Mentale Aspekte

Die Psyche beeinflusst stark die Leistungsfähigkeit jedes Einzelnen. Dabei ist die Mentalität der Expeditionsteilnehmer genauso wichtig für das Gelingen des Vorhabens wie der Zusammenhalt der Gruppe – ein eingeschworenes Team kann vieles wegstecken.

Außer Atem: Glowacz nach einem Schwimmer im Eismeer.
Foto: Gerd Heidorn

Persönlichkeiten
Die Veranlagungen der Teilnehmer sind ebenso entscheidend wie die jeweilige Tagesform. Wegen dieser unterschiedlichen Voraussetzungen können Menschen ein und dieselbe Situation völlig unterschiedlich einschätzen. Die Todesangst des einen kann dabei die Langeweile des anderen sein. Optimisten und Stoiker sind auf Expeditionen also klar im Vorteil: Wer in brenzligen Situationen gelassen bleibt, kann seine Gedanken auf das Wesentliche konzentrieren.

In großen Höhen kann ein Mensch nur 24 Stunden ohne Wasser auskommen.
Foto Frank Kauper

Teamwork
Kennen Sie Ihr Team? Wie belastungsfähig sind die Teilnehmer? Testen Sie es auf Vorbereitungstouren. Diese sollten unter ungünstigen Rahmenbedingungen durchgeführt werden: Bei schlechtem Wetter, mit zu wenig Proviant, zu dünner Kleidung, unter Schlafentzug – dann wird es aufschlussreich. Man kann auch Situationen simulieren: Teil der Ausrüstung verloren, Benzinkocher streikt, GPS ist ausgefallen ... Lassen Sie Ihrer Fantasie freien Lauf.

Schwächstes Glied
Gibt es einen schwächsten Teilnehmer? Dann muss der »schwarze Peter« von ihm genommen werden. Kommentare wie »hattest wohl keine Zeit zum Trainieren« sind genauso wenig angebracht wie übertriebene Rücksichtnahme. Fordern Sie Hilfe vom schwächsten Partner an. Dadurch denkt der Betroffene über andere nach und nicht über seine eigene Situation. Vorne gehen motiviert ungemein, statt nur auf die Stiefelabsätze des Vordermanns
zu schauen.

Schinderei für Fortgeschrittene: Kurt Albert (links) und Jens Reinhold auf dem Weg zum Klettern.
Foto: Archiv Reinhold

Der Weg ist das Ziel
Jeder, der an einer Expedition teilnehmen möchte, sollte sich auch über die Gründe seines Tuns Gedanken machen. Worin besteht meine Motivation? Geld verdienen? Will ich berühmt werden? Will ich mich selbst finden? Geht es nur um das Expeditionsziel? Ob es nun spirituelle oder handfeste Gründe sind, die jemanden antreiben: vielen Expeditionisten sind sie nicht bewusst. Antworten auf solche Fragen zu finden ist nicht zuletzt auch ein Grund, warum manche Menschen das Extreme suchen.

27.11.2003
© outdoor
Ausgabe 09/2003