Tourentipps und Reise-Infos für Luxemburg-Wanderer

Luxemburg: Wandern auf dem Mullerthal Trail

Luxemburg kennen die meisten nur als Finanzstandort. Der Mullerthal Trail zeigt: Das Großherzogtum überzeugt zudem als Wanderziel.

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Fotostrecke: Wandern in Luxemburg - Impressionen

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Wandern auf dem Mullerthal Trail in Luxemburg. Foto: Björn Hänssler
Wandern auf dem Mullerthal Trail in Luxemburg. Foto: Björn Hänssler
Wandern auf dem Mullerthal Trail in Luxemburg. Foto: Björn Hänssler

Manche Länder nehmen auf der Liste der beliebtesten Reiseziele die letzten Ränge ein. Das mag bei einigen an der eintönigen Landschaft oder einem Mangel an kulturellen Schätzen liegen. Andere sind politisch instabil, nur unter strapaziösen Bedingungen erreichbar, oder ihr Klima ist derartig unangenehm, dass es keinen offenkundigen Grund gibt, sie zu bereisen. Luxemburg aber wird nur gerne übersehen, schließlich benötigt man Adleraugen, um den Zwergenstaat auf dem Globus zu entdecken. Das hat durchaus Vorteile, denn so ist auch das Müllerthal im Nordosten des Großherzogtums ein Geheimtipp geblieben. Holländische Wanderer waren es, die der Region vor rund 300 Jahren – tief beeindruckt vom Relief – den Beinamen Kleine Luxemburger Schweiz gaben. Der Name weckt Erwartungen auf Alpen "en miniature."

Doch Luxemburg bietet keine Berge, die in den Himmel ragen. Dafür urwüchsige Landzüge, durchzogen von einem vor sechs Jahren komplett umstrukturierten Wanderwegenetz. So entstanden der sagenhaft schöne, insgesamt 110 Kilometer lange Mullerthal Trail und viele lokale Rundwanderwege.

Die 5 Top-Touren:
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- Moersdorf - Echternach
- Echternach - Mullerthal
- Mullerthal - Larochette
- Larochette - Mullerthal

 

Wandern auf dem Mullerthal Trail in Luxemburg.
Foto: Björn Hänssler Lecker! In Echternachs verwinkelten Gassen stärken sich Wanderer mit Eis und Kaffee.

Wandergenuss pur in Luxemburg

Was kaum jemand ahnt: Zwischen den ausgedehnten Hochplateaus und in den Wäldern rund um die verschlafenen Dörfer Echternach, Berdorf und Larochette verbergen sich tiefe Schluchten und spektakuläre Klippen. Landschaftliche Schönheit, infrastrukturelle Erschlossenheit und Einsamkeit ergänzen sich hier aufs Beste und machen Wandern zum Genuss.

Der Mullerthal Trail beginnt in den vewinkelten Gassen von Echternach, der ältesten Stadt Luxemburgs. Im Getümmel des Markttreibens ertönen Sätze auf Französisch, Deutsch und »Lëtzebuergesch« – Letzteres wurde erst 1984 offizielle Nationalsprache. Im Laufe der Geschichte etablierte sich hier, an der Schnittstelle zwischen romanisch und germanisch geprägter Welt, eine ausgesprochen multiple Gesellschaft. Mit Deutschland pflegt Luxemburg zwar gute wirtschaftliche Beziehungen, kulturell ist man jedoch eher Frankreich zugeneigt. Das hört, sieht und schmeckt der Besucher. »Délicieux!« Meine Wandergefährtin Christina wischt sich die letzten Krümel ihres Éclairs aus dem Mundwinkel. Die mit Schokoladencreme gefüllten Windbeutel sind hier fast so populär wie in Frankreich und versorgen mit viel Energie.

Mit Blick auf die beiden Türme der St.-Willibrord-Basilika schlendern wir durch die Gassen in Richtung Sauer, deren Lauf hier die deutsch-luxemburgische Grenze markiert. Filigran verzierte Fassaden an Gebäuden im Stil fürstlicher Residenzen zeugen von Luxemburgs Wohlstand. Am Fluss knickt unser Weg stromaufwärts ab, die Mittagssonne spiegelt sich auf dem Wasser, ein paar rotköpfige Tafelenten dümpeln am Ufer. Das Tagesziel heißt Müllerthal. Knapp zwanzig Kilometer Wanderstrecke trennen uns von dem Ort, in dem vier Bäche zusammenlaufen. Auch heute steht an unserem Ziel noch eine der namensgebenden Mühlen: Die Heringer Millen aus dem 17. Jahrhundert beherbergt ein Museum.

Fülle an Wanderwegen

Der »Mullerthal Trail« ist kein Weg, der nur von A nach B führt. Seine drei Schlaufen bilden ein 110 Kilometer langes Wegenetz. Um den kompletten Trail zu gehen, benötigt man etwa sechs Tage. Von Echternach führt die östlichste Runde durch Rosport, Moersdorf, Herborn und zurück. Diese Tour ist die leichteste und bietet Wanderern neben Felsen, Wald und Wiesen auch viel Kultur, wie beispielsweise das Tudorschloss in Rosport.

Die mittlere, anspruchsvollste der Schlaufen führt von Echternach nach Müllerthal, berührt dort die westlichste der Runden und leitet dann zurück zum Ausgangspunkt. Das Highlight dieses Abschnitts bilden wilde Felsschluchten. Die letzte der drei schlängelt sich durch die Orte Larochette, Beaufort, Müllerthal und Blumenthal. Dort locken nicht nur Felsen, sondern zudem romantische Burgen.

Der Mullerthal Trail ist gut angebunden: Mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen Wanderer von Echternach aus bequem die Aus- und Einstiegspunkte der drei Schlaufen. Zudem bieten die meisten Etappenorte auch Übernachtungsmöglichkeiten für müde Wanderer, die die Strecke nicht am Stück gehen möchten. Und wer nach dem Mullerthal Trail noch nicht genug von der Kleinen Luxemburgischen Schweiz gesehen hat, erkundet noch vier als »Extratouren« ausgeschilderte Tageswanderungen, jeweils zwischen 13 und 20 Kilometer lang.

 

Wandern auf dem Mullerthal Trail in Luxemburg.
Foto: Björn Hänssler Satte Grüntöne in Luxemburgs Wäldern.

Ab in die Schlucht

Wir sind heute auf dem mittleren Streckenabschnitt unterwegs, er führt zu den landschaftlichen Höhepunkten der Gegend. Die Schwarze Ernz und ihre zulaufenden Bäche wuschen hier im Laufe der Jahrtausende tiefe Schluchten aus, zu deren Seiten sich ockerfarbene Sandsteinwände auftürmen. Die erste lässt nicht lange auf sich warten: Einen Kilometer hinter Echternach verengt sich der sandige Weg vor der »Gorges du Loup«, der Wolfsschlucht, einer gut 150 Meter langen und etwa 50 Meter hohen Felsspalte. »Keine Wölfe zu sehen. Die lauern uns gleich im Labyrinth auf«, prophezeit Christina. Und meint damit eine Anhäufung haushoher Sandsteinbrocken, durchfurcht von tiefen Rissen. Auf Luxemburgisch heißt die Formation »Sieweschloeff « – sieben Schluchten. Doch die Namensgebung täuscht, Verlaufen ist sowohl im »Labyrinth« als auch auf dem gesamten Trail nahezu unmöglich. Alle paar Meter taucht ein rotes M auf weißem Grund auf. »Anstelle der Wanderkarte hätten wir besser noch ein paar Éclairs gekauft.« Christina denkt pragmatisch.

Die moosige, kühle Felswand der Wolfsschlucht ragt hoch in den Himmel, nur ein kleiner Fetzen Wolkenmeer bleibt über unseren Köpfen sichtbar. Wir lassen die Klamm hinter uns und folgen den Markierungen des Trails zum Felslabyrinth. Der Weg zwängt sich hier durch schmale Spalten zwischen den Sandsteinkolossen durch. Auch die abzweigenden Gänge sind gut beschildert und laden zum Erkunden ein. »Es gibt Leute, die fliegen für so etwas extra nach Utah«, sagt Christina und arbeitet sich, die Füße jeweils an eine Wand des Felsspaltes gestemmt, ein paar Meter in die Höhe. Irgendwann zieht es uns weiter.

Keine Menschenseele begegnet uns auf unserem Weg, bis rechts die Hohllay auftaucht: In der riesigen Felsenhöhle wurden bis zum 19. Jahrhundert Mahlsteine gebrochen, die sich noch heute in den zahlreichen Mühlen der Umgebung finden. Wir bestaunen zusammen mit einem Knickerbocker tragenden Ehepaar die kreisrunden Ausschnitte an der Decke. Die Methode war so einfach wie faszinierend: Zunächst meißelten Steinbrecher eine kreisförmige Rinne rund um den Stein, in die sie Holzstücke legten und mit Wasser zum Quellen brachten. Der enorme Druck des quellenden Holzes löste den Mühlstein in einem Stück aus der Wand – meistens jedenfalls. Halbrunde, bruchstückhafte Formationen zeigen, dass es nicht immer klappte. Hinter der Hohllay windet sich der Pfad ein paar Treppen hinauf. Etwas entfernt tönt ein seltsam hohes Jaulen. »Ha, doch noch Wölfe!« vermutet Christina, aber sie liegt falsch. Links, im Buchenwald versteckt, öffnet sich das »Amphitheater«. In der als Naturtheater genutzten Felsgrotte schallt es besonders schön. Das wissen auch zwei Jugendliche, die uns mit ihren wilden Schreien erschreckt haben.

Als Kletterin steuert Christina hinter Berdorf zielstrebig auf eine Abzweigung zu. Es dauert nicht lange, dann schallt ein Ruf durch den Wald: »Seil frei!« An den Sandsteinwänden im Waldteil Wanterbaach können sich Freeclimber an 16 Sektoren austoben, allerdings nur mit einer (kostenlosen) Genehmigung des Ministère de l‘Environnement. Sobald die Temperaturen erträglich sind, schwärmen Kletterer aus Luxemburg, Frankreich, Belgien, Holland und Deutschland in das Gebiet. Einer von ihnen ist Matthias. Der drahtige Mittdreißiger klopft sich den Sand vom Shirt und grüßt uns. Bald schon sind Christina und er in eine Fachsimpelei über die hiesigen Felsen abgetaucht. Als wir uns verabschieden, bewegt er sich schon elegant durch die nächste Kletterroute.

Ruhe finden und den Kopf frei bekommen, das geht nicht nur am Fels, sondern auch auf dem Mullerthal Trail. Christina und ich und nehmen uns die letzten Kilometer bis ins Örtchen Müllerthal vor. Der Pfad windet sich durch den »Schnellert«, wo Baumriesen weit in den Himmel ragen. Wir genießen noch ein wenig die Stille und freuen uns, dass wir die Kleine Luxemburger Schweiz nicht einfach übersehen haben.

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28.08.2014
Autor: Katharina Baus
© outdoor
Ausgabe 07/2014