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Berner Oberland: Die schönsten Bergtouren im Herzen der Schweiz
Schweiz: Hochgefühle im Berner Oberland
Nirgendwo liegen Drama und Bergpracht so nah zusammen wie in der Jungfrau-Region. outdoor zeigt die schönsten Bergtouren im Herzen der Schweiz.
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"Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hilfe kommt." Die Bewohner des Berner Oberlandes kennen den Beginn des Psalms 121 im Alten Testament genau. Die drei Ziffern prangen an prominenter Stelle weithin sichtbar über der Gegend zwischen den Nordabbrüchen von Eiger, Mönch und Jungfrau und dem Thuner- und Brienzersee, nämlich in der rechten Flanke der Jungfrau-Nordwand, leicht quergestellt. Wer nach ihnen sucht, wird sie finden, wie in einem Vexierbild bilden sich die Ziffern plötzlich aus Fels und Eis. Einmal erblickt, hüllt die Zahl mit dem heiligen Vers, der sich dahinter verbirgt, die Wandertage rund um Interlaken in Respekt und Ehrfurcht. Selbst den Blick der nicht ganz so Bibelfesten zieht es unweigerlich hinauf zum Dreigestirn von Eiger, Mönch und Jungfrau. Wie ständige Begleiter wachen die drei Berggeschwister über jeden Wanderkilometer.
Wer bei einem mehrtägigen Aufenthalt im Berner Oberland die Landschaftseindrücke steigern will, sollte sich Schritt für Schritt an die berühmte Kulisse herantasten und den spektakulären Nordabbruch des Aletschgebietes für den Schluss aufheben. Ohnehin übersieht man die ganze Pracht der 4000er am besten aus der Distanz. Dazu bietet sich als erste Tagestour der Weg auf das gut 2300 Meter hohe Steinschlaghorn an, etwa 25 Kilometer nordwestlich des Jungfraugipfels gelegen. Das »Steischlaghore« fordert Wanderer zu einer ersten Lektion Schweizerdeutsch heraus: Viele Gipfel im neuen Eidgenössischen Kartenmaterial sind nur noch auf Schwytzerdütsch beschriftet, doch mit der entsprechenden Beschilderung wird es noch ein paar Jahre dauern. Das führt gelegentlich dazu, dass Wanderer beim Anstieg auf den Gipfel auch ein paar sprachliche Stolpersteine überwinden müssen.
Bergtour übers Steinschlaghorn
Dass man sich in der Schweiz befindet, merkt man aber manchmal auch ohne Schwytzerdütsch. Aus dem Tal schwappt die Jodelmusik eines Dorffestes herauf, lockert Stimmung und Beine auf und verleiht einem das schöne Gefühl, auf diesem einsamen Weg nicht ganz alleine zu sein. Tatsächlich ziehen meist nur wenige Wanderer die Tour, da sie keine einzige Einkehrmöglichkeit bietet. Das ist für die geselligen Schweizer ein entscheidendes Kriterium, geht man hier doch kaum oder nur sehr ungern an Berggasthäusern vorüber, ohne nicht wenigstens einen kleinen Plausch mit dem Hüttenwirt gehalten oder eine kühle Rivella getrunken zu haben. Immerhin bietet die Sennerin der Gunggstand-Alm an, die Trinkflaschen mit frischem Bergwasser aufzufüllen. Sie freut sich sichtlich, heute mal fremde Gesichter zu sehen.
Obwohl an der Hütte nur ein einziger Weg vorbeiführt, erkundigt sie sich, wohin man denn möchte. »Uf´s Steischlaghore? Jawoll, sehr guat!« beurteilt sie den Entschluss und rät den Wanderern, bald zum Gipfel und von dort auch zügig zum anschließenden Gratweg aufzubrechen, denn auf das Steinschlaghorn (2321 m) geht es steil hinauf, und auch das Stück von dort zum Mäggiserhorn (2241 m) erfordert Kondition und Trittsicherheit. Die 90-minütige Passage ist als Alpiner Bergweg markiert, und wer sich nicht auf den Psalm 121 verlassen will, in dem es auch heißt, dass »der Herr deinen Fuß nicht gleiten lassen« wird, sollte tunlichst auf die gummierten Drahtseile zurückgreifen, bis er das von großen Felsbrocken umlagerte Gipfelkreuz des Mäggiserhorn erreicht. Von der Sonne angewärmt, dienen die Blöcke als passable Liegefläche, während man den Blick auf die weißen Spitzen der 4000er im Süden genießt.
Im Norden aber ragt als fast perfekte Pyramide der Niesen auf. Mehrere anspruchsvolle Tagestouren führen auf den 2362 Meter hohen Berg, der Talweg fällt per Seilbahn leicht. Dieser Seilbahn verdankt die Schweiz auch einen Superlativ, der es sogar ins Guinnessbuch der Rekorde geschafft hat: die längste Treppe der Welt. Leider dient keine einzige ihrer über 11.674 Stufen dem Wandervergnügen – sie wurde für Wartungsarbeiten eingerichtet. Doch gleich, wie man auf den Gipfel gelangt ist, die Aussicht von oben ist famos. Tief unten, am Fuß des Berges, glitzern Thuner und Brienzersee, dahinter erhebt sich der Bergkamm des Faulhorns in die Höhe und wiederum dahinter einmal mehr das Hochgebirge mit dem Gletschermassiv von Eiger, Mönch und Jungfrau.
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