Wandern in der Nordeifel

50 Kilometer vor Köln liegt das Rurtal. Wenn es wärmer wird, laden hier Wälder, Felsen und Seen zu einer Dreitage-Tour der Extraklasse.

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Karte

 

 

Die Strecke führt auf guten Wegen durch das Rurtal und die umliegenden Hügel. Auf der ersten Etappe prägen Buntsandsteinfelsen das Bild. Am zweiten Tag wandert man entlang von Stauseen. Im dritten Abschnitt wird das Tal enger und der Fluss wilder. Stimmungsvolle Orte, historische Burgen und ein Kloster geben der Wanderung ein mittelalterliches Flair.

Anreise

http://A 4 bis Ausfahrt Düren, dann über B 56 und B 264 auf die B 399 bis Birgel. Rechts auf die K27, dann links nach Untermaubach. Rückfahrt von Monschau/Kalterherberg mit dem Bus. Auskunft http://efa.vrr.de.

Route

Die beschriebene Route kann entweder an einem Stück oder von einem zentralen Übernachtungspunkt aus gemacht werden.
1. Tag: Obermaubach – Heimbach, 21 km, 4 – 5 Std.
Von der Bahnhaltestelle am rechten Ende der Staumauer flussabwärts den grünen Schildern »Felspassage« folgen, nach 300 Metern rechts in Kurven bergan zu einer Gabelung. Dort rechts halten und der Markierung bis Nideggen folgen. Am Ortsrand weiter rechts auf dem WW 5 . An der Jugendherberge rechts bis zu einer Kreuzung, dort über den Markt hinauf zur Burg. Nach dem Felsenrundgang unterhalb der Burg (Wanderweg 4) rechts hinab (WW 10) und an Gabelung links an der Rur bis Abenden. Nach der Brücke im Ort links entlang der Themen-Tour (TT) 1. An Kreuzung bei Blens rechts und direkt links auf WW 13 bis Heimbach.
2. Tag: Heimbach – Einruhr,
ca. 25 km, 6 – 7 Std.
Von der Burg flussaufwärts, am Staubecken entlang, bis links die TT 5 markiert ist (bis Mariawald weist der Pfeil in die entgegengesetzte Richtung). Steil durch das Ruppenbachtal bis zum Kloster Mariawald. Rechts um die Anlage dem Kreuzweg folgen. Von der Klosterstube weiter Richtung Ehrenfriedhof, dort der Beschilderung TT 5 folgen. Abstieg durch das Herbstbachtal, an einer Gabelung links Richtung Steinbach halten (Markierung TT 5 folgen). Oberhalb des Heimbacher Staubeckens bis zur L 15, dort kurz rechts und über die Straße zum Parkplatz Budenbach. Dort links an Schranke vorbei zum Seeuferweg (TT 2). Nach etwa 1 km links dem Hohenbach folgen und in einer Spitzkurve queren. TT 2 in entgegengesetzter Richtung folgen bis zum Rastplatz Paulushof. Dort der Beschilderung Honigberg/Rurberg folgen bis Seeufer. Links vorbei am Obersee bis zur Urftseestaumauer. Diese überqueren, rechts hinab der Beschilderung TT 4 folgen. Entlang des Ufers bis zum Etappenziel Einruhr.
3. Tag: Einruhr – Monschau, 15,5 km, 3– 4 Stunden.
Von Einruhr auf dem Ardennen-Eifel-Weg (WW 11) über Dedenborn, Hammer und Grünental bis Monschau. Dort vom Parkplatz Burgau am ruraufwärts gelegenen Ortsausgang entlang der Rur zur B 258, hier etwa 700 Meter bis zur Rurbrücke. Zum Campingplatz Dreistegen rechts ab, am linken Flussufer ca. 3,5 km bis zur nächsten Rurbrücke. Dahinter rechts vorbei am Gut Reichenstein zur L106. Hier links,
150 m später rechts zum Kreuz im Venn. Links auf der alten Kupferstraße bis Ruitzhof, dann am Schwarzbach entlang bis Kalterherberg.

Beste Reisezeit

Ganzjährig. Im Sommer lädt der kühle Rursee zum Baden.

Übernachtung

Heimbach: Heimbacher Campingplatz, Tel.: 0 24 46/
4 37, www.heimbacher-campingplatz.de.
Sonstige: www.rureifel-tourismus.de. Einruhr: www.rursee.de. Monschau/Kalterherberg: Campingplatz Perlenau, Tel. 0 24 72/41 36. Sonst: www.monschau.de.

outdoor Tipp

Mit dem Boot über den See:
www.rurseeschiffahrt.de.

Bücher

ThemenTouren Nationalpark Eifel. 7 Touren für Wanderer und Radfahrer. NRW-Stiftung/Eifelverein ; J. P. Bachem Verlag, Köln 2005, 9,95 Euro.
Themen-Touren Eifel. Monschauer Land und Rurseengebiet. Gabriele Harzheim, Maria A. Pfeifer, J. P. Bachem Verlag, Köln 2002, 14,95 Euro.

Karten

Rureifel, Eifelvereinskarte Nr. 2,
1 : 25 000, 6,80 Euro. Nationalpark Eifel, Landesvermessungsamt NRW in Kooperation mit dem Eifelverein, 1 : 25 000, 7,55 Euro.
Monschauer Land & Rurseengebiet, Eifelvereinskarte Nr. 3, Maßstab 1 : 25 000, 7,00 Euro.

weitere Infos

Rureifel-Tourismus Zentrale, Karl-H.-Krischer-Platz 1, 52396 Heimbach, Tel. 0 24 46/ 80 57 90, www.rureifel-tourismus.de.
Monschau-Touristik, Stadtstraße 1, 52156 Monschau, Tel. 0 24 72/ 8 04 80. Über den Nationalpark: www.national park-eifel.de

Artiker:

"Der starke Helmes geht um", sagt man in der Nordeifel, wenn es stürmt. Der Sage nach wütet dann Graf Wilhelm, Erbauer der Burg Nideggen. Er hat es schlimm getrieben zu seinen Lebzeiten und vor allem seiner Ehefrau Alveradis so übel mitgespielt, dass Gott ihn zu Ruhelosigkeit verdammte. Die Burg des Fieslings verfiel im Laufe von 800 Jahren zu einer imposanten Ruine, die bis zum heutigen Tag auf mächtigen Buntsandsteinfelsen über dem Rurtal thront. Unter ihr erstreckt sich die Landschaft wie ein grünes Meer zum Horizont, auf sanften Bergwellen setzen sich kleine Orte wie Schaumkronen ab. Im Tal glitzert die Rur in der Sonne, gemächlich bahnt sie sich ihren Weg durch die sanften Auen. Sie entspringt in der Moorlandschaft des Hohen Venn im deutsch-belgischen Grenzgebiet und fließt durch eine friedliche, überaus abwechslungsreiche Landschaft. Seit 2004 steht sie unter dem Schutz des Nationalparks Eifel, des ersten Nationalparks Nordrhein-Westfalens. Am besten entdeckt man die Gegend auf einer 61,5 Kilometer langen Wanderung, die in drei Tagen vom Obermaubacher Stausee bis ins Quellgebiet führt. Los geht´s gleich mit einem Anstieg hinauf zur Burg Nideggen. Gegenüber einer Waldkapelle steht ein Gedenkstein. Er erinnert daran, dass Alveradis von den Obermaubachern aus den Fängen ihres Gatten gerettet wurde. Aus Dankbarkeit schenkte sie ihnen diesen Wald.
Gewaltige Felsen überragen die Baumwipfel, bis zu 40 Meter hoch ragen sie in den blauen Frühlingshimmel. Die Farbe des Sandsteins variiert von Dunkelbraun über Rostrot bis hin zu Buttergelb, die eingebackenen Kiesel erreichen manchmal die Größe eines Kopfes. In den schwer zugänglichen Wänden nistet seit 1975 sogar wieder der Uhu. Mittlerweile bilden 100 Brutpaare die am besten erforschte Population der Welt.
Auf der Wanderung von der Burg hinab ins Tal macht der Wald hin und wieder Platz für malerische Dörfer und Flussauen, durch die sich in weiten Schleifen die Rur windet. Über dem Wasser wiegen sich Weidenäste in der Frühlingsbrise. Wer genau hinschaut, entdeckt Knabberspuren von Bibern – die Nachfahren jener sechs polnischen Tiere, die hier in den 1980er Jahren ausgesetzt wurden.
Der Wandertag klingt am schönsten in Heimbach aus. Der Luftkurort liegt idyllisch in einem Talkessel. Von dort geht es am nächsten Morgen steil hinauf durch das verträumte Tal des Ruppenbachs. Inmitten von Mischwald kündigen Kreuzwegstationen schon die einsam gelegene Abtei Mariawald an. Der Tag der Trappistenmönche beginnt um vier Uhr morgens und besteht aus Gebet und Arbeit. Klagen wird man aber keine hören – sie haben ein Schweigegelübde abgelegt. Weniger ruhig geht es dafür in der Klosterstube zu, wo sich Wanderer bei einer Schüssel der berühmten Erbsensuppe von dem mühsamen Anstieg erholen. Graf Wilhelm hätte die Abtei wohl gemieden wie der Teufel das Weihwasser. Die Sippe des gottlosen Despoten hielt nicht viel von Kirchendienern. Unter anderem schmorten zwei Kölner Erzbischöfe in ihrem Kerker.
Vorbei an silbrig schimmernden Buchenstämmen und Traubeneichen führt der Weg von der Abtei bergab. Das Tal wird weiter, in der Ferne leuchtet der Rursee in der Sonne. Auf seiner Oberfläche spiegeln sich tiefgrüne Berge und Schäfchenwolken. Segelschiffe drehen ihre Runden, an Buchten und Stränden fläzen sich hier im Sommer zahlreiche Sonnenhungrige. Der zweitgrößte Stausee Deutschlands ist zugleich das Wassersportzentrum der Nordeifel. Wanderer aber zieht es in den Kermeter, eines der größten geschlossenen Buchenwaldgebiete Nordrhein-Westfalens. Noch wachsen stellenweise auch dunkle, blaugrüne Fichten, die im 19. Jahrhundert von den Preußen angepflanzt wurden. Das soll sich ändern, denn zu den Zielen des Nationalparks gehört die Rückentwicklung zum Urwald. Vom Rastplatz Hirschley hat man einen traumhaften Blick auf den von Schieferfelsen umsäumten Stausee.
Eine weitere Staumauer taucht plötzlich hinter einer Kurve auf. Ihr Überlaufbecken erinnert an ein Amphitheater. Dahinter, am Ufer des Urftsees, erscheint die ehemalige NS-Ordensburg Vogelsang. Architektur gewordener Größenwahn. Hier hat Hitler seine Nazischergen ausbilden lassen. 60 Jahre lang war das Areal ein Truppenübungsplatz. Erst seit Anfang des Jahres darf das zum Nationalpark gehörende Gebiet auf ausgewiesenen Wegen betreten werden. Offene Weideflächen sorgen für Abwechslung. Überall blüht Ginster, mit etwas Glück kann man Hirsche oder Wildkatzen sehen.
Am letzten Tag kehrt man der Seenplatte den Rücken. Gleich hinter dem Etappenort Einruhr wird das Tal enger. Der Weg windet sich mal hoch über dem Fluss, mal am Ufer durch steile Hänge und dichte Nadelwälder. Zur Mittagszeit erreicht man das Tuchmacherstädtchen Monschau. Ihr berühmter Senf findet sich in zahlreichen mehr oder weniger abenteuerlichen Kreationen der Cafés und Restaurants wieder. Unermüdliche wandern nach Senfsuppe und Senfschnitzel sowie der Besichtigung der unvermeidlichen Burg noch weiter nach Kalterherberg. Denn hinter Monschau fließt die Rur noch völlig wild. Auf den Wiesen läuten Abertausende von gelben Narzissen den Frühling ein. Bienen umschwirren Löwenzahn, Eberesche und Weißdorn. Ihr Summen hätte Gräfin Alveradis in die Flucht getrieben. Wären ihre Hilferufe nicht gehört worden, sie wäre zu Tode gestochen worden. Wilhelm hatte sie nackt und mit Honig bestrichen in einem Käfig am Turm der Burg aufgehangen. Am gleichen Tag, so die Legende, warf sein Pferd ihn ab. Er brach sich das Genick und war sofort tot. Tja. Pech gehabt, starker Helmes. Man sagt, es sei eine stürmische Nacht gewesen.

 

03.06.2006
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Ausgabe 05/2006