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Innovationen und Ressourcenschonung bei Gore

In die Zukunft denken Gore-Innovationen und Ressourcenschonung

Membran-Spezialist Gore setzt auf Produktlebensdauer – und verabschiedet sich von ökologisch bedenklichen PFCs.

Bob Gore konnte es kaum fassen. Ein schneller Ruck – das war die simple, aber verblüffende Lösung. Wochenlang hatte er mit seinen Kollegen im Labor daran getüftelt, wie man ein Teflonband aus Polytetrafluorethylen (PTFE), das zum Abisolieren und Dichten verwendet wird, strecken kann. Doch egal, wie vorsichtig sie auch zogen, es riss. Nach Feierabend probierte es Gore am 28. Oktober 1969 in seinem Labor noch ein letztes Mal. Diesmal zog er beherzt einen erhitzten PTFE-Stab mit beiden Händen kräftig und schnell auseinander. Oh Wunder! Der Stab war nun etwa zehn Mal länger, aber nicht dünner als zuvor – und er hielt. Das expandierte PTFE (ePTFE) war erfunden.

Die Erfindung der Gore-Tex-Membran

Doch da ging noch mehr. Durch das Recken hatte der Kunststoff winzige Risse bekommen. Eine Folie aus diesem neuen Material hielt bei Flüssigkeiten immer noch absolut dicht, doch mit 14 Millionen Poren pro Quadratmillimeter erwies sie sich nun für Gase wie Wasserdampf durchlässig. Bis heute ist ePTFE der Stoff, aus dem die mikroporöse, aber robuste Gore-Tex-Membran besteht: wasserdicht, winddicht und zugleich atmungsaktiv. In Kombination mit feuchtigkeitsleitenden Innenstoffen und robusten Außenstoffen revolutionierte diese Erfindung die Outdoor-Branche. Auch für Feuerwehr und Polizei ist Bekleidung aus Gore-Tex die erste Wahl. Zudem steht die Marke ganz besonders für Langlebigkeit. Die funktionalen Eigenschaften von Outdoor-Produkten aus Gore-Tex bleiben bei regelmäßiger sachgemäßer Pflege erhalten (siehe unten). Auf Wasserdichtigkeit, Atmungsaktivität und Winddichtigkeit gibt der Hersteller eine lebenslange Zufriedenheitsgarantie. Das rechnet sich für den Käufer und auch für die Natur.

Nicht nur Wanderer und andere Bergsportler tragen häufig Gore-Tex-Kleidung. Auch bei Feuerwehr und Polizei kommt sie vielerorts zum Einsatz.

»Wirklich nachhaltig ist, was lange getragen wird«, betont Achim Löffler, Global Business Leader Consumer Oriented Fabrics bei Gore. Die Ökobilanz über die gesamte Lebensdauer einer Gore-Tex-Jacke summiert sich immerhin auf 2080 Liter Wasser, 276 Kilowattstunden Energie und 72,7 Kilogramm CO₂. »65 Prozent der Umweltlast entstehen in der Produktion und Distribution«, so Löffler. »Immerhin mehr als ein Drittel entsteht in der Nutzungsphase.« Weniger als ein Prozent sei der Entsorgung zuzuschreiben. Je länger ein Produkt genutzt wird, desto geringer fällt die Umweltbelastung pro Jahr aus. Bereits im Jahr 1993 unternahm Gore erfolgreiche Versuche, Gore-Tex-Jacken zu recyclen. Zu diesem Zweck setzte das Unternehmen gemeinsam mit Händlern und Markenpartnern auch ein Rücknahmesystem auf. Jedoch: Die Rücklaufquote fiel äußerst gering aus. »Das liegt wohl daran, dass der Kauf von Gore-Tex-Jacken als Investition in ein langlebiges Produkt wahrgenommen wird. Selbst nach sehr langem Gebrauch geben Outdoor-Sportler sie daher nicht gerne zurück«, erklärt Löffler.

Und wie steht es bei Gore mit den umstrittenen per- und polyfluorierten Chemikalien (PFC)? »Als Verarbeitungshilfsstoff bei der Herstellung der ePTFE-Membran setzen wir zur Zeit noch ökologisch bedenkliche PFCs ein, die jedoch in Form von ePTFE weder für den Mensch noch für die Umwelt gefährlich sind«, sagt Achim Löffler. Der Einsatz von diesen PFCs soll aber bald Geschichte sein. »2017 folgte aus einer intensiven und fruchtbaren Diskussion mit Greenpeace ein ambitioniertes Forschungs- und Entwicklungsprogramm«, erklärt Löffler. »Und wir liegen voll auf Kurs, was die komplette Eliminierung von ökologisch bedenklichen PFCs bis zum Jahr 2023 anbelangt.«

Innovationen und Ressourcenschonung

Fortlaufend wird das Chemikalienmanagement nachhaltig verbessert. Seit Ende letzten Jahres erfüllen rund 85 Prozent aller Gore-Tex-Laminate für Outdoor-Bekleidung die strengen Umweltkriterien des Bluesign-Standards. Auf eine verbesserte Ökobilanz zahlt zudem das sogenannte Spinndüsenverfahren ein, das Gore seit ein paar Jahren bei der Färbung von Außenstoffen anwendet. Dabei trägt man Farbstoffe nicht wie sonst üblich oberflächlich auf, sondern sie werden mit dem Nylon- oder Polyestergranulat vermengt und eingeschmolzen. Daraus entsteht dann durchgefärbtes Garn. Die Farben des durch UV-Strahlung und Abrieb besonders beanspruchten Oberstoffs bleiben so länger brillant und bleichen nicht aus. Zugleich punktet das Färbeverfahren durch einen deutlich reduzierten Wasserverbrauch und einen geringeren CO₂-Ausstoß. Es funktioniert ebenso bei recycelten Kunststoffen, die Gore zunehmend verwendet. Seit Jahrzehnten setzt Gore immer wieder Maßstäbe bei funktionalen Materialien.

Zu den vielen Labortests bei W.L. Gore gehört unter anderem die Prüfung des Abperlverhaltens.

Daran sollen ab Herbst drei neue Technologien für Gore-Tex-Pro-Laminate anknüpfen: Die erste verspricht maximale Robustheit (»most durable«), die zweite maximale Atmungsaktivität (»most breathable«), und die dritte soll mit besonders guter Dehnbarkeit (»stretch«) punkten. Vier Jahre Entwicklungsarbeit stecken in diesen Laminaten. Mit harten Belastungstests wie dem Fünf-Finger-Scratch-Test aus der Automobilindustrie, bei dem Stahlnadeln mit unterschiedlicher Kraft über das Material kratzen, prüfte der Hersteller beispielsweise die Widerstandsfähigkeit gegen spitze Felskanten.

Ein halbes Jahrhundert liegt die Entdeckung von ePTFE nun bereits zurück. Aus der elterlichen Firma W. L. Gore & Associates aus Newark, Delaware, hat Bob Gore mit seiner Erfindung einen Weltkonzern mit 3,7 Milliarden US-Dollar Umsatz und über 10 500 Mitarbeitern gemacht. Mehr als 5500 Innovationen wurden patentiert. Von medizinischen Implantaten bis zu Gitarrensaiten reicht das Portfolio. Widerstandsfähige Elektrokabel schafften es sogar mit der Apollo 11 bis auf den Mond – sowie in anderen Weltraummissionen zu Saturn, Pluto und Mars. Und die Zukunft soll noch viele weitere Projekte bringen. »Wir können noch mehr verändern. Wir können die Welt bewegen – und das auf positive Weise«, sagt der 82-jährige Bob Gore im firmeneigenen Jubiläumsvideo.

Forschung und Entwicklung sind und bleiben dabei die treibende Kraft. So tüfteln und testen auch die Mitarbeiter im Bereich Outdoor-Equipment unermüdlich weiter. Ob Gore-Tex-Surround-Schuhe mit einer wasserdampfdurchlässigen Sohle oder die Weiterentwicklung der ultraleichten, extrem atmungsaktiven Gore-Tex-Shakedry-Jacke, bei der die Membran zugleich das Obermaterial bildet – der Innovationsgeist ist und bleibt ungebrochen.

Perfekte Pflege für Funktionskleidung – Tipps:

  • Separat bei 40°C im Schongang, nur Flüssigwaschmittel verwenden und bei niedriger Drehzahl schleudern. Nicht vergessen: Alle Reißverschlüsse schließen.
  • 20 Minuten bei niedriger Drehzahl im Wäschetrockner reaktiviert ganz unkompliziert die Imprägnierung des Obermaterials von Funktionskleidung.
  • Statt Trockner: Auch ein Bügeleisen bei Niedrigtemperatur ohne Dampf reaktiviert die Imprägnierung. Zum Schutz ein Tuch zwischen Kleidung und Bügeleisen legen.
  • Muss nach dem Waschen und Trocknen die Imprägnierung erneuert werden, sind Sprays ohne PFC am umweltschonendsten.
  • Herstellerhinweise beachten. Wer lieber Fachleute anseine Kleidung lässt: Gore bietet einen Wasch- und Imprägnierservice an, schnell und einfach per Post. Infos: service.gore-tex.de
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