Die 24 Stunden von Bayern 2013 im Allgäu

24-h-Wandern in Bayern - und das schon zum 5. Mal


Zur Fotostrecke (40 Bilder)

24 Stunden Wanderung Bayern Füssen 2013
Foto: Christoph Jorda

 

24 Stunden Wanderung Bayern Füssen 2013
Foto: Christoph Jorda

 

24 Stunden Wanderung Bayern Füssen 2013
Foto: Christoph Jorda

 

24 Stunden Wanderung Bayern Füssen 2013
Foto: Christoph Jorda

 

24 Stunden Wanderung Bayern Füssen 2013
Foto: Christoph Jorda
Die "24 Stunden von Bayern" gingen 2013 in die fünfte Runde. Und jedes Mal war Lars Svensson dabei. Wie tickt so ein Wiederholungstäter? Das wollte outdoor-Redakteurin Kerstin Rotard herausfinden - und wanderte mit.

"Hallo Lars!" Alle scheinen den 26-jährigen Schweden zu kennen. Immer wieder nicken ihm andere Wanderer zu, grüßen und lächeln. Dabei ist Lars Svensson kein auffälliger Charakter. Allerdings zeichnet ihn hier bei den 24 Stunden von Bayern eines aus – er ist zum fünften Mal und damit bei jedem der Wander-Kultevents in Bayern an den Start gegangen. Im Pulk schieben sich die 444 Teilnehmer am 22. Juni 2013 von Füssen im Allgäu am Lech entlang auf das Königsschloss Hohenschwangau zu. Sie alle sind per Los zu dieser Ganztagswanderung gekommen. Ganztags – das heißt hier, dass man tatsächlich vierundzwanzig Stunden wandert, zwei Mal mit dem Stundenzeiger rund ums Zifferblatt.

Von Füssen aus ziehen zwei Runden zu Königsschlössern und Bergseen. Wem das nicht reicht, der sammelt auf Zusatzstrecken Kilometer. Unterwegs gibt es Stationen mit Verpflegung; Alphornkonzerte und Mitmachaktionen verkürzen die Wanderweile. Nebel hängt in den Uferbäumen, es nieselt, alles wirkt unwirklich im grauen Zwielicht. Bunte Akzente setzen allenfalls die Funktionsjacken. Soll es so die nächsten 24 Stunden weitergehen? "Noch 23,5 Stunden", sagt Lars stoisch beim Blick auf die Uhr. Im Innenhof von Hohenschwangau umringt eine gut gelaunte Gruppe den Schweden. Alle tragen T-Shirts vom Frankenwald- Wandermarathon, einem jüngeren Bruder der 24 Stunden von Bayern. "Hallo Lars, da bist du ja!" "Die Franken habe ich vor zwei Jahren bei den 24 Stunden in Bad Steben kennengelernt." Wandervideoblogger Torben filmt alles mit seinem iPhone, noch ein paar Scherze, dann ziehen die Franken weiter, Richtung Tegelberg, der nächsten Station. Franken in Bayern – okay.

Aber wie kommt ein Schwede zu den 24 Stunden? "Das war Zufall", sagt Lars. Er hatte eine Werbung für den ersten Event gesehen, entdeckt, dass man sich auch auf Schwedisch bewerben kann, und auf gut Glück mitgemacht. Deutsch hat Lars sich selber beigebracht und kann hin und wieder in seinem Job am Sicherheitscheck des Flughafens Stockholm üben. In Deutschland ist er fast nur im Bayerischen unterwegs, "heuer" kommt ihm beispielsweise ganz natürlich über die Lippen, "dieses Jahr" würde er wahrscheinlich nie sa-gen. "In Hamburg habe ich mal Semmeln bestellt. Die haben komisch geschaut." Am Fuß des Tegelbergs gibt es zwar weder Semmeln noch Brötchen, aber Brot und Quark, Möhren, Äpfel und Holunderschorle. "Oh nein, jetzt habe ich Holländerschorle gesagt!" Trotz Versprecher bekommt Lars seine Schorle. Danach geht es mehr als zügig den Tegelberg hinan. Lars überholt, wo er kann, pflanzt rasch ein Bäumchen beim Programmpunkt Wiederaufforstung, stutzt kurz an einer Bank, an der eine Preisfrage des Nikon-Wettbewerbs hängt: "Wie viele Kirchtürme siehst du?" "Null", antwortet Lars halblaut und grinst.

 

24 Stunden Wanderung Bayern Füssen 2013
Foto: Christoph Jorda

24 Stunden von Bayern: Rauf auf den Tegelberg

Eine graue Nebelwand hängt über dem Tal, die die Tannen direkt unterhalb des Aussichtspunkts mehr erahnen als sehen lässt. Der Weg hinauf beansprucht die Muskeln, Schweiß rinnt. 900 Höhenmeter, mehr oder weniger am Stück. Kurz vor dem Tegelbergplateau, an dem der letzte Anstieg beginnt, steht ein Zelt wie ein gelandetes UFO. "He, Lars, komm rein, hier gibt es Gummibärchen!" Torben und seine Franken haben das Globetrotter-Zelt besetzt und schreien durch die offene Tür hinaus. Doch Lars zieht es weiter, Richtung Tegelberghaus, zur Mittagseinkehr. Wolken hüllen das Gasthaus ein. Ein kühler Wind pfeift durch die vom Aufstieg feuchten Kleider, bläst hin und wieder aber auch helle Lücken in das Grau. Schnell eine Schüssel Nudeln mit Sauce und dann zur Schlange an der Gondel. Man steht an der Theke entlang an, und so gönnt sich mancher noch einen raschen Espresso. Die Gondel schwebt durch graue Suppe hinab. Aussicht: null. Auf der Marienbrücke dann drängen sich internationale Massen, um den berühmten Blick auf Schloss Neuschwanstein im Nebel zu erhaschen. Lieber schnell hinab zum Kuchen am Alpsee. Noch 16 Stunden. Jetzt trennen nur der schwankende Baumwipfelpfad und eine Stippvisite am Lechfall vom Abendessen in Füssen – und dem Ende der Tagesstrecke.

 

24 Stunden Wanderung Bayern Füssen 2013
Foto: Christoph Jorda

24 Stunden von Bayern 2013 - Die Nachtstrecke

Zur Nachtstrecke brechen alle Wanderer wieder gleichzeitig auf: Auf zwei Schiffen gleiten die Wanderer um 20 Uhr über den Forggensee. Inzwischen hat es aufgeklart, über dem Seeufer schwebt Neuschwanstein wie ein vager Traum, das Gipfelkreuz des Tegelbergs blinkt herüber. Lars steigt am anderen Ufer gerade aus, als die Franken niederknien und eine lautstarke La-Ola-Welle für ihren schwedischen Freund inszenieren. Spätestens jetzt kennt ihn jeder. Zwei herbere Anstiege hält die Nachtstrecke bereit, dank Vollmond braucht kaum einer die Stirnlampe. Lediglich im Wald ist es so dunkel, dass einzelne Lichtkegel in die Finsternis fingern. Mitternacht. Suppe auf der Alpe Beichelstein. Kälte kriecht die müden Beine hoch, Trockenheit legt sich auf die Augen.

30 bis 40 Wanderer beschließen den Ausstieg aus ihren 24 Stunden und shutteln zurück nach Füssen. Rund 120 sollen dieses Jahr vorzeitig aufgeben, eine gute Quote: normalerweise nutzen deutlich mehr den Shuttle-Service. Auf den langen Feldwegen kann man Strecke machen. »Hallo Lars!« ruft ein Mitwanderer und richtet die Lampe auf den zunehmend wortkargen Schweden. Der grüßt kaum und zieht bald in seinem Tempo weiter. Jetzt beginnt die Stunde des inneren Schweinehunds. Je näher es an die Dämmerung geht – Sonnenaufgang ist um 5:20 Uhr –, desto schleppender werden die Schritte, desto unrunder läuft der Gang der meisten. Auch die Verpflegungsstationen lindern die Müdigkeit kaum. Auf einem zähen Ziehstück weit um den Hopfensee herum, muss auch der konditionsstarke Schwede zugeben: "Jetzt ist der Moment da, an dem ich mich frage, warum ich das immer, immer, immer wieder mache."

Eine Antwort darauf findet er auch beim Zieleinlauf in Füssen gegen fünf Uhr nicht. "Und jedes Mal fragt mich Bap, der Organisator des Veranstalters Bayern Tourismus Marketing GmbH, ob ich wiederkomme, und jedes Jahr sage ich nur: Ich weiß noch nicht." Also tschüs, Lars, vielleicht bis nächstes Jahr!

 

24 Stunden Wanderung Bayern Füssen 2013
Foto: Christoph Jorda

24 Stunden von Bayern 2014

Die sechste Auflage des Kultwanderevents "24 Stunden von Bayern" wird 2014 vom 28. bis 29. Juni im Ilztal und Dreiburgenland im Bayerischen Wald stattfinden.

Der Wandermarktplatz der "24 Stunden von Bayern 2014" wird im Museumsdorf Bayerischer Wald errichtet werden, einem der größten Freilichtmuseen Europas.

Unter den Wanderwegen in der Region zählen der Goldsteig, die Via Nova (Pilgerroute nach Tschechien), der Pandurensteig oder der Ilztalwanderweg zu den beliebtesten.

Die Voranmeldung läuft jedes Jahr Anfang April auf 24h-von-bayern.de. Danach werden die 444 Startplätze verlost, die Teilnehmer werden per E-Mail informiert. Die Teilnahmegebühr beträgt 79 Euro. Im Preis enthalten ist das Starterpaket, Verpflegung und das Rahmenprogramm.

Bei uns gibt es 2x2 Startplätze zu gewinnen! Einfach bis zum 31. März 2014 eine E-Mail mit dem Betreff "Startplatz 24h" an info@outdoor-magazin.com schicken - viel Glück!

Video: Die 24 Stunden von Bayern in Füssen in 7 Minuten

Zur Darstellung des Videos benötigen Sie aktiviertes JavaScript sowie den Adobe Flash-Player.

Fotostrecke: Rückblick: Die 24 Stunden von Bayern 2012

47 Bilder
24 Stunden von Bayern - Impressionen Foto: Christoph Jorda
24 Stunden von Bayern - Impressionen Foto: Christoph Jorda
24 Stunden von Bayern - Impressionen Foto: Christoph Jorda

Fotostrecke: 24 Stunden von Bayern 2011 - Impressionen

7 Bilder
24 Stunden von Bayern Foto: Christoph Jorda
24 Stunden von Bayern Foto: Christoph Jorda
24 Stunden von Bayern Foto: Christoph Jorda

Video: Was 24h Wandern aus uns macht - ein Stundenprotokoll




Trekkingstiefel im Test
Foto: Hersteller

Die zehn besten Trekkingstiefel

Stabile Schuhe für Wildnis-Trips und Mehrtagestouren mit viel Gepäck - hier gibt es unsere Test-Bestenliste.

Leichte Wanderschuhe im outdoor-Test
Foto: Benjamin Hahn

Die zehn besten Leichtwanderstiefel

Ideal für Mittelgebirgstouren und Wanderungen auf einfachen Wegen: die Top-Leichtwanderstiefel aus den letzten outdoor-Tests.

Leichte Wanderschuhe im outdoor-Test
Foto: Benjamin Hahn

Wanderschuhe kaufen - Passformcheck

Ob Fersensitz, Knöchelhalt oder Schnürung - nur wenn ein Schuh richtig gut passt, bringt er die volle Leistung. Hier ein paar wichtige Tipps.

10.11.2013
Autor: Kerstin Rotard
© outdoor