Paddeltouren in Finnland

Im Land der 1000 Seen: Paddel-Paradies Finnland

Finnland See Paddeln
Foto: pixabay
Südfinnland wird nicht umsonst als "das Land der 1000 Seen" bezeichnet. Dieses Paddelrevier ist einzigartig in Europa - wer einmal dort war, kehrt garantiert mit seinem Kanu oder Kajak zurück.

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Die große Liebe ist selten ein "coup de foudre", eine Liebe auf den ersten Blick. Sie braucht nämlich Zeit zum Entwickeln. Genauso ist es mit Finnland – das wirkt auf den ersten Blick eher unspektakulär im Vergleich zu den anderen Nordländern: Es gibt weder atemberaubende Fjorde noch schneebedeckte Felsmassive wie in Norwegen und auch relativ wenige idyllische Dörfchen oder Kulturdenkmäler, die gleich auf den ersten Blick so beeindrucken wie in Schweden. Genaues Hinsehen, wahrnehmen mit allen Sinnen und auf sich einwirken lassen – das ist hier angesagt. Finnlands Reiz liegt im Detail, in den einzelnen Puzzle-Elementen dieser Landschaft, die einen eben nicht ehrfürchtig erschauern lässt, sondern deren Schönheit sich einem erst im Laufe der Zeit erschließt. Für dieses langsame Herantasten ist die gemächliche Fortbewegung mit dem Kanu also genau das Richtige.

Paddeln ist die beste Art, Finnland im Sommer richtig kennen und lieben zu lernen. Vereinfacht wird dies noch dadurch, dass es kein Urlaubsziel für alle ist – schließlich gibt es jede Menge Vorurteile über dieses Land im nördlichsten Nordosten Europas: kalt, regnerisch, lästige Mückenschwärme, teuer ... Sie wirken wie ein Schutzmantel vor ewig nörgelnden Reisenden. Wer weiß denn schon, dass Südfinnland im Bereich des Kontinentalklimas liegt, das uns heiße, beständige, wenn auch recht kurze Paddelsommer schenkt?

Unsere Annäherung an Finnland ist sanft und eher kontemplativ: Wir machen es uns erst einmal an Deck des Frachtschiffes der Finnlines gemütlich, die nur ein bestimmtes Kontingent an Passagieren aufnimmt. Der Paddelurlaub hat damit eigentlich bereits begonnen: Vertieft in Gewässerkarten und Reiseführer, lümmele ich auf der Liege an Deck, bevor es Zeit wird, mich zu einem der auf dieser Überfahrt von Travemünde nach Helsinki zahlreichen leckeren Buffets zu begeben. Sie sind übrigens wie auch die Benutzung von Sauna und Whirlpool im Fährpreis inbegriffen. Fasziniert beobachten wir dabei, wie unser Schiff sich zwischen den zahlreichen Inseln seinen Weg sucht – mitten hinein ins Zentrum Helsinkis. Nach zwei Tagen in der finnischen Metropole werden wir schon auf unserer Autofahrt Richtung Norden von der Stille und Unendlichkeit der Wälder und Seen aufgesogen.

 

Foto: Thomas Kettler »Wellness« für Outdoor-Fans im Kolovesi-Nationalpark: Sonne, leises Plätschern beim Eintauchen des Paddels ...

Allmählich beginnen wir zu verstehen, was den Reiz dieses Landes ausmacht: saubere Flüsse und glasklare Seen – im Sommer von der Sonne erwärmt, die 20 Stunden scheint – mit herrlichen Badeplätzen, umrahmt von tiefgrünen Wäldern. Das lässt das Paddlerherz höher schlagen, egal ob es das eines Anfängers oder das eines Profis ist. Noch am selben Nachmittag starten wir in Virrat zu unserer ersten Kanutour im so genannten »Grünen Herzen«, einer Region im riesigen Seengebiet des Näsijärvis, in der Nähe von Tampere. Ausgerüstet mit der zuvor in der Touristinformation erstandenen Green Heart-Paddelkarte, suchen wir uns unseren Weg durch ein Labyrinth von Inselchen und Felsen. Immer wieder blinken kleine Ferienhäuschen mit ihren ufernah gebauten Saunen und hellen Sandstränden in der Abendsonne. Einige Fischer grüßen aus ihren Booten freundlich herüber. Durch einen wahren Teppich von rot blühendem Blutweiderich erreichen wir hinter einem lichten Schilfgürtel den schönen Rastplatz Nr. 43 mit seinem vorgelagerten, glatt geschliffenen Felsen. Blaue Schilder am Ufer, die mit Nummern versehen sind, sorgen hier dafür, dass man die Rastplätze entlang der Strecke schon von weitem erkennen kann.

Am Abend sitzen wir entspannt am knisternden Lagerfeuer und backen unser »Kalakukko« auf, das wir noch an diesem Morgen in den Markthallen von Helsinki erstanden haben. Diese Delikatesse stammt eigentlich aus dem Osten. Das aus Roggenbrot bestehende Gericht, in das Kohl, kleine Maränen (Renken) und fettes Schweinefleisch eingebacken sind, ist nur für Menschen mit robustem Magen geeignet und sicherlich nicht jedermanns Geschmack. Derart konserviert, halten sich die Zutaten tagelang. Das Gericht diente daher schon in früheren Zeiten Bauern und Holzfällern als Marschverpflegung ...

Die wichtigsten Reiseinfos zum Paddelabenteuer Südfinnland auf Seite 2

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22.02.2010
Autor: Thomas Kettler
© outdoor
Ausgabe 05/2003