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Machen Sie mehr aus Ihren Outdoor-Fotos
Fotografieren ist eine Kunst für sich, doch mit der richtigen Ausrüstung und einem feinen Blick fürs Detail wird aus jedem Schnappschuß ein Meisterwerk. Fotoprofi Bernd Ritschel verrät seine "schärfsten" Tricks.
Kürzlich hörte ich ein interessantes Wort: »Entschleunigung«. Die Fotoindustrie macht seit Jahren genau das Gegenteil davon: Sie explodiert und überschlägt sich geradezu. Die Lebenszyklen neuer Digitalkameras, aber auch moderner Spiegelreflexmodelle, werden immer kürzer. Was früher über ein Jahrzehnt gut und käuflich war, ist heute oft schon nach wenigen Wochen kommerzieller Sondermüll.
Aber: Machen wir mit all dieser Technik auch bessere Bilder? Ich glaube nicht. Wir müssen uns nur öfter den neuen Megapixel-Star kaufen – und haben so weniger Zeit zum Fotografieren...
Auch ich habe diese Erfahrung machen müssen – mit Betonung auf »müssen«. Beladen mit immer mehr Technik, wurde aus so mancher Tour eine Tortur, wurde aus Faszination Frustration. Es gibt Bereiche meiner Arbeit, wo ich einen schnellen Autofokus brauche, ebenso moderne Blitzsysteme und schnelle Motoren – aber es gibt auch die klassische Landschaftsfotografie, wo all die Technik nur stört. Gelandet bin ich wieder bei den Anfängen: Eine klassische Spiegelreflex, ein paar manuelle Festbrennweiten – und plötzlich ist der Spaß wieder da.
Fazit: Technik kann bereichern und erleichtern, aber nur da, wo sie Sinn macht. Bei den folgenden Beispielen gehe ich auf beide Bereiche ein, nach dem Beschleunigen wird sozusagen entschleunigt.
Das Blitzlicht gekonnt einsetzen
Viele Fotografen der alten Schule versuchten, Blitzlicht ganz zu vermeiden. Besonders für Reportage- und Naturfotografen galt es als Herausforderung, nur natürliches Licht zu nutzen. Erst in den achtziger Jahren entwickelte sich mit neuen, schnellen Sportarten wie Mountainbiken eine neue Bildsprache. Über Bewegungsunschärfe, Mitzieh- und Zoomeffekte hielt das Blitzlicht endgültig Einzug. Dafür setze auch ich den Aufsteckblitz gezielt ein. Um eine etwas natürlichere Beleuchtung zu erreichen, reduziere ich die Blitzleistung fast immer um eine Blende. Bei bewegten Motiven lässt sich mit dem Motor zwar die Trefferquote erhöhen, um jedoch auch so schnell blitzen zu können, wird eine externe Stromquelle benötigt – meine Wahl sind hier Akkublöcke von Quantum.
In Kombination mit einer Omnibounce Kappe vor dem Blitz wird das Licht weicher, durch die eingelegte Lee-Filterfolie (je nach Motiv zwischen 3000 und 3500 Kelvin) kann ich bei Kunstlicht die Farbtemperatur anpassen.
Für natürlichere Schatten entfessele ich den Blitz gerne, das heißt ich löse ihn von der Kamera. Gesteuert wird er über ein Blitzkabel, oder aber – wenn mehrere Geräte zum Einsatz kommen – über den Canon Speedlite Transmitter, der über Funk sogar die TTL-Steuerung und individuelle Leistungsanpassung der Blitzgeräte ermöglicht. Gut geblitzt, ist ein Bild übrigens dann, wenn der Betrachter das zusätzliche Licht gar nicht bemerkt.
In der Naturfotografie verzichte ich möglichst auf Kunstlicht. Aber auch bei Reportagen geht einiges »oben ohne«. Eine lichtstarke Festbrennweite in Kombination mit einem ISO 400-Film (Tipp: der Fuji Provia) ermöglicht tolle »available light«-Aufnahmen. An eine Wand gelehnt, mit auf die Brust gestützten Armen und kurz angehaltenem Atem lassen sich Zeiten bis zur 1/15 wackelfrei aus der Hand halten.
Portraits mit langem Tele
Ganz gleich, wen ich fotografieren will, zu allererst versuche ich, einen persönlichen Kontakt aufzubauen. Erst wenn der Bann gebrochen ist, wenn ich ein gutes Gefühl im Bauch habe, kommt die Frage nach dem Foto. Dann kann ich mich auch nahe genug heran wagen und entsprechend ausdrucksstarke Bilder machen. Dennoch verwende ich bei Portraits gerne lange Brennweiten, auch wenn es sich bei der Person um einen guten Freund handelt.
Beim Portrait des bärtigen Mannes links war das 100-400 mm-Zoom mit Bildstabilisator ideal. Im Licht des Spätnachmittags betrug die Verschlußzeit bei offener Blende nur 1/60 sec. Durch den Stabilisator gelangen bei 400 mm scharfe, nicht verwackelte Aufnahmen. Trotz dieser langen Brennweite betrug die Entfernung zum Motiv nur knapp drei Meter. Bei der so oft empfohlenen »idealen Porträtbrennweite« von 85 mm hätte ich mich bis auf 70 Zentimeter nähern müssen, um den gleichen Ausschnitt zu erreichen. Selbst bei mir gut bekannten Personen verwende ich die klassischen Brennweiten (85 bis 135 mm) nur selten. Eine gewisse Distanz zu meinem Gegenüber möchte ich einfach nicht unterschreiten.
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01.05.2002
© Outdoor Ausgabe 11/2001
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