Leserreportage - Färöer Inseln - Raue Landschaft im Nordatlantik

Die Färöer Inseln ohne Plan erkunden

Foto: Laura Oppelt_privat Leserstory: Färöer Inseln
Eine schöne Belohnung für den Prüfungsstress: Nach dem Abitur erkunden zwei junge Frauen die Färöer-Inseln und lassen sich vom Entdeckergeist leiten ...
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Laura Oppelt (19) ist eine leidenschaftliche Hobbyfotografin und Bergsteigerin. Draußen in der Natur sein bedeutet für sie, stets neue Welten zu entdecken und mit anderen Augen wahrzunehmen.

Das Abi ist geschafft! Ein perfekter Zeitpunkt für meine Freundin Silvia und mich, auch in Sachen Reisen mal etwas ganz Neues anzugehen. Nach einigem Hin und Her entscheiden wir uns schließlich für zwei Wochen Backpacking auf den Färöer-Inseln. In Wanderschuhen, mit Zelt und Rucksack, wollen wir die spärlich besiedelten »Schafinseln« im Nordatlantik ganz naturnah erleben.

An einem windigen Nachmittag stehen wir dann in Vágar, der mit rund 3000 Einwohnern drittgrößten Stadt der Färöer, vor deren einzigem Flughafen. Beide tragen wir stolze 18 Kilogramm Gepäck auf dem Rücken. Wanderkarten befinden sich allerdings nicht darin. Es mag naiv und unvorsichtig wirken, aber wir wollen alles auf uns zukommen lassen, uns treiben lassen, eintauchen in eine unbekannte Welt. Morgens nicht zu wissen, wo man abends das Zelt aufbaut, das bedeutet für uns die pure Freiheit.

Foto: Laura Oppelt_privat Leserstory: Färöer Inseln

Selfie-Stopp bei der Zeltplatzsuche – hier ist es definitiv zu steil

Wir starten unsere erste Wanderung einen Tag später im Ort Tjørnuvík auf der Insel Streymoy. Der mit Steinmännchen markierte Weg führt hoch hinauf, bis wir einen atemberaubenden Blick auf die Küste, das Dorf und die beiden Felsnadeln Risin und Kellingin haben. Der Legende nach han- delt es sich um einen versteinerten Riesen und seine Frau, die dort aus dem Küstenwasser ragen. Wir wandern weiter, bis uns aufsteigender Nebel völlig einhüllt. Er ist so dicht, dass wir die Steinmännchen nicht mehr finden und uns nichts anderes übrig bleibt, als zu warten. Doch bald reißt es wie der auf und wir erblicken unser Ziel: das winzige Dorf Saksun, unten in einer Bucht gelegen.

Von dort geht es weiter auf die Insel Eysturoy. Oberhalb vom Dorf Funningur finden wir einen Platz für unser Zelt mit fantastischem Blick auf den Fjord. Vor dieser Kulisse würde das Abendessen sogar völlig ungesalzen schmecken. Die raue, ursprüngliche Landschaft, die Lichtwechsel auf den Bergen und die absolute Ruhe begeistern uns grenzenlos. Und ab diesem Zeitpunkt vergehen die Tage wie im Flug. Jeden Abend planen wir im Zelt unsere nächste Etappe, lassen uns überraschen von der neuen Umgebung und dem wechselhaften Wetter. Wir wandern über steile Bergflanken, an schmalen Bändern entlang der Küste, über Passstraßen, vorbei an Wasserfällen und Häusern mit Gras auf dem Dach, begleitet von unzähligen Schafen.

Wind und feiner Nieselregen machen uns nichts aus, doch an einem Tag bleiben wir bis nachmittags um drei im Zelt, weil es einfach nicht aufhören will, wie aus Eimern zu schütten. Dafür erleben wir an anderen Tagen einzigartige Sonnenuntergänge auf einsamen Berggipfeln. Der Blick reicht weit, bis zu den anderen Inseln. Sogar Papageientaucher sehen wir einige Male.

Weitere Highlights der Tour sind die Zeltnächte in Gásadalur und am Sørvágsvatn, dem größten See der Färöer, außerdem der Helikopterflug von der Hauptstadt Tórshavn zurück nach Vágar. Und: Alle Menschen, die wir treffen, zeigen sich äußerst hilfsbereit, freundlich und aufgeschlossen. Wir wollen auf jeden Fall eines Tages wiederkommen – mal schauen, ob man vielleicht an der kleinen Universität der Färöer ein Auslandssemester machen kann ...

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26.03.2018
Autor: Laura Oppelt
© outdoor