Der Geschichte auf der Spur: Wandern auf historischen Pfaden

Fünf historische Wanderrouten

Ötztal - Vent - Hauslabjoch
Foto: Ötztal Tourismus / Bernd Ritschel
Wo wir heute zum Vergnügen wandern, verliefen früher oft die Routen von Kaufleuten, aber auch Pilgern, Schmugglern und Soldaten. Auf welchen Pfaden sie reisten, lesen Sie hier: Kommen Sie mit auf fünf historische Touren.

Wandern auf historischen Spuren beflügelt die Fantasie. Der gewaltige Naturraum der Alpen, aber auch die Mittelgebirge erscheinen in vollkommen neuem Licht, wenn man sie durch die Lupe der Geschichte betrachtet. Wer den alten Handelswegen folgt, erkennt die Bedeutung von Burgen und Städten, sieht Königreiche aufsteigen und sinken, gelangt zu mys­tischen Orten und ahnt die Gefahren, denen sich Wanderer in den alten Zeiten aussetzten. Schon in der Jungsteinzeit gab es Fernhandel über die Alpen, doch erst die Römer befestigten vereinzelt Wege – meist über die Höhen, denn das Überqueren der Flüsse war gefährlich, Täler erwiesen sich häufig als sumpfig oder überschwemmt. Noch im frühen Mittelalter nutzten Pilger alte Fernverbindungen, die meist fernab der Ortschaften auf den Höhen verliefen.

So entwickelte sich im Lauf der Zeit ein Wegenetz durch ganz Europa mit unterschiedlichen Wegebezeichnungen. Wer etwa eine »Hauptstraße« wählte, die meist auf einer Alt- oder Römerstraße entstand, reiste unter dem Land- oder Königsfrieden – der Besitzer der Straße gewährleistete die Sicherheit des Reisenden. Im Mittelalter entwickelt sich daraus die Geleitbriefe. Sie funktionierten wie eine Art Reise-Versicherung: Denn wer auf einer Geleitstraße überfallen wurde, musste vom Besitzer des Weges entschädigt werden. Heute lassen sich die alten Wege gefahrlos auf eigene Faust erkunden, manche mit Guides und einige wenige auch mit Veranstaltern.

 

Ötzi - Steinzeitmann
Foto: Ötztal Tourismus Ötzi: Der Mann aus dem Eis.

Ötzis Schäferroute

Vermutlich hütete er Schafe, als er kaum 500 Meter von der uralten Schafroute am Tisenjoch in den Ötztaler Alpen ermordet wurde. Gestartet ist der Ötzi wie die Schäfer heute im Niedertal, dort, wo heute der Ort Vent liegt. Übers Niederjoch führt ihr großer Schafabtrieb einmal im Jahr ein Stück über den Similaungletscher, über die Similaunhütte auf 3019 Meter Höhe
und hinab ins Schnalstal.

Wer dabei sein will: www.naturpark-oetztal.at

20 Jahre Ötzi: Die Mumie entdeckten Erika und Helmut Simon bei einer Bergtour von der Similaunhütte auf die Fineilspitze am 19. September 1991. Am Jubiläumstag steigt dieses Jahr ein großes Fest an der Ötzi-Fundstelle und bei der Similaunhütte - mit viel Prominenz aus Nord- und Südtirol sowie der Ötzi-Finderin Erika Simon. Der wundersam konservierte Mann aus der Steinzeit ist 5300 Jahre alt. Noch bis Ende September ist am Eingang des Ötztals im Ötztal Infopoint Ambach eine "Ötzi"-Ausstellung zu sehen.

Fotostrecke: Wandern im Ötztal: Impressionen

14 Bilder
Ötztal: Niederthai Foto: Bernd Ritschel / Ötztal Tourismus
Ötztal: Schweinfurter Hütte Foto: DAV
Ötztal: Gamskogel Foto: Bernd Ritschel / Ötztal Tourismus

Saumpfad "Goldener Steig"

Die Säumer waren die ersten Spediteure Europas. Schon 1000 Jahre vor Christus transportierten sie mit Eseln, Maultieren oder Pferden Güter über die Alpen, im Osten reichte ihr Wegenetz später bis Böhmen. Zu den wenigen erhaltenen Säumerpfaden gehört der Goldene Steig, der im Mittelalter Passau mit Böhmen verband.

Seine Markierungen wurden beim Jubiläum "1000 Jahre Goldener Steig" letztes Jahr erneuert. www.zlatastezka.eu

Via Jacobi

Von Rorschach bei Konstanz bis nach Genf führt dieser schöne Teil des europäischen Jakobsweges am Alpenfuß entlang. Der 458 Kilometer lange Abschnitt in 20 Etappen weist 9100 Höhenmetern auf, ist gesäumt von Kirchen, Klöstern und Kapellen. Nebenbei lockt er mit zahlreichen Extra-Ausflügen per Bahn, Bus und Schiff. Und wer mag, kann natürlich noch weiter nach Santiago de Compostela im fernen Galizien weiterpilgern.

Infos unter www.wanderland.ch und www.kulturweg-schweiz.ch

 

Vinschgau Tour
Foto: Klaus Fengler Der Vinschgau in Südtirol macht Wanderer auch im Spätherbst glücklich.

Waalwege im Vinschgau

Waale heißen im Südtiroler Vinschgau und Passeier Tal die hölzernen und erdenen Wasserrinnen, über die Felder und Obstwiesen seit alters her künstlich bewässert werden. Wunderschön wandert es sich an ihnen entlang, etwa am Kuenser, Maiser, Verdinser und Algunder Waal.

Extratipp: der zwölf Kilometer lange, 250 Jahre alte Marlinger Waalweg, der bei Töll be­ginnt und am Raffeingraben bei Lana endet. www.marling.de/waalweg.htm

Keltenweg

Der 233 Kilometer lange Fernwanderweg verbindet auf sechs Etappen und über sieben Berge wichtige Siedlungsstätten der Kelten. Von Süd nach Nord geht es auf ihm von Bad Windsheim am Westrand des Naturparks Steigerwald durch das Fränkische und Thüringische Grabfeld zu Thüringens Tafelberg, dem Dolmar, und bis zum Ziel in Sand am Main.

Am Weg liegen Höhensiedlungen und fünf Museen mit Funden zu Geschichte und Kultur der Kelten. Infos: www.wanderkompass.de

15.09.2011
© outdoor
Ausgabe 05/2011