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Trentiner Bergtraum: Fünf Traumtouren in der Lagorai
Lagorai-Trekking auf der Alta Via del Granito
Der beste Punkt, um die Morgenstimmung zu genießen, ist der Socede-Pass, den man am Anfang der zweiten Etappe auf der Alta Via del Granito ohnehin überschreitet.
Es fällt schwer, sich vorzustellen, dass hier oben im Ersten Weltkrieg ein erbitterter Stellungskampf zwischen Italien und Österreich-Ungarn tobte. Nach dem Krieg wurde das vormals zu Österreich-Ungarn gehörige Tirol geteilt; das Trentino und Tirol südlich des Brenners wurden italienisches Staatsgebiet.
Die schönsten Touren in der Lagorai
Tour 1: Rundwanderung zur Malga Caldenave (1792 m) Tour 2: Über den Monte Fravort (2357 m) Tour 3: Col di San Giovanni und Col delle Giasene Tour 4: Rundwanderung am Manghen-Pass Tour 5: Alta Via del Granito
Auch manche Klettersteige sind Relikte dieser Zeit: Sie dienten den Truppen als Nachschubwege. Am Socede-Pass führt der ein Kilometer lange Sentiero Gabrielli den Berg hinunter. Leitern helfen über die schwierigste Stelle, eine 20 Meter hohe Steilwand. Wem sie nicht geheuer ist, der kann den Klettersteig ganz leicht umgehen: Ein Wanderweg führt vom Pass rechterhand zur Forcella Magna, einer Kreuzung, an der sich die beiden Pfade wieder treffen.
Die Landschaft wird immer spektakulärer. Auf grasbedeckten Bergkämmen geht es zwischen unvermittelt sich steil auftürmenden Granitzacken hindurch, vorbei an herb anmutenden Hochmooren und den Ufern der klaren Seen des Inferno-Tals. Am Etappenziel, der Caldenave-Hütte, freut man sich einmal mehr an seinem Glück, diese Tour in vollkommener Ruhe erleben zu dürfen: Ein Gefühl, das dem Wanderer auch am letzten Tourentag bleibt, auf dem Weg zurück zum Startpunkt, der Sennerei Malga Sorgazza.
Die Alta Via del Granito ist nicht das einzige Glanzlicht der Region
Gegenüber, auf dem 2251 Meter hohen Col di San Giovanni, genießt man die Aussicht auf die Cima d‘Asta sowie auf die Bergkette der Lagorai. Das wussten schon die Strategen im Ersten Weltkrieg, die vom Gipfel das Umland beobachten ließen. Heute führt über den umkämpften Gipfel eine sechsstündige Rundwanderung. Sie kreuzt einen der bemerkenswertesten Fernwanderwege der Alpen, den Sentiero della Pace, einen 500 Kilometer langen Friedensweg, der sich an der alten Frontlinie durch die Dolomiten schlängelt.
Der Weg ist Teil eines Versöhnungsprojektes zwischen Italien und Tirol und nutzt die alten Kriegssteige. Hier genießen Wanderer heute den Frieden einer Bergwelt, in der einst geschossen und getötet wurde.
Auch auf dem Gipfel des Monte Fravort, einem stolzen Zweitausender südwestlich des Col di San Giovanni, herrscht längst wieder Stille. Am besten erwandert man ihn auf einer sechsstündigen Dreigipfelrunde, die ein Stück auf dem Sentiero della Pace entlangführt – und nimmt dabei noch den Monte Panarotta und den Monte Gronlait mit. Oben wird man dann alte Schützengräben entdecken, zwischen denen Alpenrosen, Butterblumen und Vergissmeinnicht wuchern, ganz so, als wolle die Natur die Geschichte des Bergs für sich behalten.
Vom Gipfel reicht der Blick hinab ins liebliche Suganatal, doch auch den letzten Gipfel der Runde, den Monte Gronlait sieht man schon. Im Vergleich zum Granit der Cima d‘Asta, die am Horizont stets zu sehen ist, wirkt sein Gestein lebendiger – der Porphyr funkelt je nach Lichteinfall rot, blau oder grün. Etwas Magisches haftet diesem Fels an – und Zauberei ist es sicherlich auch, die einen immer wieder hierher zurückkehren lässt in die einsamen Berge der Lagorai.


