Ausprobiert: Wanderhotel in Kärnten

Wandern de luxe im Kärntener Drautal


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Wanderhotel Kärnten
Foto: Kerstin Rotard

 

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Wanderhotel Kärnten
Foto: Kerstin Rotard
Wandern mit Guide, Essen vom Feinsten, abends in die Sauna - wie wohl fühlt man sich im Wanderhotel? Dieser Frage ging outdoor-Redakteurin Kerstin Rotard in Kärnten nach.

Aufgeregte Menschen in Knickerbockern, rot besockt und mit zünftigem Karohemd - solche Vorstellungen treiben mich um, als ich mit meiner Freundin Moni im Kärntener Drautal im Landhof Irschen einchecke. Es bildet mit 68 anderen Hotels den Verband der Wanderhotels.

Die erste positive Überraschung: Die Menschen im lichtdurchfluteten Frühstücksraum sehen ganz normal aus, so wie Moni und ich. Und das Frühstück besteht keineswegs nur aus Graubrot und Haferbrei, sondern verwöhnt mit großer Müsli-Bar, losem Kräutertee aus regionalem Anbau und frischen Früchten. Für rustikale Mägen gibt es natürlich auch Eier und Speck. Gestärkt treten wir vor das Hotel, die Rucksäcke auf dem Rücken. "Und heut‘ geht‘s ihr mit mei‘m Babba?" Wirtin Sonja, die gerade ihre Hündin Gassi führen will, lacht uns an. So wird der Ton das ganze Wochenende bleiben: familiär, freundlich, ja, fast freundschaftlich. Gäste und Wirtsleute duzen sich, Sonjas Vater Andreas, der Wanderführer, uns sowieso.

Kurz darauf holpern wir mit zwei weiteren Gästen in "Babba" Andreas‘ Auto eine Schotterstraße hoch. Er erzählt vom Gold- und Silberbergbau, der die Dörfer hier reich gemacht hat, bald parken wir. "Mir gehn zum Lamnitzsee heut‘", kündigt Andreas an und marschiert los. Unterwegs zeigt er über das schmale Seitental. "Da drüben wohnt ein Tüftler. Der restauriert richtig wertvolle Oldtimer auf seinem Hof. Aber nur so viele, wie er grad Lust hat", erzählt er. Und unten im Tal, da soll es einmal einen Gang von der Kirche zum Schloss auf halber Höhe gegeben haben, durch den die gläubigen Töchter des heidnischen Grafen die Messe besuchten. Man habe bei Grabungen unter der Kirche den Beginn eines Tunnels gefunden, das Ganze aber nicht weiter verfolgt.

 

Wanderhotel Kärnten
Foto: Kerstin Rotard Die Wanderführer kennen sich nicht nur auf den Wegen, sondern auch in der regionalen Historie aus.

Spannend, was so ein einheimischer Führer alles erzählen kann!

Lisa und Walter, die beiden anderen Hotelgäste, stellen sich als angenehme Mitwanderer heraus. "Wir waren schon in zwölf Wanderhotels", berichtet Lisa. "Früher hatten solche Hotels ein angestaubtes Image, aber jetzt ist das völlig anders."

Am stillen Lamnitzsee ruhen wir auf den sonnengewärmten Liegen am Ufer und vespern unsere Brote, die wir uns beim Frühstück geschmiert haben – da hat im Hotel keiner schief geschaut; im Gegenteil: Wir haben sogar Tüten für die Stullen bekommen. Nach der Pause steigen die anderen mit Andreas wieder hinab, Moni und ich nehmen noch den 2375 Meter hohen Dachskofel direkt hinter dem See mit und erspähen unser Wunschziel für morgen, den Hochstadel (2680 m), den König des Drautals.

Abends unterhalten wir uns an der Hotelbar bei einem Schnäpschen mit Eckart. Er vertritt den Hotelverband. "Jeder unserer Wirte muss ein Bergfex sein", erklärt er. "Und jedes Hotel muss drei bis fünf geführte Touren mit zertifizierten Wanderführern pro Woche anbieten - sonst nehmen wir es nicht auf.« Wir erzählen ihm, dass wir gern den Hochstadel besteigen würden. »Klar, wenn das Wetter passt, gehe ich morgen mit euch hinauf."

Anderntags schauen wir vom Hochstadel ins Drautal hinab. "Das ist unsere härteste Bergtour", sagt Eckart. Als Wanderführer muss man wissen, was man den Gästen zutrauen kann.

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outdoor Bergstiefeltest 2013 Foto: Hanwag
outdoor Bergstiefeltest 2013 Foto: Hanwag
outdoor Bergstiefeltest 2013 Foto: La Sportiva

Angenehm müde kehren wir ins Wanderhotel zurück

Genau rechtzeitig für einen Saunagang. "Bei uns findet Wellness zwar großteils draußen statt", sagt Eckart. "Aber jedes Hotel bietet auch einen Saunabereich - natürlich kostenlos für die Gäste." Ein Wink an den Wirt, und schon heizt er die Sauna vor. Lisa und Walter kommen gerade von ihrer Tour zurück; wir plaudern ein bisschen, bevor wir schwitzen gehen. Moni und mich beschleicht das Gefühl, dass wir sie in einem anderen Wanderhotel wieder sehen werden.

Die Wanderhotels bieten drei bis fünf geführte Touren pro Woche, einen Wellnessbereich und viel persönlichen Service - Infos: wanderhotels.com

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14.09.2013
Autor: Kerstin Rotard
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