Kurs Südwesten - mit dem Fahrrad von Süddeutschland nach Südspanien

Hart am Wind: Radtour zu den besten Kitesurf-Spots am Mittelmeer

Foto: Oliver Aumüller outdoor-Leserreportage: Hart am Wind
Start in Franken, Kurs Südwesten: Seine Fahrradreise mit offenem Ende kombiniert Oliver Aumüller mit Kitesurf-Stopps, wo immer es passt ...
Foto: Oliver Aumüller outdoor-Leserreportage: Hart am Wind

Oliver Aumüller stammt aus dem mittelfränkischen Leuzdorf. Ein Motto des 35-Jährigen lautet: »Reich ist der, der wenig benötigt.« Wer mehr über seine Reisen erfahren will, surft zu windtramp.org

Schon lange versuche ich, meine Träume und Visionen auch zu leben. Fahrradfahren und Kitesurfen – für eine Open-End-Reise, die diese beiden Leidenschaften vereint, kündige ich im Sommer 2015 meinen Job. Grobe Route: von meiner fränkischen Heimat durch Süddeutschland nach Frankreich fahren und der Mittelmeerküste nach Tarifa in Südspanien folgen. Rund 80 Kilogramm wiegt das Gepäck in meinem Fahrradanhänger, als ich bei Sonnenschein auf dem PaneuropaRadweg gen Westen rolle. Das Reisetempo erlaubt es mir, Leben und Natur entlang der Strecke aufzunehmen.

Foto: Oliver Aumüller outdoor-Leserreportage: Hart am Wind

Kann immer mal wieder passieren: ein Speichenbruch.

Durch Frankreich geht es entlang der Rhone, und ich genieße es, im Flusstal an grünen Weiden und Wäldern vorbeizufahren. Die Orientierung fällt leicht, die Kondition steigt. Nach einer Woche knacke ich erstmals die 100-km-Tagesmarke – ohne Training. Mein Credo: Je länger eine Radreise dauert, desto weniger muss man vorher trainieren, da man die Etappen ohne Zeitdruck dosieren kann ... Einige Tage später komme ich in Beauduc an, im Nationalpark der Camargue an der französischen Mittelmeerküste. Der erste Kitespot! Da der Strand sehr abgeschieden liegt, verfahre ich mich mehrmals und werde von Mückenschwärmen heimgesucht. Schlaglö- cher überziehen den Weg. Aber am Abend ist es geschafft. Die rosa Flamingos in den Salzbecken, das Meer und der Sonnenuntergang entschädigen für alle Anstrengungen, die bisher auf der Route lagen.

Die Folgetage bescheren mir reichlich Wind, und ich bin sehr glücklich, dass die Rad-Kite-Kombination endlich aufgeht. Auf der Weiterfahrt wachsen am Horizont die Vorberge der Pyrenäen, denen ich mich mit Respekt nähere und die ich leichter als erwartet durchquere. In Spanien verbessern sich meine Sprachkenntnisse durch den Kontakt mit den Einheimischen stetig – beim Erkundigen nach dem Weg, Essen oder der Zeltplatzsuche.

In La Manga del Mar Menor, einem Erholungsort in der südspanischen Region Murcia, klappt es mit dem Kiten mal wieder besonders gut. Nur eine schmale Landzunge trennt das »Mar Menor«, einen gut 20 Kilometer langen See, vom Meer. Als größtes salzhaltiges Binnengewässer von Europa eignet er sich nicht nur perfekt zum Kitesurfen, sondern soll auch regenerativ wirken – das kann mein Körper nach fast 3000 Kilometern brauchen ...

Foto: Oliver Aumüller outdoor-Leserreportage: Hart am Wind

Als er die Küstenausläufer der Sierra Nevada durchradelt, ist Oliver schon gut im Training.

Weiter südwestlich erwartet mich einige Tage später die bergige Halbwüste des andalusischen Nationalparks Cabo de Gata. Gegenwind, Speichenbruch, Schiebepassagen: Hier verlangt mir die Etappe alles ab. Nach jedem gefahrenen Kilometer mache ich zehn Minuten Pause. In Almeria angekommen, sind meine Kräfte am Ende – trotz guter Bedingungen packe ich den Kite nicht aus. Zum Glück bläst der Wind auch in den Folgetagen. Am Horizont zeichnet sich bereits der berühmte Felsen von Gibraltar ab, und einen Steinwurf weiter liegt Tarifa. Geschafft! Aber vorbei ist meine Reise noch lange nicht: Nach einer Ruhephase in Tarifa warten die Kanaren, und anschließend lockt Lateinamerika.

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22.01.2018
Autor: Oliver Aumüller
© outdoor