Gardasee: Die schönsten Wanderungen am Lago di Garda

Die schönsten Bergtouren am Gardasee


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Wandern am Gardasee
Foto: Jens Klatt

 

Wandern am Gardasee
Foto: Jens Klatt

 

Wandern am Gardasee
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Wandern am Gardasee
Foto: Jens Klatt

 

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Foto: Jens Klatt
Manche Tiefblicke sind so schön, dass man sie möglichst lange genießen will. Die besten Kammtouren am Gardasee gibt es hier - auch als pdf zum Download.

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"Eine Freundin würde gerne mitkommen ...", sagt Jens und stockt ein wenig. "Aber sie hat Probleme mit ausgesetzten Stellen." Keine gute Voraussetzung für eine Bergtour, denke ich. Andererseits, was soll schon passieren? Unsere geplanten Touren am Gardasee verlaufen schließlich auf einfachen Pfaden entlang recht breiter Kämme - Nerven aus Stahl braucht man hier nicht. "Zur Not zieht der eine und der andere schiebt", sage ich. Ich soll mich noch wundern. Seit langem träume ich davon, einen ganzen Urlaub nur mit Gratwanderungen zu verbringen, denn während man auf normalen Wanderungen meist nur einen Höhepunkt erreicht, reihen sich bei Überschreitungen gleich mehrere Gipfel aneinander.

Die Route entlang eines Grates präsentiert sich oft abwechslungsreicher und führt nicht nur steil nach oben. Nirgendwo ist der Weg so sehr das Ziel wie hier. Rund um den Gardasee ist das Angebot an gemütlichen Kammwanderungen besonders groß. Zudem warten Pizza, Vino und italienisches Lebensgefühl als perfekte Ergänzung. Besonders freuen wir uns auf die Überschreitung des Monte-Baldo-Kamms: Er schwingt sich direkt am Ostufer des Lago di Garda nach oben – über 2000 Meter ... Das nächste Highlight wartet auf der gegenüberliegenden Seite des Sees. Dort verläuft der Bergrücken des Cima al Bal in einer Höhe von etwa 1000 Metern parallel zum Westufer. Nordwestlich des Lago befinden sich der Monte Cadria, mit 2254 Metern der höchste Berg der Gegend, sowie der Monte Corno. Ihre Grate gehören allerdings zu den anspruchsvollsten der Region und sollten nur von erfahrenen Bergwanderern begangen werden.

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Doch der erste Punkt auf unserer To-do-Liste ist die Überschreitung des Palon. Der Berg liegt etwas östlich des Sees, zwischen Arco und Rovereto. Um auf seinen Rücken zu gelangen, müssen wir zunächst an Höhe gewinnen: Vom Parkplatz aus folgen wir in Serpentinen einem mäßig steilen Pfad nach oben. Hohes Gras schwingt links und rechts des Wegs im leichten Sommerwind, orangefarbene Schmetterlinge schwirren um unsere Köpfe, suchen nach geeigneten Blumen zum Landen. "Wenn schon der Zustieg so schön ist, wie wird es erst oben sein?" schwärmt Nima. Etwas später steigen die Serpentinen stärker an. Unsere Begleiterin wird immer langsamer, bleibt schließlich stehen: "Auf so steilen Schotterwegen denke ich immer, dass mich etwas nach hinten zieht." Hm. Wir befinden uns nicht etwa auf einem messerscharfen Gipfelgrat, sondern auf einem gemütlichen Wanderweg.

Die Berge am Gardasee: Landschaftsmuseum ohne Eintritt

Abstürzen kann man hier nicht einmal mit Absicht. Ich habe ihr Problem wohl unterschätzt. Dass ihre Angst eigentlich unbegründet ist, weiß auch die 41-Jährige. Der Notfallplan: Sie baut sich aus zwei Hölzern Trekkingstöcke, die ihr mehr Halt geben. Weiter geht’s. Bei La Bassa Madonnina, einer Madonnenstatue, erreichen wir den Kamm. Nadelbäume und Graswiesen bewachsen nun die Hänge zu beiden Seiten des Pfads. In einem gemütlichen Auf und Ab wandern wir über die Felder des breiten Bergrückens in Richtung des 1916 Meter hohen Palon-Gipfels. Kleine Felskolonien durchbrechen hier den Grasteppich. Einzelne Wolken umhüllen die Gipfel Cima Bassa und Cima Alta vor uns und geben sie nur widerwillig frei – ein fantastischer Anblick.

 

Wandern am Gardasee
Foto: Jens Klatt

Ich liebe solche Touren: Einmal auf der Kammlinie angekommen, trübt nichts mehr die Aussicht – man wandert wie durch ein Landschaftsmuseum und genießt die immer neuen Perspektiven. Die Gardaseeberge steigern das Vergnügen noch einmal: Viele Straßen führen hier bis weit nach oben, sodass der Zustieg zur eigentlichen Attraktion meist nicht lange dauert.

Und: Die Wege sind in der Regel weder anspruchsvoll noch gefährlich. So kann man sich ganz auf das Panorama konzentrieren. Vor allem bei den Kämmen von Monte Baldo und Cima al Bal sollte man das auch, wo sonst fallen Berge 1000 oder gar 2000 Meter tief in einen See ab?

Im Kontrast dazu: die Altstadt von Arco

Der Nachmittag steht im Kontrast dazu. Offene Wiesen verwandeln sich in enge Gassen, Bäume werden zu dicht aneinander gedrängten Häusern mit bunten Fassaden, Bergdohlen weichen Tauben. Straßencafés, kleine Läden, Brunnen: Die Altstadt von Arco präsentiert sich typisch italienisch. Bei einer Kugel Eis wollen wir mehr über Nimas Phobie wissen. "Vor allem steile oder schmale Pfade bereiten mir Probleme. Noch schlimmer wird es, wenn viele lose Steine auf dem Weg liegen. Dann habe ich Angst, auszurutschen", erklärt sie. "Und wie gehst du damit um?" möchte Jens wissen. "Wenn es zu schlimm wird, steige ich einfach ab. Wenn das nicht geht, robbe ich auf allen vieren über die blöde Stelle." Und mit einem Lachen fügt sie hinzu: "Hin und wieder hilft es mir aber auch, ein Lied zu singen oder zu summen - das lenkt ab und macht locker." Die Überschreitung des 1260 Meter hohen Cima al Bal lässt die Augsburgerin sicherheitshalber aus: Der Abstieg führt über einen stellenweise besonders abschüssigen Weg durch den Wald.

 

Wandern am Gardasee
Foto: Jens Klatt

Aussichten und Einsichten

Immerhin begleitet sie uns bis zum Aussichtspunkt Punta Larici. Dieser Felsen ragt beinahe 900 Meter direkt aus dem Gardasee heraus und bietet damit eine irre Aussicht. Links: die Orte Riva und Torbole aus der Vogelperspektive. Geradeaus: der Monte Baldo. Unten: der in der Sonne funkelnde See mit seinen zahllosen Segelbooten. Wir lassen Nima am Punta Larici zurück und setzen die Rundtour fort. Bei der bewirtschafteten Hütte Malga Palaer geht die Forststraße in einen Wanderweg über. Zahlreiche Kehren führen uns durch einen lichten Wald, dann stehen wir auf dem felsigen und mit Latschen bewachsenen Grat. Zwar verdient dieser seinen Titel, Angst braucht man auf dem meist mehrere Meter breiten Bergrücken aber nicht zu haben: Weder Kletterstellen noch besonders gefährliche Abschnitte gibt es auf der Route. Ein Mindestmaß an Schwindelfreiheit gehört dennoch dazu. Wir folgen dem Kamm auf den Cima della Nara (1376 Meter), umrunden später Türmchen aus Stein, steigen Felsstufen hinauf und hinab. Der Weg auf dem Grat ist klar: Es geht immer geradeaus!

Das wohl beste Panorama bietet sich hinter dem Cima al Bal: Dort sieht man den Gardasee auf der einen und das tief eingeschnittene Val di Ledro mit dem gleichnamigen See auf der anderen Seite. Das Highlight unserer Wanderwoche nehmen wir am nächsten Tag wieder zu dritt in Angriff: den 2218 Meter hohen Cima Valdritta. Der Gipfel gehört zum südlichen Ausläufer der Mone-Baldo-Kette. Über 2000 Höhenmeter liegen zwischen dem Kamm und dem Küstenort Malcesine – zu viel Weg für einen Tag. Zum Glück fährt eine Gondel von Malcesine bis auf den Bergrücken. Oben angekommen wandern wir Richtung Süden. Ein bunter Mix aus Fels, Gras und Latschenfeldern begleitet uns. Dohlen nutzen die Seewinde, pfeifen in hohem Tempo über den spitzen Kamm – rechts hoch, links runter. Geräusche wie vorbeifliegende Düsenjets. Fast möchte man den Kopf einziehen.

Wenig später erhebt sich vor uns die 2128 Meter hohe Cima delle Pozzette, der erste von mehreren Gipfeln auf dem Baldo-Kamm. Bis hierhin führte unsere Tour auf einem gemütlichen Pfad bergan. Jetzt steilt der mehrere Meter breite Bergrücken auf, und viele lose Steine dominieren die Strecke. Nimas Bewegungen wirken plötzlich steif und mechanisch – wie die eines schlecht programmierten Roboters. An einer flachen Stelle warten wir auf sie. "Mir reicht es", sagt ihr Blick. Doch das will ich nicht gelten lassen, nicht so kurz vor dem Gipfel. Ich male ihr mit Worten ein motivierendes Bild. Sage, dass sie ja bereits so weit gekommen sei. Frage, ob sie nicht noch, als ultimative Belohnung sozusagen, zumindest den Cima delle Pozzette erreichen möchte? Nima hält dagegen: "Ich würde ja schon gerne, aber wenn ich mehr Angst habe als Spaß ... wieso sollte ich dann weitergehen?"

Stimmt, wieso eigentlich? Jens und ich setzen die Tour alleine fort. Unsere Begleiterin genießt derweil die Sonne. Auf ihrem schmunzelnden Gesicht steht nun: "Man braucht kein besonderes Ziel zu erreichen, um eine schöne Zeit zu haben." Ich gerate ins Grübeln. Im Gegensatz zu Nima nehme ich mir auf Bergtouren meistens sehr viel vor – und bin am Ende oft einfach nur froh, wenn der Tag endlich vorbei ist. Vielleicht ist ja mein Weg falsch? Vielleicht macht ihre Einstellung zum Gipfelerfolg auf Dauer glücklicher? Zeit, einfach nur in der Sonne zu liegen, habe ich unterwegs jedenfalls selten. Mein Kompromiss: Zumindest auf Touren mit meiner Freundin will ich in Zukunft etwas herunterschalten. Sie wird es mir danken.

Reiseinfos Gardasee

Ankommen
Schnell und bequem erreicht man den Gardasee mit dem eigenen Auto über die Brennerautobahn. Zugreisende fahren bis Rovereto und nehmen dann den Bus 332 nach Riva. Wer fliegen möchte, landet in Verona und besteigt die Buslinien 164 und 184 bis nach Riva.

Mobil vor Ort
Mit öffentlichen Verkehrsmitteln kommt man in der Regel nicht an den Beginn der Wanderungen. Besser, man mietet sich einen Wagen vor Ort oder reist gleich mit dem eigenen Fahrzeug an. cardelmar.de

Beste Reisezeit
Die Wandersaison beginnt im Juni und dauert bis Oktober. Auf den Bergen über 2000 Metern kann noch länger Schnee liegen. Gerade in den bayerischen und österreichischen Ferienzeiten wird es rund um den See sehr voll. Ruhiger ist es im Herbst.

Anspruch
Die hier vorgestellten Touren sind keineswegs vergleichbar mit den ausgesetzten Gratwanderungen der Westalpen. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind vor allem beim Monte Corno und Monte Cadria nötig, alle anderen Routen führen über recht einfache Wege.

Sicherheit
Verhältnisse wie in den Ostalpen, wo hinter jeder Kehre eine Alm wartet, darf man nicht erwarten: Meistens gibt es keine Einkehrmöglichkeiten entlang der Route. Genügend zu essen und zu trinken sollte man deshalb mitnehmen. Auch nicht zu unterschätzen: die Höhe. Zwar herrscht unten am Gardasee mediterranes Klima, die Gipfel liegen aber oft um oder über der 2000-Meter-Marke. Dort oben kann es selbst im Sommer kühl werden.

Surfen
Auf dem Portal visitgarda.com finden Besucher alles Wissenswerte rund um die Region. Auch Unterkünfte kann man dort buchen. Tourentipps und eine interaktive Karte gibt es unter gardatrentino.it

Der Rother Wanderführer Gardaseeberge listet über 50 Touren auf. Die GPS-Daten zu den Touren kann man auf der Webseite des Verlages downloaden. Preis: 14,90 Euro. Auf die kleine Karten im Führer sollte man sich allerdings nicht verlassen. Besser: Kompass-Wanderkarte WK 690 Alto Garda e Ledro, Maßstab 1:25000, 7,95 Euro.

Restaurants & Unterkünfte

Klassische Küche
Auf den ersten Blick ist die Pizzeria Rialto im Herzen von Riva ein ganz normales Restaurant - mit typischen Gerichten. Beim ersten Bissen merkt man aber: Es schmeckt wirklich gut. www.hotel-rialto.it

Feiner Fisch
Das Ristorante Aqua liegt direkt am Ufer von Torbole. Die ausgezeichneten Fischgerichte haben allerdings ihren Preis. www.aquaristorante.com

Hotel Villa Enrica
Swimmingpool mit Jacuzzi, herzhaftes Frühstück, schöne Zimmer: Im Hotel Villa Enrica lässt es sich nach einem anstrengenden Tag in den Bergen gut entspannen. Die Unterkunft liegt in Riva del Garda. DZ ab 80 Euro. www.hotelvillaenrica.com

Campingplatz
Die Adresse für Outdoorer heißt Camping Zoo in Arco. Namenspatron ist ein Tiergehege gegenüber. Der Stellplatz kostet ab 9 Euro pro Nacht, Erwachsene bezahlen 8 Euro zusätzlich. www.campingzoo.it

Ferienwohnung
Günstige Alternative für Gruppen und Familien: Die Casa Bellavista mit ihren vier Appartements befindet sich am Rand von Torbole. Gästen steht auch ein Garten mit Holzkohlegrill zur Verfügung. Eine Ferienwohnung für vier Personen kostet ab 510 Euro pro Woche. www.torboleholiday.it

 

Foto: outdoor

Tipps von Autor Franz Güntner

Aussicht genießen
Über den Weg 422 erreicht man vom Bergdorf Pregasina aus den Punta Larici (907 m). Der Aussichtspunkt bietet beste Sicht auf den gesamten Gardasee.

Eis essen
Große Kugeln und viele Sorten: Die Eisdiele La Bottega del Gelato in Torbole stillt Eis-Gelüste.

Über das Wasser
Ein Rundtrip mit der Fähre erlaubt Wanderern, die Gegend aus einer anderen Perspektive kennenzulernen. Fahrplan unter: navigazionelaghi.it

Einkaufen gehen
Neue Bergschuhe gefällig? Im Zentrum von Arco reichen sich Bergsportgeschäfte aneinander. Oft findet man dort Schnäppchen.

Bikes ausleihen
Der Gardasee gilt auch als Mekka für Mountainbiker. Wer zur Abwechslung mal die Gegend auf zwei Reifen erkunden möchte, leiht sich einfach eins aus. Verleih in Torbole: 3s-bike.

Urlaub verlängern
Salami, Rotwein und Olivenöl: Ein Besuch beim Supermarkt kurz vor der Heimreise bringt Italien-Feeling nach Hause.

outdoor-Tipp: Weitere Infos und Wege als Gratis-gpx-Download hier


Inhaltsverzeichnis

26.03.2016
Autor: Franz Güntner
© outdoor
Ausgabe 03/2016