Wanderungen und Radtouren im Elbsandsteingebirge

Elbsandstein: Die besten Touren im Felsenland

Für viele ist das Elbsandsteingebirge Deutschlands schönste Ecke. Wir zeigen Ihnen die besten Wanderungen und Radtouren im Elbsandsteingebirge und geben Tipps zu Anreise, Unterkünften und Outdoor-Aktivitäten in der Sächsischen Schweiz.

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Wandern im Elbsandsteingebirge
Foto: Frank Exß / Tourismusverband Sächsische Schweiz e. V. Traumhafte Aussichten bieten die zahlreichen Wander- und Kletterfelsen im Elbsandsteingebirge.

Der Morgen zieht in einem zarten Orange über die Felsen und lässt die graue Struktur des Steins blau schimmern. Erste Strahlen der Spätsommersonne und Vogelgezwitscher treiben uns den Schlaf aus dem Körper. Mein Blick fällt auf die Wipfel der Fichten am Fuß des Felsens.

Hoch oben haben mein Begleiter und ich das nächtliche Lager im sandigen Boden unter einem Überhang aufgeschlagen. Boofen nennt man diese Art des wilden Campens, es ist die einzige erlaubte Übernachtungsart im Nationalpark Sächsische Schweiz. Vor allem Kletterer nutzen sie gern, denn die Plätze liegen meist abseits der offiziellen Wanderwege und sind über schmale Trampelpfade erreichbar.

Das strahlende Wetter vertreibt die klamme Kälte der verregneten Nacht und weckt Energie für einen weiteren Tag im Elbsandsteingebirge. Wir wollen es per Rad und zu Fuß erkunden, ein verlängertes Wochenende über.

Heute werden wir über die Affensteine bis zu den Schrammsteinen durch diese wildromantische Landschaft wandern, die sich mit ihren tiefen Schluchten, bizarren Felsformationen und unberührten Waldflächen beidseits der Elbe vom sächsischen Pirna bis zum tschechischen Decin zieht.

Als "Schönste Schweiz Deutschlands" bezeichnet der ortsansässige Tourismusverband das Gebiet, und 2008 wurde ihm von der Bundesregierung der Titel "Ort der Vielfalt" verliehen. Dank des Schengener Abkommens ist unser Wander- und Radtourenplan grenzüberschreitend auch im tschechischen Teil des Nationalparks möglich, der Böhmischen Schweiz.

Die 5 Top-Touren im Elbsandsteingebirge:

 

outdoor Touren im Elbsandstein-Gebirge
Foto: Bernd Jonkmanns Unterhalb des mächtigen Prebischtors liegt das Gasthaus "Falkennest".

Durch das Kerngebiet des Nationalparks Sächsische Schweiz

Mit dem Gepäck auf dem Rücken machen wir uns auf den Weg durch das Kerngebiet des Nationalpark Böhmisch-Sächsische Schweiz, der sich vom kleinen Kurort Bad Schandau an der rechten Seite der Elbe bis zur Grenze erstreckt. Der Morgentau sitzt wie Perlen in Gräsern und Blaubeersträuchern, glitzernd hängen Spinnweben zwischen den ersten bunten Blättern des Jahres.

An der Kirnitzsch machen wir eine Frühstückspause und halten die Füße ins kalt plätschernde Wasser. Ich versuche mir vorzustellen, wie es hier wohl zugegangen sein mag, als der kleine Fluss mit seinen 16 Mühlen noch der wichtigste Floßbach der Sächsischen Schweiz war. Vom Mittelalter bis ins letzte Jahrhundert wurde Holz auf dieser Triftstrecke bis zur Elbe transportiert und dann nach Dresden verschifft, den Spuren dieser Ära kann man heute auf einem Lehrpfad folgen. Das träge Summen ein paar müde taumelnder Wespen nähert sich, sobald wir das Frühstück auspacken, für eine Weile halten wir der Belästigung stand, beobachten ein paar Bachforellen, bevor wir unseren Weg fortsetzen.

Der erste Wanderer, den wir treffen, warnt uns vor den Folgen des Regens: "Seid vorsichtig, grade die steilen Wegpassagen sind noch rutschig!" Schon bei unserer Ankunft in Bad Schandau fiel uns auf, dass die Menschen ausgesprochen offen und hilfsbereit sind. Ob Passanten, Fährmann oder Kellner, jeder half und versorgte uns noch mit persönlichen Tipps.

"Unbedingt mit dem Rad durchs Kirnitzschtal bis Hinterhermsdorf, das wurde zu Deutschlands schönstem Dorf gewählt. Dort die Obere Schleuse ansehen und dann zurück durch den Nationalpark. Mit Pause am Zeughaus, die haben gute Bio-Produkte." – "Das Prebischtor würde ich mir nicht entgehen lassen". Oder: "Auch wenns alle machen: Bastei muss sein!" Und da wir zum ersten Mal hier sind, halten wir uns an die Ratschläge und besuchen die Highlights, wissend, dass wir dort nicht allein sein werden.

Beeindruckende Felsformationen als Zeugnisse der Kreidezeit

Am späten Vormittag stehen wir auf dem Carolafelsen, dem bekanntesten Aussichtspunkt im Massiv der Affensteine. Beim Anblick der zerklüfteten Felsgruppe kann ich mir gut vorstellen, wie Wind, Wasser und Witterung die aus der Kreidezeit stammende Sandplatte über Jahrtausende hinweg geformt haben, nachdem die Strömungen des Urmeeres abgeflossen waren.

Barbarine, Lokomotive oder Herkulessäule heißen einige der Felsformationen, die nicht selten wie schmale Finger aus dem Wald herausragen. Die Schönheit der Landschaft mit diesen einzigartigen, von der Natur geformten Steinskulpturen hielten schon Maler wie Caspar David Friedrich und Ludwig Richter fest, nach ihnen ist auch einer der beliebtesten Wanderwege benannt – der 112 Kilometer lange Malerweg, dem wir nach dem Abstieg im Bereich des Unteren Affensteinweges ein Stück folgen.

Fotostrecke: Sächsische Schweiz: Klettern im Elbsandstein

20 Bilder
Klettern Elbsandstein Bernd Arnold Foto: Boris Gnielka
Klettern Elbsandstein Bernd Arnold Foto: Boris Gnielka
Klettern Elbsandstein Bernd Arnold Foto: Boris Gnielka

Natur pur im Elbsandsteingebirge

Das Elbsandsteingebirge ist zwar kleiner als Berlin, trotzdem ist es Europas größter Erosionskomplex aus Kreidesandstein. Zudem wartet seine Flora und Fauna mit einer beeindruckenden Artenvielfalt auf. So gibt es beispielsweise in keiner anderen Mittelgebirgsregion Deutschlands so viele verschiedene Moose und Farne, Rot- und Schwarzwild ist ebenso ansässig wie der Dachs, der Otter und 16 der 18 in Deutschland heimischen Fledermausarten. Und auch wenn er sich noch nicht höchstpersönlich hat blicken lassen, so findet man in den letzten Jahren auch wieder Spuren vom Luchs, der 1743 ausgerottet worden war.

Das stete Auf und Ab der Wanderwege und der überraschend warme Altweibersommer bringen uns zur Mittagszeit ganz schön ins Schwitzen, und so lassen wir uns am Wegesrand ermattet in ein Kissen aus sternförmigem Moos fallen, das so weich und nachgiebig ist wie Omas dickste Daunendecke.

Während mein Atem langsam ruhiger wird, ertastet die rechte meiner weit ausgestreckten Hände etwas Hartes unter dem Moos. Das Fundstück stellt sich als Tierkiefer heraus. Groß und spitz sind die Zähne, und sofort ist er da, der Gedanke an Wölfe, die nur zu gut in das tiefe Grün der Tannen passen würden. Dicht und dunkel stehen sie zu beiden Seiten des Weges. Als wir später auf einen Förster treffen, nutzen wir die Gelegenheit, um Gewissheit über die Herkunft des Fundstücks zu bekommen.

 

outdoor Touren im Elbsandstein-Gebirge
Foto: Bernd Jonkmanns Aussichtsreich führt eine Wandertour über die Schrammsteine und die Felsenwelten des Elbsandstein.

Über die Schrammsteine im Elbsandsteingebirge

"Ist doch zu groß für einen Fuchs, oder?" frage ich. "No!" antwortet der Förster. "Aber die Zähne sind doch zu spitz für Rotwild?" hakt mein Begleiter nach, und wieder besteht die Antwort aus einem "No". Denn auch das sollte man über die Region wissen: No heißt hier "ja", was oft zu Verwirrung führt, denn woher soll der Zugereiste das wissen?

Schließlich klärt der Förster uns auf, dass der Kiefer zu einem Wildschwein gehört. "Die waren hier zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts ausgerottet, haben sich aber seit den 50ern wieder angesiedelt und vermehren sich schneller, als mir lieb ist."

Das letzte Ziel des Tages - die Schrammsteinaussicht - ist nur über eine schmale Leiter zu erreichen, die bis zur Plattform in schwindelerregender Höhe führt. Oben angekommen erfasst mich sogleich das Gefühl von unendlicher Weite. Lange verharrt mein Blick auf den schroffen Felstürmen vor mir, weit überragen die bizarren Gebilde die Kronen der hochgewachsenen Fichten.

Unten auf der Elbe fährt ein Dampfschiff. Von oben erscheint es so winzig wie ein Spielzeug, bis es schließlich nach einer Weile in den Biegungen des Flusses zwischen den bewaldeten Hügelkuppen verschwindet. Die Sonne neigt sich langsam dem Horizont zu und taucht die Szenerie in ein warmgoldenes Licht. Weitere Wanderer erscheinen auf der kleinen Aussichtsfläche und setzen sich auf die noch warmen Felsen. Wein und Knackwürste werden ausgepackt und geteilt, die offene Mentalität der Elbsandsteingebirgler steckt an.

Das Flattern der Fledermäuse

Abends suchen wir uns einen neuen Felsvorsprung mit einer Aussicht wie aus einem Adlerhorst. Es dauert nicht lange, bis erste Fledermäuse durch die Höhle über unsere Köpfe flattern, das aufgeregte Schlagen der Flügel ist das einzige Geräusch in der nächtlichen Stille, die sich wie ein schützender Umhang über die Felslandschaft gelegt hat.

Und trotz der kleinen Gäste im Unterschlupf schlafe ich sofort ein, fühle mich geschützt und geborgen wie lange nicht mehr, weil es sich hier einfach richtig und gut anfühlt.

Video: Elbsandstein - meine Heimat

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Reiseinformationen zum Elbsandsteingebirge auf Seite 2 des Artikels

Fotostrecke: Der Malerweg im Elbsandsteingebirge

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Wandern im Elbsandsteingebirge Foto: Frank Exß / TVB Sächsische Schweiz e.V.
Wandern auf dem Malerweg Foto: Yvonne Brückner / Tourismusverband Sächsische Schweiz e. V.
Wandern im Elbsandsteingebirge Foto: Frank Exß / Tourismusverband Sächsische Schweiz e. V.

Inhaltsverzeichnis

03.01.2015
Autor: Rebecca Salentin
© outdoor
Ausgabe 11/2011