Irlands Trekking-Klassiker: Der Kerry Way

Wandern auf dem Kerry Way


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Irland - Kerry Way
Foto: Tourism Ireland

 

Irland - Kerry Way
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Irland - Kerry Way
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Der Kerry Way ist der berühmteste Weitwanderweg Irlands. An der Südwestküste schlängelt er sich durch mystische Wälder, über raue Hochflächen und vorbei an schneeweißen Stränden.

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Wenn Bescheidenheit eine Zier wäre, dann trügen Männer wie Sean O‘Sul­l­ivan die Krone. Stattdessen trägt der alterslose Ire ein Regencape. Warmer Nieselregen fällt, doch durch die Wolkendecke dringt immerhin so viel Licht, dass sich die Gläser von Seans Brille tönen. Mit der Hand zeigt er den Verlauf der Wanderung, ein uralter Pfad, nicht mehr als ein Schatten, der sich im Grünbraun des Grases abzeichnet. "Früher haben die Bauern auf diesen Wegen ihre Waren zum Markt gebracht, ihre Lasttiere waren oft mit Butterfässern beladen, daher der Name Butterroad", erklärt Sean. Mäßig ansteigend schlängelt sich die alte Butterstraße den Hang entlang. Etwa hundert Meter tiefer, unendlich weit und fantastisch blau, der Atlantik.

Es sind diese alten Handelsrouten, die Anfang der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts zum mittlerweile beliebtesten Weitwanderweg des Landes verbunden wurden, dem Kerry Way. Über 215 Kilometer führt er von der Stadt Killarney über die Iveragh-Halbinsel, vorbei an verzweigten Seen, über windige Hochflächen, durch einige der wenigen Wälder, zu Plätzen hoch über dem Meer und fast schon mediterranen Stränden. Wer nicht in der freien Natur übernachten will, kehrt abends in einem der Bed & Breakfast-Häuser ein. Neun Tage brauchen Wanderer für die gesamte Strecke, und neben viel Grün und Blau begegnet man auf Schritt und Tritt Geschichte und Geschichtchen.

 

Irland - Kerry Way
Foto: Tourism Ireland Grünes Irland auf dem Kerry Way

Am Fuße der höchsten Berge Irlands

Gut, wenn man neben jemandem hergeht, der sie zu erzählen weiß. Weit ausholen muss Sean dazu nicht, jeder Stein veranlasst ihn zu einer Anekdote: Das verfallene Haus dort drüben? In dem lebte eine alte Bäuerin, die über dem Tresen Eier und unter dem Tresen schwarz gebrannten Whiskey verkaufte. Die Inschrift in dem Stein dort drüben? Stammt von den Soldaten des Tipperary-Regiments. Die Nacktschnecke da? Kommt außer in Kerry nur im Norden von Spanien und Portugal vor, ebenso wie eine Stachelbeerart und verschiedene Heidekräuter: Man nennt sie lusitanische Spezies, nie davon gehört?

Sean entpuppt sich als Enzyklopädie auf zwei Beinen, mit denen er, auch wenn er auf die 70 zugeht, ein ordentliches Tempo vorlegt. Seine Großeltern lebten in einem Bauernhof am Fuße der höchsten Berge Irlands: der Macgillycuddy’s Reeks. Sean erzählt von seinen ersten Streifzügen durch die Umgebung und reisenden Notenverkäufern, die auf den alten Wegesystemen von Gehöft zu Gehöft zogen und den Bewohnern neue Musikstücke für lange Winterabende brachten. "Ein ausgestorbener Beruf«, sagt Sean etwas wehmütig, in Gedanken ist er wohl noch auf den grünen Hügeln seiner Kindheit. »Heute reicht dazu ein Klick im Internet, und man hat mehr Musik, als einem lieb ist."

Ein paar Kilometer weiter dröhnt wie zum Beweis Heavy Metal von einem Bauernhof her­über. Natürlich kennt Sean eine Geschichte zum Anwesen: "Das war das letzte Gehöft, das in Irland an das Stromnetz angeschlossen wurde, erst in den 70ern. Man kann gerade hören, wie sie diese neue Technologie zu nutzen wissen", sagt Sean schmunzelnd – und zeigt schon die nächste historische Bedeutsamkeit. Er tritt hinter einen mannshohen Stein und peilt darüber ein aufrecht stehendes Steinmal auf der nächsten Passhöhe an. Bedrohlich und riesengroß wirkt es von unten, wenn man 20 Minuten später vor ihm steht, reicht es nur auf Brusthöhe. Dutzende dieser Steine aus der Bronzezeit liegen links und rechts des Kerry Ways, über ihren Verwendungszweck lässt sich nur spekulieren. Sean jedenfalls glaubt, dass es sich dabei um eine Art Kalendarium handelt, mit dem man anhand des Sonnenstandes das genaue Datum ablesen konnte.

Als ob Höllenklänge und Steinreihen nicht schon stimmungsvoll genug wären, verfinstert sich der Himmel. Aus dem Nieselregen wird ein Landregen, der in einen Dauerregen und wieder in einen Landregen übergeht. Wenn es danach wieder nieselt, hat das fast schon etwas Heiteres. Um in Irland als Wanderer glücklich zu werden, sollte man das Wetter akzeptieren, wie es ist. Irgendwann wird es wieder aufklaren, und dann scheint die Sonne umso schöner auf das nasse Grün. Es ist dieses Klima, das den Charme der Insel ausmacht, und vielleicht hat es auch seinen Teil mit daran, dass in Irland die Gegenwart so mit der Vergangenheit verwoben scheint. Nirgendwo rotten Ruinen so schön vor sich hin wie hier, wo sich über jeden freien Stein bald eine Flechte legt, wenn nicht sogar ein dichtes Moospolster, so wie auf Abbey Island ...
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04.04.2013
Autor: Alex Krapp
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Ausgabe 05/2011