Deutschlands Traumpfade: Murgleiter

Wandern auf der Murgleiter im Schwarzwald


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Wandern auf der Murgleiter
Foto: Björn Hänssler

 

Wandern auf der Murgleiter
Foto: Björn Hänssler

 

Wandern auf der Murgleiter
Foto: Björn Hänssler

 

Wandern auf der Murgleiter
Foto: Björn Hänssler

 

Wandern auf der Murgleiter
Foto: Björn Hänssler
Die Murg fließt aus den Höhen des Nordschwarzwaldes bis hinab in den Rhein. Wer ihrem wilden Lauf folgt, wird Stille finden und die Schönheit der Natur neu entdecken. Und er wird begreifen, warum der Schwarzwald so heißt, wie er heißt.

Warm schimmert die Morgensonne auf den Fachwerkhäusern von Gernsbach, golden leuchten die verwinkelten Gassen der alten Flößerstadt im ersten Licht. Der Ort blickt auf eine lange Tradition zurück: Schon im 13. Jahrhundert schlossen sich hier im Nordschwarzwald, rund zehn Kilometer östlich der Kur- und Casino-Stadt Baden-Baden, die Waldbesitzer zu einer Sozietät zusammen, um gemeinsam Sägewerke zu nutzen und das Flößergeschäft zu betreiben. Die daraus hervorgegangene »Murgschifferschaft« besteht heute noch und verwaltet gemeinsam den Wald.

Jedes dritte Septemberwochenende findet in der Altstadt ein Fest statt, für das auch eines der traditionellen Flöße gebaut wird, mit denen die Flößer die Murg befuhren – ein immens gefährlicher Weg, denn auf ihren 72 Kilometern in den Rhein rauscht die Murg durch einige Schluchten. In Gernsbach sieht man ihr das nicht an – friedlich fließt sie Richtung Nordwesten. Und noch etwas sieht man ihr nicht an: An ihrem Ufer beginnt einer der schönsten Fernwanderwege Deutschlands, die 68 Kilometer lange Murgleiter. Fast könnte man die kleine Steintreppe übersehen, die steil hinaufführt auf den Rumpelstein zum Ehrenmal für die Gefallenen der beiden Weltkriege. Mit jedem Meter aufwärts bleiben das Städtchen und die träge Murg ein Stück mehr zurück, und schließlich lösen das Plätschern eines Bergbaches und Vogelgezwitscher die letzten Zivilisationsgeräusche ab: Die Natur empfängt Wanderer mit offenen Armen.

»Seltsam schöne Hügelfluchten/dunkle Berge, helle Matten/rote Felsen, braune Schluchten/überflort von Tannenschatten!« – so beschrieb Hermann Hesse den Zauber seiner Heimat Schwarzwald. Auf der Murgleiter erleben Wanderer die mitunter furiosen Kontraste von Licht und Schatten, Höhe und Tiefe besonders intensiv: Mal rechter Hand, mal linker Hand des Flusses schlängelt sich der Weg über wurzelige Pfade durch tiefe Wälder, vorbei an schroffen Felsen und über üppiges Grün. Eben noch eingesponnen in eine Traumwelt, öffnet er sich plötzlich auf das tief eingeschnittene, wildromantische Tal.

Leichtfüßig streift man auf den drei Etappen zwischen Gernsbach und Baiersbronn über sonnenbeschienene Wiesen, nimmt steile Höhen und kehrt in den Ortschaften am Weg ein. Nur eines wird man auf der Murgleiter nicht erleben: Langeweile. Im Gegenzug fordert der Steig etwas Kondition. Immerhin 2500 Höhenmeter im Anstieg sind auf ihm zu bewältigen. Die Flößerei im Schwarzwald wurde im Jahr 1911 eingestellt, verdrängt vom Bahnverkehr. Doch bis heute stellt das Holz ein wichtiges Kapital dar, das direkt vor der Haustür wächst. Orte wie Reichental auf halbem Weg der ersten Murgleiter-Etappe sind fast vollständig von Wald umgeben.

 

Wandern auf der Murgleiter
Foto: Björn Hänssler Aus dem Dunkel der Tannen tritt man immer wieder hinaus auf lichtüberflutete Wiesen.

Unterwegs im Auenland

Brennholzstapel säumen den Weg hinab nach Reichental, alle auf den Zentimeter genau geschichtet. Im Mittelalter brachten die Flößer die stolzen Tannen von hier bis nach Holland. Rotterdam wurde auf Eichenstämmen gegründet, die zum Teil aus dem Murgtal stammen. Hinter Reichental öffnet sich der dichte Wald plötzlich zu einer Lichtung: den auf 700 Metern gelegenen Hohmisswiesen. Still liegen sie in der Sonne, als gehörten sie zu Tolkiens Auenland.

Heuhütten stehen wie hingestreut auf dem saftigen Grün. Einwanderer aus Tirol brachten vor 250 Jahren ihre Bauweise mit ins Murgtal, sonst findet man sie nirgends im Schwarzwald. Darin lagerte das Futter für die Tiere, das im Winter mit Schlitten ins Dorf transportiert wurde. Dem Wanderer kommt eine Rast im Schatten der Hütten gelegen. Ein Brunnen fördert klares Wasser zutage, und im Idyll ist der Gedanke, dass noch zehn Kilometer bis zum Etappenziel Forbach fehlen, schnell verdrängt.

Am Forbacher Bahnhof stößt die Murgleiter wieder auf den stillen Lauf des Flusses. Überspannt wird er von einer überdachten Holzbrücke, die seit 200 Jahren das Ortsbild prägt. Vierzig Meter misst die Brücke, und mit ihrer Bauweise ohne Mittelpfeiler ist sie einzigartig in Deutschland.

Deutschlands Traumpfade - die Tourenübersicht
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17.07.2011
Autor: Birgit-Cathrin Duval
© outdoor
Ausgabe 07/2011