5 Frauen berichten über ihre schönsten Fernreisen

Mein großes Abenteuer + outdoor Woman als pdf

Fünf Outdoorerinnen berichten hier über ihre schönsten Erlebnisse in der großen weiten Welt - diesen und weitere Artikel gibt es auch als PDF zum Download ...

Wohin zieht es unsere Redakteurinnen und Mitarbeiterinnen, wenn sie mal so richtig viel Zeit für eine schöne Fernreise haben? - Fünf Vorschläge gibt es auf dieser Seite weiter unten.

Im 30 Seiten-PDF (outdoor Woman 04/16 + 11/16) findet die Outdoor-begeisterte Frau außerdem viele weitere Inspirationen und Tipps für das Leben draußen - auch mal fernab der Familie, des Jobs und den Verpflichtungen! Darunter ein Hike & Sail-Trip in Kroatien, ein Hüttenwochenende mit der besten Freundin in den Tannheimer Bergen und jede Menge Ausrüstungstipps ...

Loading  

Kerstin Rotard: Mitten in der Wüste schlafen

Nichts kommt dem Gefühl gleich, in der Wüste unter freiem Himmel zu schlafen. Zwei Nächte und drei Tage habe ich vor ein paar Jahren auf dem Tok-Tokkie-Trail in den Horseshoe Mountains verbracht, einem hügeligen Teil der Namibwüste. Morgens zwitschert eine Ammer den Morgen herbei, der Himmel leuchtet rot, die Berge am Horizont glühen violett. Es ist frisch, aber die Schlafrolle auf dem Feldbett hält mollig warm. Ein Guide bringt dampfenden Kaffee. Nach dem Frühstück stapft er voraus und erklärt die Besonderheiten dieser Natur, gräbt die Spinne "Dancing White Lady" aus und zeigt, wie man Spuren von Oryx- und Kudu-Antilopen unterscheidet. Mittags ist Rast unter einer gewaltigen Akazie angesagt, während ganz in der Nähe Webervögel ihre riesigen Gemeinschaftsnester bauen. Ein heißer Wind weht, treibt roten Sand und Bushmangras vor sich her. Abends wird man fein bekocht und duscht unter einem aufgehängten Eimer. Noch heute überfällt mich manchmal Sehnsucht nach der Wüste in den Horseshoe Mountains. Info: toktokkietrails.com

Foto: Christoph Jorda Namibia Camping

Lena Jauernig: 4265 km zu Fuß auf dem PCT

Wahrscheinlich wird sie das Abenteuer meines Lebens bleiben: die sechsmonatige Tour auf dem Pacific Crest Trail in den USA mit meiner Freundin Bea. Wie beschreibe ich 4265 Kilometer, von der US-Grenze zu Mexiko bis Kanada? Irre heiße Wüsten und schneebedeckte Viertausenderpässe in Kalifornien, bizarre Vulkanlandschaften in Oregon, tiefgrüne Wälder und zum Schluss raue Gebirgswelt in Washington. Wir kamen an den Punkt, wo wir 40 Kilometer am Tag liefen, Erdnussbutter löffelten und trotzdem abnahmen. Wir wurden »Hikertrash«, wie die Amerikaner sagen: schliefen, wo es uns gefiel, duschten selten, besaßen nur eine Hose und keinen Kamm. Einmal brach ein Schwarzbär aus dem Gebüsch und stand uns auf dem Trail gegenüber. Richtige Angst hatte ich aber nur, als ich dachte, uns folge ein Puma. Und nach der Rückkehr aus der Wildnis fand ich den Zivilisationsalltag seltsam. Info: pcta.org

Katharina Hübner: Vulkanwandern am Tongariro

Vor einigen Jahren bin ich sieben Wochen durch Neuseeland gereist. Zu den Highlight-Treks gehört für mich der Tongariro Northern Circuit auf der Nordinsel: In drei bis vier Tagen umrundet er den Vulkan Mount Ngauruhoe, der im »Herrn der Ringe« als Kulisse für Mount Doom diente. Schnell hat man auf diesem Weg das Gefühl, eine fremde Welt zu durchstreifen. Prärieartige Tussockgras-Landschaft, weglose Geröllfelder und wüstenartige Dünen haben sich mir besonders ins Gedächtnis gebrannt. Unvergesslich ist Etappe zwei mit dem fast schon legendären »Tongariro Alpine Crossing«: Man kommt dem Ngauruhoe und dem Tongariro ganz nahe und passiert leuchtend blaue Kraterseen. In der Nacht zuvor stürmte es so sehr, dass unsere Hütte wackelte – aber um fünf Uhr früh legte sich der Wind zum Glück, und dank des frühen Starts hatten wir die Mordor-Welt eine ganze Weile fast für uns. Info: doc.govt.nz/tongarironortherncircuit

Foto: OneShot | Andy Belcher neuseeland-tongariro

Christiane Rauscher: Im Reich der Inka - Machu Picchu

Frühmorgens stehe ich enttäuscht auf einem Berg in den peruanischen Anden. Warum sehe ich unter mir eine Nebelsuppe und neben mir betretene Gesichter, statt auf die Ruinen von Machu Picchu zu schauen? Doch plötzlich teilt sich die graue Masse: Vorhang auf und volles Morgenlicht für das Meisterwerk aus grauen Steinen zwischen grünen Hängen, terrassenförmig auf einem Bergrücken erbaut. Der anstrengende Weg von der Stadt Cusco hat sich also gelohnt, zwei Tage unterwegs, per Minibus, mit dem Mountainbike und zu Fuß. Man sollte unbedingt ganz früh dort sein, dann ist es anfangs leer – und es gibt so viel zu sehen! Zum Beispiel auf den Huayna Picchu klettern, einen der umliegenden Minigipfel mit Traumblick auf Machu Picchu. Steile Treppen mit hohen Stufen machen die Erkundungstour zwischen den Ruinen zum Sport. Zurück nach Cusco geht es abends per Zug. Acht Wochen war ich in Südamerika, aber kein Ort hat mich auch nur ansatzweise so fasziniert wie die Inkastadt in Peru. Info: machupicchu.gob.pe

Foto: pixabay machu-picchu

Synnove Utewing: Senja - Norwegen im Kleinen

Senja, die zweitgrößte Insel Norwegens, hoch oben im Norden auf Höhe der Lofoten, ist für mich wie eine zweite Heimat – und eine wunderschöne dazu. Senja gilt als "Norge en miniatur". Hier findet man alles, was Norwegen so besonders macht. Spektakuläre Gipfel, blaue Fjorde, malerische Seen und einsames Fjell. Dieses Jahr bin ich zum ersten Mal Senja på langs gewandert. Ein Viertagestrek, aus dem jedoch insgesamt fünf Tage wurden. Nicht nur, weil die Gehzeiten stramm bemessen sind und die Route meist weglos ist. Es gibt auch so viele schöne Ausblicke, dass man gerne mal verweilt. Das schönste Teilstück, fand ich, geht am dritten Tag durch den Ånderdalen Nationalpark. Stege führen durch eine Landschaft aus Moor, Seen und Kiefernwald. Federnd schreitet man über Holzbohlen. Direkt am Åndervatnet gibt es eine kleine Holzhütte mit Ofen, Betten und einer kleinen Küche – zugänglich für jeden. Für mich der schönste Platz der Welt. Infos: tranoy.kommune.no ->turistinformasjon

08.03.2017
Autor: Ralf Bücheler
© outdoor
Ausgabe 11/2016