Wandern rund um die Burgen im Pfälzerwald

Burg um Burg - Auf Wandertour im Pfälzerwald

Rote Burgen in buntem Laub – outdoor zeigt die besten Herbst­touren im Pfälzerwald. Rot schimmernde Mauern, verwittert, romantisch überwuchert: Wegelnburg, Hohenburg, Löwenstein, Fleckenstein, Froensburg – kaum liegt eine spektakuläre Felsenburg hinter einem, erhebt sich bereits die nächste aus dem dichten Wald.
Foto: Gerhard Eisenschink Pfalz Burgenweg Herbst Wandern

Rote Burgen, buntes Laub, Fernsicht über die Pfalz - die Burgenwanderung verspricht Genuss pur.

Der Zigeunerfelsen taucht bald darauf auf, kurz danach der Klingelfels. Ein Glück für die beiden Buntsandsteingebilde, dass sie nicht lang und breit genug sind, sonst hätten die Baumeister des Mittelalters sie kurzerhand auch zu imposanten Burgen umgestaltet.

22 Kilometer weit führt die Sieben-Burgen-Runde, ausgehend vom pfälzischen Schönau, kreuz und quer durch den herbstlich bunten Pfälzerwald und die angrenzenden Nordvogesen. Charakteristisch für das Mittelgebirge Pfälzerwald sind die Buntsandsteinfelsen, aus denen man im Mittelalter gut 500 Felsenburgen herausgemeißelt hat. Rund 80 davon stehen auch heute noch: Sie sind von Krieg und Erosion gebeutelte Zeitzeugen, die man auf gut beschilderten Wanderwegen entdecken kann.

Die schönsten Burgenwanderungen im Pfälzerwald:

Tour 1: Zur Burgruine Gräfenstein
Tour 2: Zur Ruine Neudahn und den Hohlen Felsen
Tour 3: Um die Burgengruppe Altdahn
Tour 4: Zur Burgruine Drachenfels und um den Rauhberg
Tour 5: Grenzüberschreitende 7-Burgen-Tour

Der am Wegesrand aufragende Klingelfels besteht aus zwei Felstürmen, die wie Kobolde aus dem Dickicht lugen. Wenn der Wind wehe, erklärt ein Wanderer, höre man in der Nähe des Felsens ein unheimliches, irgendwie klingelndes Pfeifen. Daher der Name: »Le Klingelfels«. Le Klingelfels? Erst beim Blick auf die Karte dämmert es wieder, dass die grenzüberschreitende Route durchs Elsass führt; der nächste Stopp ist so »Le Château de Wasigenstein«.

Die Felsen und die Burgen sehen hüben aus wie drüben, die Schilder sind meist zweisprachig – kein Wunder, dass man in dieser grenzenlosen Waldlandschaft nicht immer genau ausmachen kann, wo Deutschland endet und Frankreich beginnt. Muss man ja andererseits auch nicht. Vor elf Jahren wurden Pfälzerwald und Nordvogesen von der UNESCO zum ersten grenzüberschreitenden Biosphärenreservat – »Pfälzerwald–Vosges-du-Nord« – erklärt. Ein schier lückenloses Grün, das mit 3105 Quadratkilometern flächenmäßig größer ist als das Saarland.

Menschen trifft man fast keine – ähnlich wie in der Wüste Gobi, die auch ein UNESCO-Biosphärenreservat ist. Der Pfad schwingt sich vom Klingelfels durch lichte Buchenwälder hinab, bis die Waldeinsamkeit am Ende einer von Baumwurzeln überwucherten Passage die Burgruine Wasigenstein freigibt. Auf zwei voneinander durch einen Spalt getrennten, sehr steilen und schmalen Felsriffen erbaut, wirkt der Koloss wie die Filmkulisse eines Fantasyfilms à la Herr der Ringe. Als typische Felsenburg aus dem Buntsandstein herausgehämmert, scheint das aus Türmen, Durchgängen, Kammern, Gängen und Treppen bestehende Konstrukt als rötlicher Gigant einfach aus der Erde emporzuwachsen.

Riesige ausgewaschene Stufen führen – gottlob mit Geländern gesichert – nahezu senkrecht nach oben. Dann eine Stahlleiter, auf der man einen der Burgtürme erklimmen kann. Im Prinzip gleicht der Aufstieg der Light-Version einer Via Ferrata. Entsprechend fantastisch öffnet sich die Aussicht auf die Landschaft ringsum: Bergkuppen, Wälder, Felsen. Kein Haus, kein Hochspannungsmast – nichts als Natur. Ein Anblick, der in Mitteleuropa selten geworden ist.

Wenn man so steht und schaut, fragt man sich unwillkürlich, wie Hagen von Tronje vor gut 1500 Jahren ohne GPS-Gerät und Wanderkarte in diesen versteckten Waldwinkel gefunden haben soll. Laut Nibelungensage kam es am Wasigenstein – damals noch keine Burg – zu einer wilden Keilerei mit Walther von Aquitanien, bei der Hagen von Tronje ein Auge und sechs Backenzähne verloren haben soll.

Heute ist es still. Man hört nichts als Vogelgezwitscher und Bienengebrumm, wenn man über den Waldpfad mit der Markierung rot-weiß-roter Balken in Richtung Maimont-Gipfel aufsteigt. Der Atem wird schwerer, der Schweiß fließt, denn der Weg überwindet in kurzer Zeit fast 200 Höhenmeter. Der lichte Buchenwald bleibt zurück, dunkle Fichten übernehmen das Regiment. Dann ein keltischer Ringwall, Farne, Moose und wie willkürlich hingewürfelte Felsbrocken. Als Wegmarkierung taucht ein stilisiertes Burggespenst auf – es sieht ganz so aus, als ob jetzt der geheimnisvolle Part der Wanderung beginnt.

03.11.2009
Autor: Sylvia Lischer
© outdoor
Ausgabe 12, 10/2009, 2009