Wir zeigen Ihnen jetzt schon die Highlights für die nächste Wintersaison - plus die Gewinner des ISPO Award mehr ...
Abenteuer Irland - Trekking auf der Grünen Insel
Abenteuer Irland - Wandern in Connemara
Irlands wilder Westen heisst Connemara, und im Mai ist es dort am schönsten. Die outdoor-Redaktion nutzte den besten Wandermonat für eine Recherche vor Ort. Nicht alles ging glatt.
Frau O‘Neill würde nie sagen: Ihr werdet im Matsch versinken und sterben. Dazu ist sie viel zu höflich. Sie setzt Bacon & Eggs auf den Tisch und sagt: »It‘s going to be a challenge.« – Ihr habt eine Herausforderung vor euch. Das ist nicht zu übersehen. Vor Frau O‘Neills Bed & Breakfast hängt ein Schild mit der Aufschrift »Glen Valley Farm House« an einer Kette. Das heißt, normalerweise hängt es. Heute liegt es fast waagerecht im Sturm, und Regen fährt nieder, als wolle er die Maumturk Mountains ersäufen, die sich als elegant geschwungener Rücken an der Haustüre der O´Neills vorbei in Richtung Südosten ziehen. Nun ja, gestern Abend zogen sie sich noch. Heute sind die Maumturks in einer unheilvoll leuchtenden Suppe aus Wolken und Schwaden verschwunden, und unten im Tal sammelt sich das Wasser wie in einer Badewanne. »Ich höre es schon in den Schuhen quatschen«, sagt Kollege Krapp. Ideale Bedingungen für unsere Mission, die Wandermöglichkeiten von Connemara zu erkunden. Eigentlich ein Traumjob, denn die Region ganz im Westen Irlands gehört zu den wildesten Enden der Insel, an die schottischen Highlands erinnernd, aber weitläufiger und voller Seen, die in sonnigeren Stunden tiefblau funkeln. In sonnigeren Stunden. »Der Mai ist sonst anders«, sagt Frau O‘Neill.
Aus der Luft betrachtet sieht Connemara aus wie eine Bärentatze, die den aus Westen anrollenden Atlantikwogen die Krallen zeigt. Ungefähr 40 Kilometer im Quadrat nimmt sie ein, und oben in ihrem Norden schneidet der Killary Harbour ins Land, Irlands einziger Fjord. Nur einen Steinwurf südlich davon liegt einsam das Glen Valley Farm House, wo sich die Kollegin Jung gerade die Dreads unter die Kapuze stopft und Herr Krapp seinen Zopf. Dann öffnen wir die Türe und drücken uns mit aller Kraft hinaus. Regen knallt uns laut auf die Kapuzen, und wenige Sekunden reichen, dass es auf unserer Kleidung keinen trockenen Millimeter mehr gibt. Fotograf Geiger ruft uns noch ein »Tschühüß« hinterher (er nimmt das Auto), aber der Wind verschluckt es fast. Einen Moment lang scheint es, als würden wir wieder zurück ins Haus geweht. Wir stemmen dagegen. Es muss ungefähr so aussehen wie Apollo 11 und die ersten Schritte auf dem Mond, nur dass Armstrong und Aldrin bei ihrem Unternehmen besseres Wetter hatten.
Der Weg führt uns die schmale Straße entlang, die sich vom Glen Valley Farm House immer am Fuß der Maumturks nach Südosten schlängelt. Eine Mauer säumt sie, auf der fette Moospolster gedeihen, und Bäume haben vor langer Zeit begonnen, Wurzeln in die Mauer zu schlagen. In den Windschatten ducken sich Schutz suchend geschorene Schafe. Sie gehören den O‘Neills, die ihren Beruf als Schaffarmer trotz Bed & Breakfast nie aufgegeben haben. Außerdem züchten sie Connemara-Ponys. Das irische Wirtschaftswunder, hier scheint es noch nicht angekommen zu sein. »Man muss ein bisschen von allem machen, um hier durchzukommen«, hat Frau O´Neill gesagt. Wir müssen nur einen Fuß vor den anderen setzen, um durchzukommen. Aber das fällt heute schwer genug. Wir pressen uns gegen den Wind; und nur ab und zu gewähren uns die Maumturks einen Blick auf ihre Flanken. Das Wasser schießt an ihnen herab wie silberne Zöpfe.
In diesem Artikel

