Deutschlands Traumpfade - die neue Serie in outdoor Die schönsten Wanderwege Deutschlands stellt outdoor 2011 in einer neuen Serie vor - Rügen, Goldsteig, Murgleiter und... mehr ...
Deutschlands Traumpfade: Goldsteig
Wandern auf dem Goldsteig in Bayern
Deutschland ist ein dicht besiedeltes Land. Wirklich? Wer auf dem Goldsteig durch Ostbayern wandert, bekommt einen ganz anderen Eindruck. Auf kolossalen 660 Kilometern führt der Weg durch urwüchsige Landschaften und über einsame Gipfel. outdoor-Autorin Sylvia Lischer stellt ihn vor.
Schöne Ausblicke genießen Wanderer vom Hauptkamm des Bayerischen Waldes aus – bis nach Tschechien.
Foto: Gerhard Eisenschink
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Zwischenstopp am Wanderparkplatz Eck. Ringsum schnüren Wanderer die Stiefel und packen die Rucksäcke. Thermoskannen hier, Wanderstöcke dort. Es herrscht eine Aufbruchstimmung wie im Everest-Basecamp. Und das aus gutem Grund: Vor uns liegen zwar keine Achttausender – aber acht Tausender: Mühlriegel, Ödriegel, Schwarzeck, Reischflecksattel, Heugstatt, Enzian, Kleiner Arber und Großer Arber. Stapelt man diese acht Tausender des Bayerischen Waldes übereinander, kommt man auf 9983 Meter, was deutlich über dem Mount Everest liegt. Trotzdem schaffen konditionsstarke Wanderer alle Gipfel an einem Tag, denn anstatt jedes Mal wieder ganz bis ins Tal hinabzuführen, bewegt sich die Strecke auf einer Grundhöhe von etwa 1000 Metern und führt am Ende auf den Großen Arber (1456 m) – die Königsetappe des Goldsteigs, jenes gigantischen Weges, der seit dem Frühjahr 2007 das oberfränkische Marktredwitz mit Passau verbindet.
660 Kilometer und 37 Etappen weist er auf, schon sein Name klingt nach Freiheit und Abenteuer. Und tatsächlich: In den hiesigen Bergen gab es einst Goldminen und Gold führende Bäche, außerdem »Goldene Steige«: Säumerpfade, auf denen Salz, das »weiße Gold« des Mittelalters, von der Donau nach Böhmen transportiert wurde. Heute bringen aber nur die wenigsten so viel Zeit mit wie der Meckenheimer Fernwanderer Werner Lang, der den Goldsteig neben vielen anderen Mammutwegen in einem Rutsch wanderte: »Für mich war der Goldsteig ein Wander-Highlight. Das Wasser der Moore, Bäche, Flüsse und Seen. Verschwiegene Pfade, Steige und Wege. Tiefe Wälder, weite Blicke über Landschaften und unendliche Hügelketten von den höchsten Bergen des Bayerischen Waldes. Geschichten von Burgen, Dörfern und Grenzen. Freundliche Gastgeber in Hütten, Gasthöfen und Hotels. Ein 5-Sterne-Wanderweg.«
Auch unser Zeitbudget ist knapp, deshalb haben wir uns für das Herzstück entschieden: von Schönbuchen nach Breitenberg, fünf Etappen auf der so genannten Nord- oder Kammvariante des Goldsteigs. Wegen der bizarr wilden Berglandschaften und urwüchsigen Natur zählen sie zu den schönsten des Goldsteigs. Steil führt der Weg zum ersten von acht Tausendern bergauf. Es duftet nach Harz und Fichtennadeln. Hier und da ruft eine Tannenmeise. Was für ein Genuss, durch diese Landschaft zu wandern. Morgen wird der Goldsteig uns auf einen weiteren Bergkoloss bringen: den 1315 Meter hohen Falkenstein im Nationalpark Bayerischer Wald. Auf den Etappen drei und vier warten die höchsten Nationalpark-Gipfel Rachel und Lusen. Und Etappe fünf wird uns dem Gipfel-Glanzlicht Dreisesselberg (1333 m) bei Haidmühle nahebringen. Vor lauter Vorfreude auf die Granden des Bayerischen Waldes übersehen wir fast den Zustieg auf den 1080 Meter hohen Mühlriegel, der relativ unscheinbar vor uns liegt.
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