Alpin-Klassiker im Oberengadin: Skitour auf den Piz Palü

Skitour-Abenteuer in den Alpen: Auf den Piz Palü


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Skitour Piz Palü
Foto: Ben Wiesenfarth

 

Skitour Piz Palü
Foto: Ben Wiesenfarth

 

Skitour Piz Palü
Foto: Ben Wiesenfarth

 

Skitour Piz Palü
Foto: Ben Wiesenfarth

 

Skitour Piz Palü
Foto: Ben Wiesenfarth
Die hochalpine Skitour auf den Gipfel des Piz Palü gilt als eines der schönsten Abenteuer in den Alpen. Hier der Tourenbericht und die Bilder der outdoor-Skitour.

"Es ist unmöglich, sich ein reineres Gebilde vorzustellen als diese klaren Firne oder elegantere und harmonischere Formen zu erträumen als diese drei Gipfel." Die Rede ist von dem 3905 Meter hohen Trio des Piz Palü im Oberengadin.

Wer da so ins Schwärmen kam? Es war der große Bernina-Kenner Walter Flaig. In seinem Buch Bernina – der Festsaal der Alpen setzte er dem Piz Palü ein literarisch es Denkmal, denn die Bezeichnung "Silberschloss" geistert seitdem durch Bergbücher und Werbebroschüren. Zu einiger Berühmtheit hatte es der Berg freilich schon vorher gebracht, musste er doch als Bösewicht in dem Stummfilm Weiße Hölle am Piz Palü herhalten. Der Film entstand 1929 unter der Regie von Arnold Franck und Georg Wilhelm Pabst; er war eines der ersten Bergsteigerdramen der Filmgeschichte. Die vier Skitourengeher, die heute von der Gipfelstation der Diavolezza-Bahn zu einer Skitour auf den Gipfel des Piz Palü aufbrechen, brauchen die Hölle nicht fürchten. Sie haben Wetter- und Lawinenbericht studiert und sind auf eine ausgewachsene, alpine Hochtour vorbereitet, für die man eine gute Portion Erfahrung mitbringen muss.

"Wer genug Zeit hat, macht die Tour in zwei Etappen: Am ersten Tag steigt man 900 Höhenmeter zur Diavolezza-Hütte auf, am zweiten Tag nimmt man den Gipfel in Angriff", erklärt outdoor-Fotograf Ben Wiesenfarth. Der 47-Jährige hat den Alpin-Klassiker schon mehrmals gemacht. Nach einer kurzen Nacht gelangt das Team mit ein paar Schwüngen vom Diavolezza- Haus auf 2973 Metern hinab auf den Persgletscher. Auf Fellen steigt die Gruppe in der Dunkelheit zuerst flach, dann immer steiler zur Flanke des Ostgrates.

Skitour durch den Bruch des Persgletschers

Erstes Sonnenlicht streift die Gipfel, die riesige Masse des Gletschers schimmert eisig – das Wort Silberschloss scheint gut gewählt. Doch trotz aller Erhabenheit herrscht eine gewisse Anspannung, denn die Crux steht bevor: Der Weg durch den Bruch des Persgletschers erzeugt auch bei alten Hasen mulmige Gefühle. Welche Kräfte hier am Werk sind, ahnen die vier beim Anblick der haushohen Eisblöcke. Rechts und links von ihnen türmen sie sich auf – fragiles Gleichgewicht auf einer schiefen Ebene. Nur erfahrene Alpinisten finden in dem Gewirr von Blöcken und zugeschneiten Spalten einen gangbaren Weg. "Man sollte schon ein gewisses Gespür dafür haben, wo eine Spalte so zugeschneit ist, dass man sicher darauf gehen kann. Und das Seil muss man auch im Blick haben. Es sollte immer schön straff sein." Hinter dem Bruch klingt das mulmige Gefühl ab, und der Gipfel bestimmt das Denken.

Unter dem Gipfelgrat legt das Skitouren-Team die Ski ab und deponiert sie, jetzt schlägt die Stunde von Pickel und Steigeisen. Nur 150 Höhenmeter sind es vom Depot bis zum Piz-Palü-Ostgipfel, von dort zieht ein scharfer Grat weiter zum Hauptgipfel des Fast-4000ers. "Er ist nur noch einen Skistiefel breit, links und rechts geht es 800 Höhenmeter ins Loch", beschreibt Ben Wiesenfarth den luftigen Gang. Dahinter erst weicht die Spannung für einen kurzen Moment der Euphorie, und der Blick vom einzeln stehenden Piz Palü fällt auf die Wunderwelt der Alpen. Doch die Zeit reicht nur für eine kurze Rast, dann steigt das Team wieder zum Skidepot ab und schwingt sich ins krönende Finale ein: die Abfahrt vom Silberschloss zurück in die Wirklichkeit.




Fotostrecke: Skischuhe und Tourenbindungen im Praxistest 2013

16 Bilder
Skitouren: Schuhe und Bindungen Foto: Hersteller
Skitouren: Schuhe und Bindungen Foto: Hersteller
Skitouren: Schuhe und Bindungen Foto: Hersteller
22.01.2013
Autor: Alex Krapp
© Outdoor
Ausgabe 12/2012