Island: Reise- und Tourentipps

Island: Trekking im Land aus Feuer und Eis


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Wandern auf Island
Foto: pixabay

 

Reiseziel Island - Impressionen
Foto: www.iceland.is

 

Reiseziel Island - Impressionen
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Island erlebt einen Boom. Die Besucherzahlen steigen von Jahr zu Jahr, doch die meisten Treks und Touren haben Outdoorer immer noch fast für sich allein. Wir stellen Ihnen ein paar der schönsten Trekkingpfade und Wanderrouten auf Island vor.

Drehen wir die Zeit um rund 20 Millionen Jahre zurück und richten wir unseren Blick auf den Nordatlantik. Genauer: auf eine Stelle zwischen den Färöer-Inseln und Grönland, gleich unterhalb des Polarkreises. Dort, wo bislang nichts als Wasser war, brechen Lavamassen durch die Oberfläche, entfesselt von Urkräften tief unter dem Meer. Sie türmen sich auf zu einem der jüngsten und außergewöhnlichsten Flecken unseres Planeten: Island.

Noch heute dauert der geologische Schöpfungsakt an. Blubbernde Schlammtöpfe, dampfende Erdspalten, zischende Geysire und lavaspeiende Berge bezeugen eindrucksvoll die Kräfte, die hier wirken. Mit einer Fläche von rund 100.000 Quadratkilometern – knapp ein Drittel Deutschlands – ist Island die größte Vulkaninsel der Welt.

Doch neben dem Feuer prägt ein zweites Element ihr Gesicht: gewaltige Eismassen, die Island zu rund elf Prozent bedecken. Die teils fast tausend Meter dicken Eisplatten des Vatnajökull im Südosten erstrecken sich auf über 8000 Quadratkilometern – der größte Gletscher Europas.

Kein Wunder, dass dieses Land der Gegensätze, der Extreme und Superlative eine Anziehungskraft ausübt, der man sich schwer entziehen kann. Erik Van de Perre hörte den Lockruf schon früh. Der damals 27-jährige setzte im Mai 1993 zum ersten Mal mit der Fähre über, als Geologe wollte er wissen, wie es sich anfühlt, in einem "Land voller tickender Zeitbomben" zu leben. Per Rad und zu Fuß erkundete er die Insel den ganzen Sommer lang, es folgten weitere Reisen und schließlich der Umzug nach Reykjavik, wo er vier Jahre lebte. Heute kennt Erik Island wie kaum ein Zweiter, und viele, die zum Wandern kommen, haben seinen Trekkingführer im Gepäck. Der meistgelesene Abschnitt dürfte der über den Laugavegur sein, den "Weg der heißen Quellen".

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Foto: Erik Van der Perre Kennt Island wie kaum ein Zweiter: Erik Van de Perre.

Laugavegur – Islands Klassiker unter den Treks

Die viertägige Tour durch das südliche Hochland zwischen Landmannalaugar und Þórsmörk ist der mit Abstand bekannteste Trek Islands und – da sind sich die Experten einig – einer der schönsten der Welt. Dass er das Zeug zum Klassiker hat, war Erik schon bei seinem ersten Besuch klar. "Damals war das allerdings noch ein echter Wildnis-Trail. Ohne Karte und Kompass ging da gar nichts. Heute kann man ja fast mit dem Auto langfahren", sagt der Islandexperte – und weiß natürlich, dass er da ein wenig übertreibt.

Denn ohne Allradantrieb kommt man noch nicht mal zum Start. Anders als früher kann man die abenteuerliche Fahrt durch reißende Furten aber entspannt in einem der Offroad-Busse erleben, die mittlerweile viele ansonsten schwer erreichbare Ziele im Hochland ansteuern. Auch die Infrastruktur am Laugavegur hat sich verbessert: Holzpflöcke weisen nun den Weg durch die Wildnis, Hütten bieten einen Platz für die Nacht – falls man rechtzeitig gebucht hat. Denn jeden Sommer nehmen 6000 bis 8000 Wanderer den 54 Kilometer langen Wanderweg unter die Sohlen. Einsamkeit sucht man auf dem Laugavegur in der Saison also vergebens. Dafür findet man eine Vielfalt wie sonst nirgends in Island. "Es ist schon Wahnsinn, was man da auf engstem Raum alles sehen kann", sagt Erik und schwärmt von bunten Rhyolithbergen und heißen Quellen, tiefen Canyons und leuchtenden Gletschern, kargen Steinwüsten und grünen Birkenwäldern.

Auch die gute Erreichbarkeit von Reykjavik aus macht den Laugavegur zur ersten Wahl für Wanderer, die sich aus Zeitgründen auf die Highlights im Süden konzentrieren. Wie die meisten der mittlerweile rund 1,5 Millionen Besucher im Jahr – zehnmal so viel wie bei Eriks erster Islandreise. Dass es an Publikumsmagneten wie dem Wasserfall Gullfoss, dem Großen Geysir und dem Nationalpark Þingvellir in der Saison voll wird, sollte also niemanden verwundern. Doch abseits der vielbegangenen Wege ist Island vor allem eins: menschenleer.

 

Laugavegur Hütten
Foto: Mattias Fredriksson Die Plätze in den Hütten am Laugavegur sind schnell weg, man sollte also lieber reservieren.

Islands einsame Treks und Touren

Wer diese Einsamkeit spüren möchte und genug Zeit mitbringt, dem empfiehlt Erik, statt des Laugavegurs lieber verschiedene Touren durch weniger besuchte Regionen zu machen. Da wäre zum Beispiel der Kjalvegur im westlichen Hochland. Fast eben zieht die einfache Hüttentour in drei bis vier Tagen durch die ausgedehnte Geröll- und Lavawüste Kjölur. Sie folgt einem alten Pferdeweg, einst die wichtigste Verbindungsstraße zwischen Süd und Nord. Doch nachdem in der Gegend Geächtete ihr Unwesen trieben, wurde die Strecke gemieden, im 18. Jahrhundert geriet sie in Vergessenheit.

Auch heute genießt man den Blick auf den nahen Langjökul-Gletscher und das Wüstenfeeling oft ganz alleine. An den bunt schillernden Sinterterrassen des Geothermalgebiets Hveravellir erleben Wanderer schließlich ein farbkräftiges Finale – und im heißen Naturbecken neben der Hütte ein überaus entspanntes. "Das ist einer der schönsten Hot Pots überhaupt", schwärmt Erik, "völlig egal, wenn man dort noch drei Stunden auf den Bus warten muss. Eine bessere Bushaltestelle gibt es nicht."

Am Wasser endet auch ein weiterer Trek, auf dem man erstaunlicherweise recht wenige Mitwanderer trifft. Der Jökulsárgljúfur im Nordosten lässt sich für nichtisländische Zungen zwar kaum aussprechen, aber ohne Schwierigkeiten in zwei Tagen gehen. Auf gut 30 Kilometern erschließt er einen Teil des nördlichen Vatnajökull-Nationalparks, übernachten darf man nur auf Zeltplätzen. Wie so oft in Island locken auch hier Superlative.

Sintflutartige Gletscherläufe haben nach der letzten Eiszeit ein bizarres Schluchtensystem in das Vulkangestein gewaschen. Der Hauptcanyon ist mit rund 25 Kilometern Länge, bis zu 500 Metern Breite und 120 Metern Tiefe die größte Erosionsschlucht des Landes. Hindurch fließt der Jökulsá á Fjöllum, der am zweiten Tag die Show übernimmt: Er stürzt Wasserfälle hinab, die am Dettifoss ihre donnernde Krönung erreichen. Seine Fallhöhe von 45 Metern und die ungeheure Wasserwucht machen ihn zum "Niagara Europas".

 

Island Pony
Foto: pixabay Fortbewegungsmittel mit fünf Gängen ? – Das Island-Pony!

Island – Geothermisches Wunderland

Die hufeisenförmige Ásbyrgi-Schlucht am Anfang des Jökulsárgljúfur ist der Legende nach übrigens göttlichen Ursprungs: Odins Pferd Sleipnir stieß sich hier mit den Hufen ab, um der Sonne entgegenzufliegen. Der Mond hingegen war das Ziel jener Apollo-Astronauten, die sich ab 1965 im Gebiet des rund hundert Kilometer südlich gelegenen Askja-Vulkans auf ihre Mission vorbereiteten. "Die Jungs haben dort gelernt, geologische Proben zu entnehmen. Die konnten zwar Kampfjets fliegen, aber keine zwei Steine voneinander unterscheiden", erklärt Erik, der letztes Jahr einige der Teilnehmer bei einer Gedenkfeier in Húsavik kennengelernt hat.

Dass man sich in der Askja-Region tatsächlich wie auf dem Mond fühlt, weiß, wer den Öskjuvegur gegangen ist. Der Fünftagetrek durchquert die endlos wirkende Weite der Ódáðahraun-Wüste, zu den Blickfängen gehören Island schönster Tafelvulkan Herðubreið sowie die drei gewaltigen Askja-Vulkankessel. An windstillen Tagen hören Wanderer hier oft nichts außer dem Knirschen von Sand und Lava unter den Sohlen, doch weht ein Sturm, endet die Ruhe: Je nach Wetterlage fliegen dann mitunter Schneeflocken oder scharfkantige Bimssteinbrocken durch die Luft. Der Öskjuvegur ist ein Abenteuer, das Erfahrung und Durchhaltevermögen erfordert.

Natürlich muss man nicht unbedingt tagelang durch die Wildnis ziehen, um dem Zauber Islands zu erliegen. Einige der populärsten Tageswanderungen führen – wie könnte es anders sein – über die in fast allen Regenbogenfarben leuchtenden Rhyolithberge am Laugavegur-Start in Landmannalaugar. Intensiver Schwefelgeruch und ein allgegenwärtiges Brodeln, Blubbern und Zischen begleiten Ausflüge durch das geothermische Wunderland am Mývatn-See, eine der vulkanisch aktivsten Regionen der Erde.

Und so manche kurze Tour lockt sogar mit Eindrücken, die keiner der langen Treks bieten kann. Zum Beispiel die Schaubummelei an der mit Höhlen und Felstoren gespickten Steilküste von Arnarstapi. Oder am Breiðármörk Trail, der am Fuße des Eisriesen Vatnajökull gleich drei Gletscherlagunen verbindet.

Ob man Island nun auf klassischen oder unbekannten, auf gemütlichen oder anstrengenden Pfaden kennenlernt: Wer das Inselwunder hoch im Norden einmal betreten hat, wird die Erinnerung ein Leben lang mit sich tragen – oder der Sehnsucht nachgeben, immer wieder zurückzukehren. So wie Erik Van de Perre.

Reisetipps für Ihre Islandreise

Hinkommen
Mehrere Airlines fliegen nonstop zum Flughafen Keflavík. Günstig: eurowings.com und wow-air.de (teils unter 200 Euro hin/zurück). Per Schiff: An Bord der Norröna geht es wöchentlich vom dänischen Hirtshals über die Färöer nach Seyðisfjörður in Ostisland und zurück. In der Hauptsaison ab 880 Euro für zwei Personen/PKW, ab 538 Euro solo. smyrilline.de

Herumkommen
Wer im Mietwagen reisen möchte, findet bei früher Buchung Angebote ab zirka 70 Euro/Tag. Rund 50 Euro/Tag mehr kosten die günstigsten Allradfahrzeuge, um die man bei Fahrten abseits der Ringstraße und der Ortsstraßen nicht herumkommt. Eine Alternative bietet das hervorragende Linienbusnetz. Fahrpläne und -pakete der wichtigsten Unternehmen: re.is, sba.is, sternatravel.com

Orientieren
Das Kartenwerk Atlaskort vom Verlag Málog Menning deckt Island auf 31 Blättern im Maßstab 1:100.000 ab, wichtige Wandergebiete auch im Maßstab 1:50.000. Stückpreis 15,90 Euro, erhältlich z. B. auf geobuchhandlung.de

Beste Reisezeit
Die Wandersaison beschränkt sich auf die Zeit von Anfang/Mitte Juni bis Anfang September und verzeichnet die höchsten Besucherzahlen. Deswegen empfiehlt es sich, Unterkünfte frühzeitig zu buchen!

Buchtipps
Island: Trekking-Klassiker, E. Van de Perre, Stein Verlag 2016, 16,90 Euro. Island – Die schönsten Küsten- und Bergwanderungen, G. und C. Handl, Rother 2016, 14,90 Euro. 55 Touren von einer bis acht Stunden Länge.

Im Netz
Viele Infos zur Reiseplanung, zur Kultur und zu den Attraktionen des Lands bietet das offizielle Tourismusportal visiticeland.com

Unterkunft

In Reykjavik
Die gemütlichen Apartments von Reykjavik4you liegen im Herzen der Stadt und sind mit Küche, DVD-Player und WiFi ausgestattet. Mehrere Wohnungen stehen zur Wahl, das 3-Zimmer-Apartment für bis zu 5 Personen kostet z. B. ab 371 Euro/ Nacht. reykjavik4you.com

Am Mývatn-See
Das familiär geführte Skútustaðir Guesthouse gehört zu einem Bauernhaus in herrlicher Lage am Südufer des Sees. Mehrere Zimmeroptionen, darunter ein großes Cottage mit zwei DZ für 365 Euro/Nacht in der Hauptsaison. Frühstück mit selbstgemachtem Brot und Räucherforelle inklusive. skutustadir.is

Camping
Islands zirka 130 Zeltplätze öffnen meist nur zur Hauptsaison. Viele davon listen camping.is und campingkarte.is auf. Auch private Gasthäuser und Bauernhöfe bieten häufig Zeltmöglichkeiten an. Wildes Campen ist offiziell verboten, wird abseits der Nationalparks und Naturschutzgebiete aber oft geduldet.

Hütten
Die Wandervereine Ferðafélag Íslands und Útivist unterhalten insgesamt 45 einfache Hütten für Selbstversorger. Wer in der Hochsaison in beliebten Gebieten übernachten möchte, sollte sehr frühzeitig buchen. fis.is und utivist.is

Kulinarik

Fisch auf den Tisch
Das Restaurant Messinn in Reykjavik ist ein Mekka für Meeresfrüchte-Fans: Hervorragende, mit regionalem Touch kreierte Gerichte gibt es zu fairen Preisen, für Atmosphäre sorgt die maritime Ausstattung. Unbedingt reservieren. messin.com

Essen mit Sicht
Im urigen Café Fjöruhúsið im Westküstenörtchen Hellnar genießt man Kuchen, Waffeln, Quiches oder Fischsuppe bei einem traumhaften Ausblick von der Terrasse – der perfekte Rastplatz bei einer Wanderung hoch über dem Nordatlantik.

 

Niko Dohmen – Reisejournalist
Foto: Niko Dohmen

Tipps von Autor Niko Dohmen

Zeitreise
Zehn Minuten vom Flughafen Keflavík taucht man im Víkingaheimar-Museum in die Ära der Wikinger ein. Kernstück der Ausstellung: die "Íslendingur", eine seetüchtige Rekonstruktion des Schiffs, mit dem Leif Eriksson um das Jahr 1000 nach Nordamerika segelte. vikingaheimar.is

Fabelhaft
An der Ostküste lohnt ein Trip ins Dorf Bakkagerði. Es liegt inmitten bunter Berge und gilt als Hauptsitz des "verborgenen Volks", im Basalthügel Álfaborg residiert die Elfenkönigin. borgarfjordureystri.is

In die Röhre
Am westisländischen Vulkan Snæfellsjökull startet Jules Vernes "Reise zum Mittelpunkt der Erde". Nicht ganz so weit hinab führt die Tour in die 35 Meter tiefe und 200 Meter lange Lavaröhre Vatnshellir. 45-minütige Touren z. B. bei summitguides.is

Fisch umsonst
Das jährliche Fischfest im Nordküstendorf Dalvik lockt mit einem kostenlosen Meeresspezialitäten-Buffet, Straßentheater und Musik. Termin: erster oder zweiter Augustsamstag. fiskidagurinnmikli.is

14.01.2017
Autor: Niko Dohmen
© outdoor
Ausgabe 12/2016