schaden langfristig aber deiner Entwicklung im Klettern.

Im Klettern oder Bouldern besser zu werden, umfasst viele Aspekte. Manche Ansätze, die situationsbezogen wunderbar funktionieren, schaden auf die lange Sicht. Manches ist auch kurzfristig nicht günstig, trotzdem geraten Kletterer gelegentlich in die Sackgasse. Damit du einschätzen lernst, wann welche Ansätze sinnvoll sind und was dich am besten weiterbringt beim Klettern, betrachten wir hier ein paar Stolpersteine, die deine Kletterlaufbahn behindern können.

1. Immer erstmal topropen

Gelegentlich kann es sinnvoll sein, eine schwere Route vor dem Vorstieg im Toprope zu klettern. Zum Beispiel um die Bewegungen zu lernen oder sich selbst die Gewissheit zu vermitteln, dass man es drauf hat. Gegebenenfalls auch, um weitere Hakenabstände und damit einhergehende Bodensturzgefahr im Vorstieg zu vermeiden. Doch wenn aus dem "gelegentlich" ein "meistens" oder gar ein "grundsätzlich" wird, sollte man überprüfen, ob man nicht einfach nur in seiner Komfortzone bleiben will. Auch da ist per se nichts schlecht dran, außer: Es bringt dich nicht weiter. Gut klettern heißt, mit unbequemen Situationen umgehen zu können. Des weiteren schärfen sich Konzentration und Bewegungspräzision im Vorstieg – Ergebnis: man klettert automatisch besser.

2. Warten, bis du stark genug bist

Ob nach einer Pause oder generell – sehr gern gerät man in die Falle zu denken: "Das mache ich, wenn ich fit bin! Ich trainiere noch ein bisschen, und dann suche ich mir ein richtig schweres Projekt / klettere endlich 7a / fahre in den Kletterurlaub nach XYZ." Achtung, diese Denke ist eine Falle! Projekte und Herausforderungen motivieren uns, daher sollten wir sie sofort in unser Kletterleben einbauen. Steige in potenzielle Projekte ein, lerne, was dir noch fehlt. Projektiere eventuell etwas leichter, aber fang sofort damit an! Wahrscheinlich wirst du im Zuge des Probierens viel eher fit, weil es so viel Spaß macht. Bonustipp: Wenn man nicht in 7as (oder was auch immer dein Traumgrad ist) einsteigt, kann man auch keine klettern!

3. Physisches Training priorisieren

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Jon Glassberg Black Diamond
Von der gesamten Kletterzeit sollten wir maximal 30 Prozent ohne unsere Kletterschuhe trainieren.

Irgendwann ist körperliche Kraft ein leistungsentscheidender Faktor. Doch ist dies später, als man denkt. Das Problem: Wenn du einmal stark genug bist, um eine schwierige Stelle mit Kraft zu lösen, dann bist du nicht mehr gezwungen, kreativ an Lösungen zu basteln: Bewegungsabfolgen auszuprobieren, die richtige Körperposition zu erspüren, oder die Füße richtig zu belasten. Deshalb sollte die Entwicklung von Technik und Bewegungsvermögen immer Priorität haben über reinem Krafttraining. Bonustipp: Beim Bouldern an der Leistungsgrenze verbindet man übrigens elegant beides, Maximalkrafttraining mit Bewegungsschule.

4. (Un)günstige Kletterschuhe

Wenn deine Schuhe nicht optimal auf deine Füße passen, sie zu hart und unsensibel sind oder du in ihnen gar Schmerzen leidest, wird sich deine Klettertechnik weniger gut entwickeln, als wenn deine Kletterschuhe optimal passen. Klar, am Anfang möchte man nicht übermäßig viel Geld investieren, aber es hängt nicht immer an der Kohle. Und falls doch, lohnt sich die Investition. Es zahlt sich ebenso aus, geduldig zu probieren, um gut passende Kletterschuhe zu finden, damit sich die Füße auch auf schlechten Tritten wohlfühlen. Gute Kletterschuhe helfen dabei, die Qualität eines Tritts besser wahrzunehmen. Dadurch stärkst du das Vertrauen in die Reibung und in die Möglichkeiten deiner Füße, was wiederum wichtig ist, um gute Fußtechnik beim Klettern zu entwickeln.

5. Sich auf die anderen verlassen

Ob Beta-Videos anschauen oder real in der Halle und am Fels: Versuche, nicht immer nur die Methoden der anderen zu machen. Natürlich probieren wir Lösungsansätze unserer Kletterpartnerinnen und Boulderkollegen aus, und gemeinsames Projektieren gehört definitiv zu den vergnüglichen Aspekten am Klettern. Allerdings sollte man nicht grundsätzlich nur abgucken und anderen den kreativen Part überlassen, sondern gelegentlich versuchen, die optimale eigene Lösung für eine knifflige Stelle herauszufinden. Beim Herumbasteln und Ausbouldern von Zügen lernt der Körper viel, dazu weiß man aus der Forschung mittlerweile, dass wir auch aus "falschen" Bewegungsansätzen mehr Qualität für den "richtigen" Ansatz generieren. Vergrößere dein Bewegungsrepertoire, indem du regelmäßig aktiv selbst die richtige Methode suchst, und nicht nur andere kopierst.

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Ralph Stöhr
Gemeinsam knobeln ist definitiv erlaubt und verbessert die Fantasie für schwere Moves

6. Unbekannte Routen nur von Haken zu Haken klettern

Beim Projektieren an der Leistungsgrenze ist das von Haken zu Haken Klettern sicherlich die ökonomischste Methode, sich mit neuen schweren Zügen vertraut zu machen. Doch wenn wir noch von unserer Leistungsgrenze entfernt sind, kann diese ökonomische Methode uns auch hindern. Zum Beispiel lernt man dabei nicht, schnelle Entscheidungen zu treffen, Ruhepunkte intuitiv zu finden und zu nutzen, flüssige Bewegungen zu entwickeln, taktische Überlegungen anzustellen. Diese Qualitäten würden wir im Onsightversuch lernen, und nebenbei würden wir auch die Wahrscheinlichkeit für einen coolen Onsight erhöhen. Aus den verschiedenen Begehungsstilen können wir verschiedene Dinge lernen, die alle dazu beitragen, besser und vollendeter zu klettern. Nutze diese Chancen!

7. Verlasse die Komfortzone – auch wenn das heißt, darin zu bleiben

In der Komfortzone lernen wir nichts – so weit, so bekannt. Doch sie zu verlassen, ist nun mal schwierig. Da fühlen wir uns nicht wohl, und sie kann sich auch ändern. Als wir anfingen, endlich mehr Platten zu klettern oder Rissklettern zu lernen, war das eher unkomfortabel. Heute haben wir unsere Komfortzone vielleicht so vergrößert, dass Risse und Platten uns nicht mehr schrecken. Letztlich geht es darum, regelmäßig etwas zu machen, was wir nicht regelmäßig machen. Das kann sogar bedeuten, einmal in der Komfortzone zu bleiben und eine easy Session zu machen, wenn wir uns sonst immer um jeden Preis herausfordern. Tue etwas, was du eigentlich nicht tun möchtest, und versuche, so offen und kreativ wie möglich heranzugehen.

Klettern in Jerzu, Sardinien
Sarah Burmester
Welcher Typ bist du? Brauchst du eine Herausforderung, um dich zu verbessern? Oder gelegentlich eine easy Session, um Kletterfluss und weiches Greifen zu kultivieren?

8. Auf Grade fixiert sein

Erfolg fühlt sich gut an, und es spricht überhaupt nichts dagegen, sich mit Schwierigkeitsgraden zu motivieren oder sich an Erfolgserlebnissen zu erfreuen. Doch wenn der Grad zu wichtig wird, können verschiedene Schwierigkeiten auftreten. Einerseits verpassen wir vielleicht unterhaltsame, lehrreiche und lohnende Klettereien, weil die Zahl daran uns nicht anspricht. Und andererseits setzen wir uns selbst unter Druck, denn was ist, wenn wir – aus welchem Grund auch immer – einmal nicht adequat performen? Was, wenn wir den Grad nicht schaffen? Vielleicht sogar, obwohl wir eigentlich können? So oder so resultiert daraus Stress, den wir uns sparen können. Besser klettern wird man jedenfalls gestresst nicht.

9. Zu sehr aufs Gewicht achten

Viele motivierte Kletterer achten sehr auf ihre Ernährung. Das ist sicher nicht generell schlecht. Doch ist es ungleich viel schwerer, stark zu werden und zufrieden zu sein, wenn man sich nötige Kalorien vorenthält. Lerne lieber, genau hinzuhören, was sich dein Körper gerade wünscht. Oft sind wir so beschäftigt mit unseren Idealvorstellungen, dass wir verlernt haben, unsere Bedürfnisse zu spüren, sei dies nun Ruhe, Gemüse oder eben auch mal Komfortfood. Wer es schafft, die Botschaften des Körpers wahrzunehmen und zu respektieren, vermeidet auf lange Sicht Verletzungen und kann mit mehr Zufriedenheit auch besser Energie und Motivation mobilisieren.

Kletterjargon Pinchen Zange
Ralph Stöhr
Gibt es noch eine bessere Methode, diesen Griff festzuhalten? Wer's nicht probiert, wird es nicht herausfinden.

10. Denken, dass du es drauf hast

Wenn man schon viele Jahre klettert, hat man schon viel gesehen. Viele Bewegungsrätsel gelöst, Fehler gemacht, Grade geknackt, Tricks gelernt. Doch Klettern ist ein fertigkeitsbasierter Sport, und man lernt dabei nie aus. Es gibt immer noch Bewegungen zu verbessern, elegantere Lösungen zu finden, Fähigkeiten zu verfeinern, an der Kompetenz im Toehooken zu arbeiten, Compstyle-Boulder zu bezwingen, einen kühlen Kopf zu behalten, und so weiter. Das alles passiert aber nur, wenn man es tatsächlich versucht. Solange man denkt, dass man es ja schon kann, lernt man nicht mehr dazu.

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