Schwäbische Alb - Traufgänge: Wandern rund um Albstadt

Für Traufgänger: Wandern auf der Schwäbischen Alb

Rund um Albstadt zeigt sich Süddeutschland von seiner Premium-Seite: Auf der Schwäbischen Alb finden Wanderer majestätische Ausblicke, preisgekrönte Wege und gutes Essen.

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Fotostrecke: Traufgänge: Wandern auf der Schwäbischen Alb

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Rund um Albstadt - Impressionen Foto: Jens Mönnich
Rund um Albstadt - Impressionen Foto: Jens Mönnich
Rund um Albstadt - Impressionen Foto: Jens Mönnich

Wie eine Schaumkrone schmiegt sich der Nebel sanft um den Zollerberg. Durch die milchige Hülle dringen fetzenhaft immer wieder die Konturen der Burg Hohenzollern. Langsam versuchen sich die Sonnenstrahlen einen Weg durch die Watteschicht zu bahnen, sie schaffen ein Lichtspiel von fragilem Zauber. Heiko und Susanne können an dem frühen Samstagmorgen nur vermuten, wie die Stammburg der Hohenzollern stolz über der Landschaft thront. Es ist fast, als wolle sie beobachten, wer sich aufmacht, die Schwäbische Alb zu erkunden.

Der Albanstieg, den der Dichter Eduard Möricke als »blaue Mauer« bezeichnete, lässt sich bei dieser Wetterlage nur erahnen. Er war es aber, der den sieben Premiumwanderwegen rund um Albstadt, knapp eine Stunde südlich von Stuttgart gelegen, den Namen verlieh: die Traufgänge. "Der Albtrauf ist der Steilabfall der Schwäbischen Alb", erklärt Heiko. Einen ausführlichen Exkurs über die Feinheiten des Südwestdeutschen Schichtstufenlandes mit den unterschiedlichsten Gesteinsschichten erspart er sich und seiner Frau. Getreu dem Motto: Nicht reden, sondern erleben.

Zollernburg-Panorama – so heißt der erste Traufgang, für den sich Heiko und Susanne entschieden haben. Als sie kurz vor 10 Uhr auf den Parkplatz einbiegen, fängt der Nebel an, sich langsam aufzulösen. Der Vorhang öffnet sich, und das ist gut so, denn auf 15,6 Kilometern wartet ein reich gefülltes Programm: herrliche Ausblicke, raue, sagenumwobene Felsformationen, eine unverwechselbare Naturlandschaft – einfach ausgezeichnete Bedingungen für Wanderer.

Ausgezeichnet, im wahrsten Sinne des Wortes: Denn erst 2010 wurden die Traufgänge vom Wanderinstitut als Premiumwanderwege zertifiziert. Ein Jahr später ergatterte der Traufgang Zollernburg-Pan­orama bei der Wahl zu Deutschlands schönstem Wanderweg den zweiten Platz. Eine rasante Karriere, aber der Erfolg kommt nicht völlig überraschend, weil die Traufgänge liebevoll geplant und mit viel Gespür für die überwältigende Natur umgesetzt sind. Wanderpublizist Manuel Andrack bezeichnete Albstadt, den Ankerpunkt der Traufgänge, sogar als »Wanderhauptstadt Deutschlands«, weil auf engstem Raum gleich sieben Topwege geschaffen wurden, die sich alle von einem Basislager in der Stadt problemlos erreichen lassen.

Anstieg auf die Albhochfläche

Nur wenige hundert Meter vom Parkplatz Stich entfernt beginnt für Heiko und Susanne der Anstieg auf die Albhochfläche. Vom Heiligenberg, der sich allerdings als Berg kaum sichtbar vom Albtrauf abhebt, hat man den ersten Ausblick: auf den Irrenberg, den Hundsrücken und die lichtdurchfluteten Wälder, die so charakteristisch für die Südwestalb sind.

Immer wieder eröffnen Lücken im Wald schöne Aussichten, aber das ist alles nur ein müdes Vorspiel für das, was am Zeller Horn aufgeführt wird. Nach dem Anstieg über einen steilen Pfad auf den Ausläufer des Albtraufs steht großes, atemberaubendes Kino auf dem Spielplan: Über die Zellerhornwiese blickt man auf die Burg Hohenzollern, die der Nebel mittlerweile preisgegeben und die Sonne in warmes Licht getaucht hat – eine märchenhafte und majestätische Erscheinung zugleich. Es ist kaum zu glauben, dass von der Burg, die erstmals 1267 erwähnt wurde, zu Beginn des 19. Jahrhunderts nur noch eine Ruine übrig war. König Friedrich Wilhelm IV. baute sie wieder auf und verwirklichte sich so seinen Traum. Er schuf eine der imposantesten Burganlagen im neugotischen Stil.

 

Rund um Albstadt - Tour: Zollernburg-Panorama
Foto: Jens Mönnich Ausblick auf die Burg Hohenzollern

Zollerberg: Der schönste Berg Schwabens

Für viele ist der Zollerberg mit der Burg Hohenzollern der schönste Berg Schwabens. Mit dem Blick auf die vier Türme des Schlosses beginnt automatisch auch die Reise zurück in die Zeit. "Grüß Gott, Herr Kaiser", hört sich Heiko auf einmal sagen und denkt dabei wohl weniger an einen Vertreter einer deutschen Versicherungsgesellschaft als an Wilhelm II., Deutschlands letzten Kaiser. Der stellte fest, dass der "Ausblick von der Burg Hohenzollern wahrlich eine Reise wert ist". Ob er auch mal am Zeller Horn stand? Einer Hoheit würdig ist der Blick auf den Stammsitz des letzten deutschen Kaiserhauses auf jeden Fall. Übrigens: Die Hohenzollern kann täglich besichtigt werden.

Nach dem Ausflug in die Geschichte der deutschen Kaiser- und Königshäuser öffnet sich während der Wanderung entlang dem Trauf das Geschichtsbuch der Geologie. Wie eine tiefe Wunde klaffen die schattigen Schluchten in der Landschaft. Die Steine erzählen nicht von längst vergangenen Tagen, sondern von den vergangenen Jahrmillionen. 2002 wurde die Schwäbische Alb, deren Aufbau vor allem die Gesteine des Juras bestimmen, zum Nationalen Geopark ernannt. Diesen Titel erhalten Regionen mit reichem geologischem Erbe.

"Ich habe schon viele schöne Kirchen gesehen, aber das hier ist unübertroffen", sagt Susanne auf einmal, bleibt stehen und blickt nach oben. Sie steht aber nicht im Mittelschiff einer barocken Kirche, sondern in einer Kathedrale aus Buchen – die Natur wirkt hier als Baumeister. Mit ihren lichtdurchfluteten Kronen schaffen die alten Bäume gewaltige Hallen aus Laub. Auf dem Boden kann man beobachten, wie sich die Wurzeln im Stein festkrallen – ein starkes Bild und eine großartige Stolperfalle.

Ein wenig aufpassen muss man auch beim folgenden Aussichtspunkt, dem Hangenden Stein. Über eine Stahlbrücke gelangt man zu der einsamen Scholle aus Fels, die sich bereits vom Albtrauf gelöst hat und sich in die Landschaft neigt. Der Blick wandert über den bewaldeten Albtrauf der Zollernalb, während man sich vorkommt wie der Kapitän am Bug eines Felsenschiffs.

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