Burgen und Blicke: Bilder, Tourentipps und Reise-Infos für Eifel-Wanderer

Eifel: Wandern in der Südeifel


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Wandern in der Eifel
Foto: Ben Wiesenfarth

 

outdoor Eifel
Foto: Ben Wiesenfarth

 

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Foto: Ben Wiesenfarth

 

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Foto: Ben Wiesenfarth
Ganz im Süden der Eifel windet sich die Mosel zwischen den Weinbergen hindurch. Ein Traumrevier für Wanderer, die dem Alltag für ein paar Tage den Rücken kehren wollen.

Nebel. Nichts als Nebel. Nebel lässt von den Schiffen auf dem Fluss nur noch Schemen erkennen, Nebel verdeckt die steilen Weinberge, deren Anblick wir uns eigentlich erhoffen, hier an der sogenannten Terrassenmosel zwischen Koblenz und dem knapp hundert Flusskilometer von Trier entfernten Weinort Pünderich in der Südeifel.

Martin nimmt einen tiefen Schluck aus seiner Kaffeetasse, bevor er das dritte Käsebrötchen in sich hineinschiebt. Wir sitzen in einer Pension im Örtchen Hatzenport. Das Frühstück können wir gebrauchen: Immerhin wollen wir wandern. Hatzenport, murmelt Martin. "Hudson Bay wäre mir lieber gewesen." Der zweite Spruch lässt nicht lange auf sich warten: "Irgendwo hab ich mal gelesen, warum hier so viele Krimis geschrieben werden. Es liegt an der Einsamkeit und dem mystischen Licht. Da gibt es genug Verrückte, die darüber nachdenken, wie man jemanden um die Ecke bringt." Noch trüber als der Blick aus dem Fenster scheint wohl seine Laune zu sein. Ich lasse mir meine jedenfalls nicht verderben, sind wir doch für zwei Tage aus Trier hierhergekommen, um eine Region zu erkunden, deren Vergangenheit Geologie- und Geschichtsinteressierten Freudentränen in die Augen treibt. Mehr als 300 Vulkane gibt es hier in der Eifel, dazu Maare und Geysire, und über 140 Burgen und Schlösser. Drei Kaffees und zwei Stunden später dringen erste Sonnenstrahlen durch den Nebel und geben den Blick frei auf die imposanten Steilhänge der Moselterrassen, wo unter anderem der berühmte Moselriesling angebaut wird. Kleine Boote tauchen langsam aus dem Nebel auf, sie schwanken sanft neben ihren Bojen auf dem Wasser auf und ab.

 

outdoor Eifel - Lage
Foto: outdoor Hier im Süden der Eifel liegt das Traumrevier für Wanderer.

Eifel-Mystik: Aus dem Halblicht wandern

Unsere erste Tour, der Hatzenporter Laysteig, beginnt, der Name legt es nah, in Hatzenport. Wie die meisten Moseldörfer nimmt auch dieser Ort das schmale Stück Land zwischen dem Fluss und seinem Steilufer komplett in Beschlag. Sechs Weinbaubetriebe gibt es in Hatzenport, und das bei gerade mal 650 Einwohnern. Fast 90 Prozent des angebauten Weines sind Weißweinrebsorten. »Mal sehen, wo wir den Abend nach der Wanderung ausklingen lassen«, sagt Martin, nachdem unser Blick durch ein kleines Fenster einer gemütlichen Weinstube schweift.

Kaum kehren wir dem Ort den Rücken zu, empfängt uns wohltuende Stille. Weit und breit ist kein Mensch in Sicht. Wer sich zum Wandern in die Eifel begibt, fiebert nicht dem großen Abenteuer entgegen, sondern erfreut sich an den kleinen Dingen. Fünfeinhalb Stunden soll unsere erste Tour dauern. Unser Wunsch, aus dem beim Frühstück noch so vernebelten Moseltal so schnell wie möglich hinauf auf die Weinberge zu kommen, wird uns rascher erfüllt als erhofft: Schon nach dem ersten Kilometer stecken uns rund hundert Höhenmeter in den Waden. Aber eines ist klar: Der Anstieg auf dem schmalen, steilen Weg durch die Weintrassen hat sich gelohnt. Das Moseltal liegt uns zu Füßen, kräftiger Westwind zerrt an meiner Jacke und an den restlichen Nebelbänken. Martin hält kurz inne: »Hier sieht’s aus, als hätte jemand mit einer Pipette eine Linie aus blauer Säure über eine grüne Styroporplatte gezogen.« – »Naja, so kann man‘s auch sehen«, denke ich, und genieße den Anblick der Mosel, die sich harmonisch in die scheinbar unendliche Weite des Hochplateaus einfügt.

Auf fast gleichbleibender Höhe führt uns der Pfad weiter in Richtung Osten, vorbei an saftigen Wiesen und krummen, von Wind und Wetter gezeichneten Buchen und Eichen. Sich zu verlaufen ist nahezu unmöglich, eine bessere Orientierungshilfe als den Fluss im Tal gibt es nicht. Ab und an laden Bänke aus dicken Schieferplatten zum Rasten ein. Nicht weiter erstaunlich, gehört doch die Eifel zur Naturlandschaft des Rheinischen Schiefergebirges. Die Eifler nennen das Gestein liebevoll »blaues Gold.« Bereits im Mittelalter wurde der Moselschiefer flussauf- und -abwärts in die Benelux-Länder und nach Großbritannien verschifft, das Schiefer­decker-Handwerk erreichte zu dieser Zeit seine größte Blüte. Auch hier, auf dem Hatzenporter Laysteig, treten die grauschwarzen Platten ab und an scharf gezackt und wie fein säuberlich gestapelt senkrecht oder schräg gelagert aus den Hängen aus.

Nach einer weiteren halben Stunde beschreibt der Weg eine scharfe Linkskurve und führt uns wieder in die Richtung zurück, aus der wir gekommen sind. Das Moseltal liegt nun zu unserer Linken, rechts weiten sich die Felder. Die Ähren wiegen sich in den warmen, wenn auch kräftigen Windböen. Sie machen das Laufen auf der sonnigen Hochebene angenehm. Ein Mäusebussard dreht majestätisch über unseren Köpfen seine Runden, als wolle er uns beobachten.

Eifel-Idylle: Gluckernde Bächlein und knorrige Bäume

Nach eineinhalb Kilometern fällt der Weg in das Schrumpftal ab, es wird kühler und dunkler, die Luft merklich feuchter. Der nun sehr schmale, leicht matschige Pfad schlängelt sich durch einen Wald aus Krüppeleichen. Die drei bis sechs Meter hohen Bäume verzweigen sich bereits kurz über dem Boden, namensgebend ist ihr knorriges, ungleichmäßiges Wachstum. Leise gluckernd begleitet uns ein Bächlein, die Dunkelheit des Waldes und die Enge des Tals stellen eine willkommene Abwechslung zu dem kargen Hochplateau dar, auf dem wir uns noch vor wenigen Minuten befanden. »Hier hätte auch ›Herr der Ringe‹ gedreht werden können«, sagt Martin. Dass es sich auf dem Hatzenporter Laysteig so schön wandern lässt, ist kein Zufall. Er ist einer von 21 sogenannten Traumpfaden, die 2008 eingerichtet wurden. Besonderen Wert legte man bei der Planung dabei auf Faktoren wie Abwechslungsreichtum der Landschaft, Aussicht und einen natürlichen Weguntergrund.

In einem großen Bogen führt uns der Weg zurück nach Hatzenport, wo wir ein Café ansteuern, um den hauseigenen Kuchen zu testen. Selbst Martins schlechte Laune ist verflogen, das mittelalterliche Ortsbild beflügelt ihn: »Ich kann noch die Ritter riechen. Morgen geht’s auf Burgentour!«

Er soll auf seine Kosten kommen, denn Burgen gibt es hier wie Sand am Meer. Eine besonders märchenhafte ist die Burg Eltz. Dieser nie zerstörte Herrensitz aus dem zwölften Jahrhundert befindet sich noch heute im Besitz der Grafen von Eltz-Kempenich und zierte zu D-Mark-Zeiten den Tausendmarkschein. Der Weg führt vom knapp sechs Kilometer von Hatzenport entfernten Ort Moselkern auf einem schmalen Pfad am Elzbach entlang. Zahlreiche Schieferklippen durchsetzen die Hänge, im urigen Hainbuchen- und Eichenwald wechseln Licht und Schatten. Moose und Farne bedecken die Felsen am Wegesrand. Nach einer Dreiviertelstunde erscheint die Burg Eltz dann überraschend vor unseren Augen.

Sieben abenteuerlich aufeinandergestapelte Stockwerke mit acht Wohntürmen, die steil aufragend in den Himmel wachsen: ein bauliches Meisterwerk, das wie durch ein Wunder die Kriege der letzten Jahrhunderte überstand. Und nicht nur das Äußere der Burg blieb unberührt, auch die komplette Innenausstattung blieb erhalten, als habe jemand jedes Mal, sobald Gefahr drohte, die Burg unter einer riesigen Glocke versteckt. Der gigantische Komplex von Türmen, Wohnhäusern und Kapellen, teils aus Fachwerk, thront auf einem Plateau aus Basaltgestein mit einer Länge von sechzig und einer Breite von gerade mal vierzig Metern. Wir stehen an den Mauern und blicken schweigend hin­ab. Unter uns ist nichts, außer dem beschaulichen Silberlauf des Elzbaches.

Bergetappe mit Eifeler Döppekooche

Martin steht auf den Zinnen und gleicht die Gegend mit der Wanderkarte ab. Als ich sie ihm vorsichtig aus der Hand ziehe und den weiteren Verlauf des Weges präsentiere, verfinstert sich seine Miene. Seinen Blick kenne ich mittlerweile, er bedeutet: Hunger. Und auch mir steht der Sinn nach einem Gasthaus. Kurze Zeit später tauchen wir bei einem Glas Moselriesling in einen Berg Eifeler Döppekooche ein, eine Kartoffelmasse mit Speck und Zwiebeln, die köstlicher nicht sein könnte. Martin grinst von einem Ohr zum anderen: »Schade, morgen müssen wir schon wieder zurück nach Trier.«

09.10.2012
Autor: Katharina Baus
© Outdoor
Ausgabe 05/2012