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Abenteuer Schluchtensteig im Schwarzwald - sechs Wanderempfehlungen
Sieben Schluchten, ein Weg
Selbst bekannte Wanderregionen wie der Schwarzwald haben verborgene Seiten. Glauben Sie nicht? Dann gehen Sie doch mal den Schluchtensteig.
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Seit letztem Jahr erst verbindet ein Wanderweg die sieben Schluchten, der 118 Kilometer lange Schluchtensteig. Er folgt dabei hauptsächlich dem Lauf von Wutach und Wehra, mit faszinierenden Möglichkeiten für Abstecher in die Klammen links und rechts der beiden großen Canyons.
Den Wanderer erwartet ein echtes Schwarzwaldabenteuer: Schäumend wirbelt Gischt in den tiefen Klammen und Schluchten auf. Moosige Felswände ragen wie Türme in den Himmel. Der enge Pfad windet sich um Felskanten; Steige und Leitern führen über felsige Abgründe und Wildbäche, hin zu tosenden Wasserfällen und verwunschenen Urwäldern. Feine Spinnweben kitzeln im Sommer an den Armen. Wenn es regnet, macht Morast sich breit. Die Wanderstiefel schmatzen bei jedem Tritt, es geht vorbei an umgestürzten Bäumen und üppig grünen Farnen. Kaum zu glauben, dass der Schwarzwald solche Seiten besitzt – so ähnlich könnte es in Neuseeland aussehen.
Schluchtensteig - der jüngste Fernwanderweg des Schwarzwalds
Kein Zweifel, der jüngste Fernwanderweg des Schwarzwalds rückt eine fantastische Landschaft ins Licht, die lange im Schatten der Berggipfel lag. Beginnend in Stühlingen, direkt an der Schweizer Grenze, am Fuße von Schloss Hohenlupfen, geht es talaufwärts, der Wutach folgend bis nach Weizen. Dort befindet sich auch der Talbahnhof der berühmten "Sauschwänzlebahn", die als Museumsbahn ins 25 Kilometer und 231 Meter höher gelegene Blumberg zuckelt. An Wochenenden genießen Ausflügler bei Schritttempo eine Fahrt über vier Viadukte und sechs Tunnel, darunter den zweitgrößten Kehrtunnel Europas.
Man könnte das erste Etappenziel des Schluchtensteigs also auch per Bahn erreichen, würde sich aber um ein imposantes Stück Steig bringen, das sich an den steilen Felswänden der Wutachschlucht aufwärts windet und sie dann verlässt.
Kurz hinter Blumberg
Hier geht es über Treppen und Leitern wieder hinab: Die kleine Schlucht des Schleifenbachs, der als Wasserfall munter ins Tal plätschert, bringt die Wanderer wieder zurück zur Wutach. Ab dem Sägewerk Wutach¬mühle ändert sich die Landschaft dramatisch. Der Schlund der archaisch anmutenden Schlucht schluckt das liebliche Tal, die Wutach rauscht und gurgelt, Felsflanken stemmen sich dem Wald entgegen. Mannshohe Pestwurz säumt den Weg, eine Ringelnatter flüchtet, Wasseramseln tauchen auf der Suche nach Beu¬te in das glitzernde Wasser.
Meist plätschert die Wutach friedlich in ihrem Bett und lädt zu einem kleinen Badestopp hier und da; bei Hochwasser hingegen verwandelt sie sich in einen reißenden Fluss, der mit tosender Gewalt seinen Weg durch die enge Schlucht erzwingt. Welche Kraft sie dann entwickelt, sieht man beim 1996 errichteten Rümmele-Steg. Rund 70 Meter flussabwärts verfallen die Überreste der ehemaligen Brücke, die dem Hochwasser nicht standhalten konnte.
Und unten rauscht die Wutach
Um eine attraktive Wanderstrecke zwischen dem ehemaligen Kurort Bad Boll, der heute nur noch aus Ruinen besteht, und der Gaubach¬mündung zu gewinnen, sprengte der Schwarzwaldverein 1904 einen Fußpfad in den Fels. Der so entstandene "Ludwig-Neumann-Weg" wurde zur beliebten Ausflugswanderung in die Wutachschlucht.
Die Strecke hat seither nichts von ihrer Faszination verloren: Der in überhängenden Fels gesprengte Weg klebt förmlich über der Schlucht und offenbart Blicke auf die in der Tiefe dahinrauschende Wutach.
Lotenbachklamm: Hexenwelt aus Felstürmen und Wasserfällen
Am nächsten Tag läuft der Schluchtensteig erneut zur Höchstform auf. Nach einem zünftigen Frühstück im Bonndorfer Kranz – Wanderer sind bei Wirtin Claudia Ketterer gern gesehen – fährt man mit dem Bus zum Abzweig Schattenmühle. Am Abzweig steigt man in die nur 1,5 Kilometer lange Lotenbachklamm ein. Sie liegt zwar nicht offiziell am Steig, beeindruckt aber auf jedem Meter mit wilder Schönheit. Eine Hexenwelt aus Felstürmen, Wasserfällen, urwaldartigen Farnen und Bäumen, in die spärlich Licht fällt. Auf Stegen und Leitern windet sich der Pfad tief hinein, ein mythisch anmutender Ort, der die Fantasie beschäftigt.
An der Schattenmühle erreicht der Pfad die alte Markierung. Steil geht es den Waldhang hinauf, durch Wiesen und Kornfelder und heraus aus der Schlucht, bis sich der Wald lichtet, und der Weg zurück zur Wutach führt. Wenige Meter ab vom Steig hängt das Räuberschlössle wie ein Adlerhorst auf einem 80 Meter hohen Felsen. Einst stand hier die Burg Neublumegg. Im Bauernkrieg zerstört, diente die Ruine fortan Schmugglern als Schlupfwinkel.
Am Steg über den Rötenbach bietet sich ein Abzweig nach rechts in die Rötenbachklamm an. Die kleine verwunschene Schlucht mit ihren zahlreichen Stegen verzaubert. Immer neue Perspektiven locken einen tiefer und tiefer, plötzlich kommt das Ende der Klamm und damit die Erkenntnis, dass man sich weit vom Schluchtensteig entfernt hat. Es hilft nichts, zurück führt nur derselbe wurzelgespickte Pfad.
Um den glitzernden Schluchsee
Auch die Haslachklamm – Teil des regulären Wegs – zehrt an den Kräften: Der Schluchtensteig klettert hier hinauf zum Rechenfelsen, dann weiter zum Hölllochfelsen. Am besten kehrt man dann in Lenzkirch im Gasthof Schwörer ein und stärkt sich, zum Beispiel mit den frischen Saibling-Filets.
Höchster Punkt des Schluchtensteigs: der 1.134 Meter hohe Bildstein
Den höchsten Punkt des Schluchtensteigs erobern Wanderer auf der vierten Etappe: In 1.134 Meter Höhe genießen sie den Ausblick vom Bildstein. Unten glitzert der Schluchsee, am Horizont zeichnen sich schemenhaft die Alpen ab. Einmal um den Nordwestzipfel des Sees herum, dann teilen sich Wanderer den Weg mit Ausflüglern, die am Unterkrummenhof ihre Kaffeepause verbringen. Mit einem Rucksack fühlt man sich als Exot zwischen den Sandalenträgern.
Aber ab der schattigen Windbergschlucht setzt wieder der Canyonzauber ein: Der Windbergwasserfall gischtet lautstark zu Tal. Bald taucht plötzlich die 62 Meter hohe, hellgrün schimmernde Kuppel des Doms St. Blasius auf. Imposant überragt sie die Stadt und die dunklen Baumwipfel. Noch gewaltiger reckt sich nur noch der Lehenkopf in den Himmel.
Er hält mit seinen 1.039 Metern die nächste Herausforderung bereit. Landschaftlich zählt der fünfte Wandertag zu den schönsten Abschnitten, und das sogar ohne Schlucht.
Schmale Schwarzwaldpfade führen auf die Hochweiden von Ibach
Postkartenidylle mit grasenden Kühen und Kälbern vor Alpenpanorama. Achtung: Mit den frei laufenden Bullen ist nicht zu spaßen!
In der Hochwehraschlucht entspringt putzmunter die Wehra, deren Lauf Wanderer auf den letzten beiden Etappen über Todtmoos nach Wehr bringt. Zum Schluss zeigt der Steig noch einmal seine Zähne. Der Pfad hängt wie ein dünner Faden in der bizarren Felslandschaft. Der Weg ist steil und steinig. Aber nach sechs Tagen der Entschleunigung hat man es garantiert nicht eilig, nach Wehr zu kommen.

