Traumrevier Ligurien

Monte Saccarello

An der Grenze zu Frankreich steht der höchste Berg Liguriens: Der Monte Saccarello. Wo die Alpen ins Meer tauchen, fühlen sich Outdoor-Sportler besonders wohl.

 

Auf dem Weg zum Monte Saccarello
Foto: Ben Wiesenfarth Hoch hinauf geht es an der Grenze Liguriens zu Frankreich: Der Monte Saccarello ist mit 2201 Meter der höchste Gipfel der Provinz.

Überall bimmelt es. In einem wilden Gewusel treiben die Hirten eine Herde aus Ziegen und Schafen an uns vorbei. Ein Stückchen weiter unten grasen die weißen Kühe, die muskulösen ligurischen Rinder. Nur wenige Kilometer vom Mittelmeer entfernt stehen wir inmitten eines alpinen Almgeländes mit kargen Wiesen, urigen Hütten, lachenden Hirten und geländegängigen Tieren. Die Menschen hier sind stolz auf ihre Landwirtschaft und die Produkte, die sie daraus gewinnen. Mendatica im Hinterland von Ventimiglia und Imperia wird deshalb für die „Weiße Küche“ gefeiert.

Diese Art zu Kochen lehnt sich an die alpine Tradition an, entstanden aus der Almwirtschaft. Wissenschaftlich wird diese Lebensweise, bei der die Menschen zeitweise verschiedene Plätze bewohnen und bewirtschaften, als Transhumanz bezeichnet. Malga heißt die Alm auf Italienisch, und so ist der Malga-Käse der zentrale Bestandteil der Weißen Küche. Dazu gehören Kartoffelklöße mit Minze ebenso wie ein Lauchkuchen.

Simona Pastorelli und ihre Mutter Terzifia beherrschen all diese Gerichte und stehen schon morgens in der Küche, damit sie abends ihre Gäste mit den traditionellen Spezialitäten verwöhnen können. Da hat sie mit hungrigen Wanderern und Mountainbikern meist Glück. Wer auf dem in Fels gesprengten Sentiero degli Alpini gewandert oder mit dem Rad die alten Militärwege entlang des Ligurischen Grenzkamms gefahren ist, freut sich abends auf ein mehrgängiges Menü.

Energie brauchen Wanderer und Mountainbiker natürlich auch, wenn sie den höchsten Gipfel der Region, den Monte Saccarello mit 2201 Meter erklimmen wollen. Die Mühe lohnt sich: So nah am Meer finden sie sich trotzdem unmissverständlich mitten in den Alpen. Der Ausblick ist einzigartig.

Auf der französischen Seite liegt das mittelalterliche Örtchen La Brigue. Es ist der Hauptort der Brigasker. Dieses Hirtenvolk ist eine der unbekanntesten Minderheiten in den Alpen. Werner Bätzing, Professor für Kulturgeografie, weiß viel über ihre Kultur: Während andere Bergbauern im Tal wohnen und im Sommer mit ihrem Vieh auf die Alm ziehen, liegt der Hauptwohnsitz der Brigasker im Gebirge. Im Winter steigen sie mit ihren Viehherden hinab und lassen diese nahe des Meeres weiden. Doch dies ist nicht die einzige Besonderheit: In der brigaskischen Sprache gibt es neun Bezeichnungen für Schaf und vier Ausdrücke für deren Geläute. Wir wundern uns nicht mehr – denn um uns herum hören wir viele verschiedene Klänge der Glocken. Beinahe so vielfältig wie die Landschaft hier oben.


21.04.2009
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Ausgabe 03/2009