Langlauf in Bayern

Genuss auf schmalen Brettern

Foto: Wolfgang Ehn
In Bayern wird beim Skilanglauf aus einer bloßen Fitnessübung ein wahres Naturerlebnis. Etwa in der "Alpenwelt Karwendel", dem Fichtelgebirge, Oberammergau, Bayerischen Wald, Isny im Allgäu oder dem Inzeller Moor ...

Es gibt sie, die perfekten Langlauftage: Die Ski gleiten wie von selbst über den Schnee, der Puls ist angenehm erhöht und Arme und Beine bewegen sich im absoluten Einklang mit dem Atem. Alles scheint zu fließen. Man schwebt regelrecht über der Loipe, während die tief verschneite Winterlandschaft in Zeitlupe vorbeizieht.

Skilanglauf hat zwei Spielarten: den klassischen und den freien Stil, auch Skating genannt. Dadurch genügt der Sport völlig verschiedenen Ansprüchen. Die Bandbreite reicht von ruhigen Skiwanderungen in der klassischen Loipe über gemütliche Sightseeing-Skatingtouren bis hin zu kräftezehrenden Fitness- und Technikeinheiten auf höchstem Trainingsniveau.

In Bayern sorgt schon die Natur dafür, dass es dabei nicht langweilig wird: Berge, Hügel und weite, schneebedeckte Talflächen, die im gleißenden Sonnenlicht funkeln, wechseln sich ab mit märchenhaften Wäldern, in denen die Zeit stillzustehen scheint.

 

Foto: Wolfgang Ehn

Ein gutes Langlaufrevier hat am besten von jedem etwas, so wie die "Alpenwelt Karwendel" an der Isar. Das sonnige Tal mit den Orten Mittenwald, Krün und Wallgau liegt ideal auf rund 900 Metern Seehöhe und ist dadurch meist nebelfrei und schneesicher. Ein Netz von über 150 Loipenkilometern aller Schwierigkeitsstufen überzieht die Region. Und sollte es doch einmal zu wenig frisches Weiß geben, helfen stellenweise moderne Beschneiungsanlagen etwas nach.

Bei solchen Eckdaten verwundert es nicht, dass mit Magdalena Neuner und Martina Beck gleich zwei Biathlonstars aus der Gegend stammen. Direkt vor ihren Heimatorten Wallgau und Mittenwald herrschen schließlich beste Trainingsvoraussetzungen, die nächste Loipe liegt direkt vor der Tür. Wie zum Beispiel die 13,4 Kilometer lange Route entlang der Isar von Wallgau nach Vorderriss.

 

Foto: Wolfgang Ehn

Die Loipe führt mit knapp 140 Höhenmetern mehr bergab als bergauf (95 Hm). Beim ersten steilen Anstieg kommen Langläufer aber ganz schön ins Schwitzen, und der Bewegungsfluss gerät das erste Mal ins Stocken. Kaum oben, zischen die Ski wieder wie gewohnt durch die Spur, die Augen haben endlich Zeit für die Wildflusslandschaft.

Links neben der Loipe ruht unter einer dicken Schneedecke verborgen das breite Flussbett der Isar. Hier, wo sich im Sommer das türkis- blaue Wasser munter plätschernd immer wieder neue Wege durch die grauen Flusskiesel sucht, ist jetzt alles erstarrt. Nur die Langläufer und einige wenige Wintervögel füllen das von steilen Waldflanken gesäumte Tal mit Leben – man könnte hier genauso gut in Kanada sein.

Einziger Unterschied: Dort wartet kein typisch bayerischer Gasthof am Ende der Tour. Denn ganz zuhinterst, wo von rechts das Risstal einmündet und sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen, taucht das Gasthaus Post auf. Das weiß auch Wallgaus Ehrenbürgerin Magdalena Neuner zu schätzen: "Landschaftlich einfach ein Traum, und am Ende kann man auch noch schön einkehren", sagt die Doppelolympionikin und dreimalige Gesamtweltcupsiegerin.

 

Foto: Wolfgang Ehn

In der warmen, holzverkleideten Gaststube duftet es schon nach Schweinebraten und Schnitzel. Etliche Gamsgeweihe zieren die Wände, und spätestens, wenn sich Langläufer den ersten Bissen des zartweichen Schweinebratens auf der Zunge zergehen lassen, wollen sie hier gar nicht mehr weg. Auf das Mittagessen folgt dann noch ein Kaffee und zur besseren Verdauung ein Schnäpschen. Der Rückweg auf Ski rückt damit in immer weitere Ferne. Zur Not bestellen Langläufer ein Taxi, das sie wieder zurückbringt.

Anfänger werden sich eher auf die "Magdalena-Neuner-Loipe" begeben. Die fünf Kilometer lange Strecke zu Ehren der Rekordtitelträgerin von zwölf Goldmedaillen bei Weltmeisterschaften wurde 2010 in Wallgau eröffnet. Der leichte Rundkurs verläuft am Südfuß des Krepelschrofen und verwöhnt mit viel Sonne. Reichlich Licht und Landschaft bietet auch die "Sonnenloipe" in Krün. Auf der mittelschweren, neun Kilometer langen Traumroute schauen Langläufer in die sanften und bewaldeten Flanken des Estergebirges, während im Osten und Süden die steilen Felswände und Türme von Karwendel und Wetterstein in den Himmel spitzen.

 

Foto: Wolfgang Ehn

Los geht es in Wallgau am Haus des Gastes Richtung Krün. Bald erreichen Langläufer durch lichten Wald den Barmsee. Filigran ragen die Schilfsträucher aus dem Boden am Ufer hervor, und in der Ferne türmt sich die weiß gezuckerte Festung des Wettersteingebirges auf.

Wieder durch Wald gleitet man anschließend zu den freien Wiesenflächen mit den für die Region so typischen Holzstadeln zum Maximilianshof. An dieser sogenannten Café-Einkehr gibt es kein Vorbei, sondern nur ein Hinein: Bei einer gemütlichen Einkehr kann man die Sonnenterrasse mit ihrem 360-Grad-Panorama- Blick in vollen Zügen genießen. Doch auch abends ist in der "Alpenwelt Karwendel" einiges geboten. Dann locken die drei Orte mit heimeligen Restaurants.

Wem am nächsten Tag der Sinn nach Neuem steht und schon immer einmal wissen wollte, wie sich Biathlon als Athlet und nicht als Zuschauer anfühlt, der kann beim Gästebiathlon im Stadion in Kaltenbrunn bei Klais jeweils mittwochs um elf Uhr seine Treffsicherheit unter Beweis stellen. Zuerst geben Biathlon- Könner des Skigaus Werdenfels Tipps zum richtigen Skating-Stil, dann geht es ab in die Original-Trainingsloipe: als Gästestaffel versteht sich – denn ohne Wettkampf wäre es ja nur halb so spannend. Nach einer Skatingrunde, deren Länge immer an das Leistungsvermögen der Teilnehmer angepasst wird, heißt es dann endlich hinlegen, durchatmen, zielen ... und Schuss. Genau hier hat übrigens auch Magdalena Neuner einst angefangen, und fährt hier auch heute noch gerne - siehe Video:




Infos: Alpenwelt Karwendel, Dammkarstraße 3, 82481 Mittenwald
Tel. 08823/33981

Aktuelle Informationen über den Zustand der Loipen und Pisten sowie Informationen zu Übernachtungsmöglichkeiten finden Sie im Netz auf den Seiten der www.alpenwelt-karwendel.de

Fotostrecke: Langlaufen im Karwendel

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Foto: Alpenwelt Karwendel
Foto: Alpenwelt Karwendel
Foto: Alpenwelt Karwendel

Auf den Spuren König Ludwigs: Oberammergau

Jedes Jahr am ersten Februarwochenende erlebt das ehrwürdige Kloster Ettal in den Ammergauer Alpen ein ungewöhnliches Schauspiel. Vor den barock geschwungenen Türmen und Kuppeln der Benediktinerabtei drängen sich bunt gekleidete Langläufer. Sie wippen auf und ab und warten auf den Startschuss zum König- Ludwig-Lauf. Seit über vierzig Jahren kämpfen bei diesem Rennen auf den Spuren König Ludwigs 4000 Profis und Hobbylangläufer aus den regionalen Vereinen gegeneinander – ein typisch bayerisches Verschmelzen von Tradition und Moderne, von Weltläufigkeit und Besinnung auf die Wurzeln. Nach dem Start gleiten die Sportler durch das verwunschene Graswangtal zum Schloss Linderhof, dem Lieblingsbau König Ludwigs II., und weiter in den Passionsspielort Oberammergau. Vor dieser Kulisse wundert es nicht, dass die Veranstaltung zu Europas Top-Läufen zählt. Zudem fließt das Ergebnis in Rennserien wie Worldloppet und XC-SKI.de ein. Langläufer, die nicht am Rennen teilnehmen, lassen sich einfach in Eigenregie vom Märchenschloss und Naturwundern verzaubern. Oberammergau hält für sie 160 bestens präparierte Loipenkilometer bereit.

Fotostrecke: Ammergauer Alpen - Langlauf

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Foto: Ammergauer Alpen, Anton Brey
Foto: Ammergauer Alpen, Anton Brey
Foto: Ammergauer Alpen, Anton Brey

Infos: Ammergauer Alpen GmbH
Eugen-Papst-Str. 9a, 82487 Oberammergau
Tel. +49 8822 922740, Fax +49 8822 922745
Email: info@ammergauer-alpen.de
www.ammergauer-alpen.de, www.koenig-ludwig-lauf.com




Zauberhaftes Fichtelgebirge

Der 1024 Meter hohe Ochsenkopf gilt als Zentrum des fränkischen Wintersports. Langläufer finden hier eine perfekte Mischung aus gelebter Tradition und moderner Infrastruktur. Über und um den Berg verlaufen 100 Loipenkilometer für Skating-Runden und Touren im klassischen Stil. An schönen Tagen sollte man von der 2,3 Kilometer langen Gipfelloipe auf die überzuckerten Wälder schauen. Läufer mit mehr Kondition folgen der Ring-Loipe 15 Kilometer weit um den Ochsenkopf. Und selbst abends endet der Spaß noch lange nicht: Nachtschwärmer gleiten bei der Bleamlalm an der Ochsenkopf-Südseite und im Wagenthal bei Warmensteinach über beleuchtete Loipen. Wem der Sinn nach einem anderen Erlebnis steht, ist am Ochsenkopf auch gut aufgehoben. In Bischofsgrün beispielsweise kann man sich für zwei Euro einer geführten Schneeschuhwanderung anschließen und die Stille der Natur auf einer Nachmittagsrunde genießen.

Infos: Tourismus GmbH Ochsenkopf, Tel. 09272/97032
www.erlebnis-ochsenkopf.de

Fotostrecke: Wintererlebnis Ochsenkopf - Fichtelgebirge

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Foto: Tourismus GmbH Ochsenkopf
Foto: Tourismus GmbH Ochsenkopf
Foto: Tourismus GmbH Ochsenkopf

Durch den Bayerischen Wald

Dicht stehen die weiß bemützten Fichten und Tannen, klare Luft füllt die Lungen, und vor den Sonnenbrillen steigen Atemwölkchen auf. In geschmeidigem Rhythmus zischt eine Gruppe Langläufer über die frisch präparierte Spur. Sie folgen neun Tage lang der Bayerwaldloipe quer durch den Bayerischen Wald. Im klassischen Stil geht es 150 Kilometer weit vom Arber zum Dreisessel; unterwegs schaut man immer wieder über die schneebedeckten Hügel an der Grenze und bis nach Tschechien hinüber. Die Tour besucht die Zentren des Wintersports und verbindet das dortige Loipennetz. Anspruchsvoll wird es im Bereich der Dreikönigsloipe bei Mauth auf der siebten Etappe. Dafür liegt der Abschnitt in einem sogenannten "Schneeloch" und garantiert Langlaufspaß von Dezember bis April. Aber auch abseits der Bayerwaldloipe gibt es schneesichere Strecken, zum Beispiel die mittelschwere Höhenloipe Waldhäuser an der Grenze zu Tschechien. Kein Wunder, denn die Runde im klassischen Stil verläut über 900 Metern Höhe durch das Herz des Nationalparks. Unterwegs grüßen die Bergpromis Rachel und Lusen herüber. Selbst Einsteiger fühlen sich auf den rund 2000 Loipenkilometern des Bayerischen Walds wohl: Fast alle Skisportzentren bieten Kurse an, bei denen man rasch lernt, die zwei schmalen Bretter zu beherrschen.

Infos: Ferienregion Nationalpark Bayrischer Wald GmbH, Tel. 08553/9793943, www.ferienregion-nationalpark.de

 

Foto: Marco Felgenhauer

Langlaufen in Isny

Wo könnte man besser langlaufen lernen als im Loipenzentrum Isny im Allgäu? Und von wem sonst als von Langlauf-Profis? Genau deswegen finden im Winter vier zweitägige Kurse statt – auf Wunsch komplett organisiert mit Übernachtung. Die Teilnehmer erfahren alles über Cruising-, Skating- oder klassischen Stil, informieren sich über die Materialien wie Fiberglas und Holz und üben Lauftechnik, Bremsen und Spurwechsel. Und nach einem Wochenende gleiten sie selber auf über 70 Kilometern Loipe je nach Trainingsschwerpunkt durch die verschneite Landschaft, ganz wie die Profis.

Infos: Isny Marketing GmbH, Tel. 07562/97563-0, www.isny.de

Fotostrecke: Langlaufen in Isny

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Foto: Isny Marketing GmbH
Foto: Isny Marketing GmbH
Foto: Isny Marketing GmbH

Langlauf im Inzeller Moor

Der Frost hat die langen Gräser in zerbrechliche Kunstwerke verwandelt, die kleinen Birken tragen schwere Mäntel aus Schnee – im Inzeller "Filz", wie das Moor hier genannt wird, herrscht winterlicher Frieden. Langläufer lernen das Gebiet auf naturnahen Rundloipen am besten kennen. Drei Varianten ab Schwarzberg stehen zur Auswahl: Familien nutzen gern die 4,3 Kilometer lange Strecke, die höhenmeterarm an den Moor-Erlebnis-Stationen und dem Fluss Rote Traun entlangführt. Fortgeschrittene folgen zwei längeren Filzenloipen mit mehr Höhenmetern. Und wem das nicht reicht, der findet sicher unter den insgesamt 80 Inzeller Loipenkilometern seine Lieblingsspur.

Infos: Inzeller Touristik GmbH, Tel. 08665/9885-0, www.inzell.de

25.10.2016
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