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Funktionsjacken im Test

Alle Wetter - Funktionsjackentest

Jedes Jahr kommen Dutzende neuer Funktionsjacken auf den Markt. outdoor hat acht neue Modelle von 130 bis 300 Euro gestestet. Welche sind zu empfehlen?

Dicke Wassertropfen prasseln wie Trommelfeuer auf outdoor-Ausrüstungsre­dakteur Frank Wacker herunter. Ohne die schützende Funktionsjacke wäre er in Sekunden durchnässt. Doch plötzlich wird die Stirn feucht, Wasser rinnt über die Wangen in Richtung Kinn – eine undichte Naht an der Kapuze. Auch am Rumpf unterhalb der Achseln entstehen feuchte Stellen – die Abdeckung der Achselzipper (Pitzips) ist zu ­schmal, um den Reißverschluss von den schräg von oben kommen­den Wassermassen zu schützen.

Beide Schwachstellen sind im Laden nicht unbedingt erkennbar. In der outdoor-Powerberegnung, die einen mehrstündigen, sturmge­peitschten Wolkenbruch simuliert, werden sie aufgedeckt. Jede von outdoor getestete Funktions­jacke muss sich diesem Extremtest stellen. Denn nur so sind die Ergebnisse über Jahre hinweg vergleichbar. Und nur wenn eine Jacke diese Tortur ohne größere Blessuren übersteht, kann sie ein gutes Testurteil bekommen. Dann kann sie auch bedenkenlos bei Touren in Schlechtwettergebieten wie etwa in Schottland eingesetzt werden. Im aktuellen outdoor-Test von acht Funktionsjacken zwischen 130 und 300 Euro sind das immerhin sechs Modelle.

Alle Testkandidaten sind nach dem Zweilagenprinzip konstruiert. Das heißt, sie bestehen aus zwei voneinander getrennten Schichten: Dem Außenstoff, auf dessen Innenseite ein hauchdünner wasserdichter, atmungsaktiver Film (Beschichtung) oder eine Folie (Membran) aufgebracht ist, und dem Futter. Dieses schützt die wasserdichte, atmungsaktive Barriere vor Beschädigungen. Außerdem verhindert das Futter, dass das Material auf der Haut klebt, wenn im Innern Kondensfeuchtigkeit entsteht.

Das passiert selbst bei den besten Jacken im outdoor-Test, denn bei Kälte, hoher Luftfeuchtigkeit oder auf deftigen, nicht enden wollen­den Aufstiegen kondensiert ein Teil der Schwitzfeuchtigkeit im Jackeninnern – so wie im Winter Fenster beschlagen. Unterm Strich hat sich die Atmungsaktivität (Wasserdampfdurchgang und Feuchtigkeitsaufnahme) in den letzten Jahren im Schnitt aber enorm gesteigert – das zeigen die Messwerte, die im outdoor-Labor ermittelt werden, und der Praxistest auf der Schwäbischen Alb. Auf den zahlreichen, steilen Aufstiegen merken die Tester schnell, ob sich das Jackeninnere in eine Dampfsauna verwandelt oder noch im grünen Bereich liegt. Ergebnis: Wer es auf seinen Wanderungen gemütlich angehen lässt, wird in puncto Klima mit allen Testjacken glücklich.

Lieben Sie es dagegen sportlicher, kommen nur drei Modelle in Frage: Jack Wolfskin, Mountain Equipment und Vaude. Neben leistungsfähigen Materialien besitzen diese auch sehr gute Belüftungsmöglichkeiten. Über lange Pitzips und weite, verstellbare Ärmelbündchen kann man Dampf ablassen, sobald es mit schwe­rem Gepäck oder im Gebirge so richtig zur Sache geht – ein ähnlicher Effekt, als würde man nach dem Duschen oder Baden lüften und das Badfenster öffnen. Etwas Verbesserungspotenzial steckt dagegen noch in der Imprägnierung der acht Testkandidaten, die nach zehn Wäschen nicht mehr ganz so wirkungsvoll Wasser abperlen lässt wie bei vielen High-End-Model­len. Dadurch sinkt bei Regen die Atmungsaktivität, die Jacke fühlt sich klamm an. Man muss also schneller zum Imprägnierspray greifen, um den Außenstoff neu zu imprägnieren.

Der Tragekomfort der Testkandidaten liegt auf einem guten bis sehr guten Niveau. Fast alle Jacken tragen sich geschmeidig, engen nicht ein und sind problemlos zu bedienen. Ein Großteil der Kapuzen lässt sich gut an den Kopf anpassen und macht seine Bewegungen mit. Grundsätzlich gilt aber vor dem Kauf: anprobieren! Nur wenn die Jacke richtig passt, fühlt man sich pudelwohl. Bewegen und heben Sie die Arme. Spannt es dabei, sollten Sie die nächste Größe wählen – oder ein anderes Modell. Tragen Sie bei der Anprobe unbedingt auch die Fleecejacke, die Sie später auf Tour unter der Funktionsjacke tragen werden. So spüren Sie schnell, ob beide Modelle miteinander harmonieren oder die Kombi einengt. Die Frage, wie viele Taschen ­eine Jacke haben sollte, richtet sich nach dem Einsatzbereich. Für Tageswanderungen reichen Einschubtaschen, möchte man die Jacke allerdings auch auf Hüttentouren oder Treks einsetzen, benötigt sie mindestens eine, besser zwei Brusttaschen, die vom Hüftgurt nicht verdeckt werden, wie beispielsweise bei der All Terrain von Jack Wolfskin.

Alles in allem sind in einem insgesamt guten Testfeld drei Modelle besonders zu empfeh­len. Die robuste Jack Wolfskin All Terrain ist die richtige Wahl für Trekkingtouren, das Komfortmodell von Mountain Equipment empfiehlt sich vor allem für Wanderer. Sparfüchse wiederum, die eher gemütlich unterwegs sind, greifen zur Columbia für günstige 150 Euro.

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Der Jacke an den Kragen

Der Waschmarathon simuliert den Dauergebrauch mehrerer Monate. Nach den zehn Maschinenwäschen zeigt sich schnell, wie haltbar die Imprägnierung ist oder ob sich beispielsweise Nahtbänder (Tapes) lösen, die zum Abdichten der Nähte von innen aufgeklebt werden.

Die Powerberegnung gleicht einem mehrstündigen, sturmgetriebenen Wolkenbruch und entlarvt schonungslos jeden Konstruktions- und Verarbeitungs­fehler der Testkandidaten. Diese Standard­beregnung ermöglicht die Vergleichbarkeit unterschiedlicher Jacken über Monate und Jahre hinweg – im Praxiseinsatz allein wäre dies nicht möglich: Es herrschen zu unterschiedliche Bedingungen. Der Windschutz von Kapuzenschild, Kragen, Bündchen und Saum wird im Praxistest bewertet.

OD  Nahtmessung beim Jackentest
Daniel Geiger
Die Länge der Nahtbänder wird penibel gemessen.

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Die Klimaprüfung ermittelt das Jacken­klima in mehreren Schritten. Zum einen misst das outdoor-Labor den Dampf­durchgang der Materialien, zum ­anderen aber auch die Menge an Kondensat (je weniger, desto besser) und die Feuchtigkeitsverteilung auf der Materialinnenseite: Je mehr sich Feuchtigkeit verteilt, desto angenehmer das Klima. Mit diesen Werten und den Ergebnissen des Praxistests wird die Atmungsaktivität bestimmt. Auch die Imprägnierung des Oberstoffs beeinflusst den Klimakomfort: Ein Außengewebe, das kaum Nässe aufnimmt, erhält die Atmungs­aktivität und fühlt sich nicht so klamm an. Die Qualität einer Imprägnierung zeigt sich nach der outdoor-Beregnung. Zusätzlich bestimmt outdoor die Fläche der Tapes und die Menge sich überlappender Mate­riallagen (Konstruktion): Weniger Tapefläche und Überlappungen bedeuten, dass mehr Feuchtigkeit aus der Jacke entweicht.

Der Praxistest dient als Bewertungsgrundlage für den Tragekomfort. Da­bei benotet die outdoor-Testcrew auch die Handhabung und Ausstattung der Jacken.

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