Wandern und Wellness in Bayern: Heubäder, Sauna, Salz und Hopfen

Bayern entspannt: Wandern und Wellness


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Foto: Christoph Jorda

 

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Foto: Hotel Birkenhof

 

Foto: Kur GmbH Bad Reichenhall/Bayerisch Gmain
Nach langen Tagen im Freien freuen sich Wanderer auf Entspannung. In Bayern schöpft man dafür aus den Schätzen der Natur: von Wasser über Salz bis zu Heu und Hopfen.

Sport unter freiem Himmel ist für Outdoorer ein Kernbestandteil des Urlaubs. Auf den aktiven Tag draußen folgt dann das Relaxprogramm: gutes Essen, tiefer Schlaf. Manche gehen auch in die Sauna, um beanspruchte Muskeln zu lockern und sich komplett wieder aufzuwärmen. Andere schwören auf Badewanne oder Whirlpool. Dass auch kaltes Wasser eine sehr gesunde Wirkung besitzt, weiß man in Bayern spätestens seit dem 19. Jahrhundert. Sebastian Kneipp war Theologiestudent und schwer tuberkulosekrank, als er 1849 das Buch »Unterricht von der Heilkraft des frischen Wassers« aus der Feder des Arztes Johann Siegmund Hahn entdeckte. »Wenn es für mich ein Heilmittel gibt, so wird es das Wasser sein.

«Überzeugt von der Lektüre, badete Kneipp von da an mehrmals pro Woche in der fünf bis zehn Grad Celsius kalten Donau – und wurde wieder gesund. In den Folgejahren, in denen er auch andere Menschen erfolgreich mit Wasser behandelte, wurden ihm immer wieder Steine in den Weg gelegt, man klagte ihn sowohl der Kurpfuscherei wie der »Gewerbebeeinträchtigung und Schädigung« von Apothekern an.

 

Foto: Therme Badfüssing

Reichlich Wasser als Heilmittel

Doch der mittlerweile zum Priester geweihte Wasserfan ließ sich nicht beirren. 1855 trat er eine Stelle am Kloster Wörishofen im Allgäu an und entwickelte seine Therapie, die auf dem Zusammenspiel von Wasser, Ernährung, Bewegung, Kräutern und »innerer Ordnung«, sprich geistiger Ruhe und Klarheit, besteht. Die Zahl derer, die so behandelt werden wollten, wuchs rasant: Im Jahr 1889 kamen 4000 Kurgäste in den Ort, 1893 waren es bereits 33 000. Heute hat sich der Kneippkurort Wörishofen längst den Namenszusatz Bad verdient, und den Besucher erwarten auch moderne Interpretationen vom Kneippen. Beispiel: das Kneipp-Hamam als Teil des "Kneippianums", eines führenden Heil- und Wellnessresorts. Outdoorer freuen sich in Bad Wörishofen auch über das Wegeangebot, zu dem neben diversen Tagestouren eine 84 Kilometer lange Route auf den Spuren von Kneipp gehört.

Das Element Wasser wird in Bayern allerdings bei weitem nicht nur mit Kneipp besetzt, denn der Freistaat ist als Thermenland voll von Wellness- Oasen. Mehr als 40 Thermalbäder mit unterschiedlichen Mineralien laden zum Schwimmen und Relaxen ein. Die heilende Kraft von Schwefelquellen der heutigen Kaiser-Therme in Bad Abbach begeisterte schon Kelten, Römer und im 16. Jahrhundert dann Kaiser Karl V. – wenngleich ohne Massagedüsen, Panorama-Whirlpool und Strömungskanal. Die Bad Reichenhaller Rupertus-Therme mit ihrem Solewasser und der Kurort Bad Füssing mit seinen drei Thermen stehen ebenfalls für gesunden Wasserspaß.

Bayern und Flüssiges – wer würde da nicht an Bier denken?

Auch der Großteil des deutschen Hopfens wächst in Bayern, konkret in der Region Hallertau, die sich auf Ober- und Niederbayern verteilt. Bis zu sieben Meter hoch wird die Kletterpflanze. Was viele nicht wissen: Hopfen wurde schon vor Jahrhunderten als Heilpflanze verwendet und im Jahr 2007 in Deutschland zur Arzneipflanze des Jahres gekürt. Kein Wunder also, dass bayerische Wellness-Hotels ihn einsetzen.

 

Foto: Oberstaufen Tourismus Marketing GmbH

Ob Bäder, Tee oder Massage - Hopfenanwendungen wirken entspannend und schlaffördernd. Zudem sollen Inhaltsstoffe der Pflanze antioxidativ sein, also schädliche freie Radikale abfangen, und den Zellenaufbau unterstützen. Hopfenextrakt wird auch bei reinigenden Gesichts- und Ganzkörperbehandlungen verwendet. Und sogar in der Küche spielt die Pflanze eine Rolle: Die jungen Triebspitzen, als »Hopfenspargel« oder »Hopfensprossen« bezeichnet, waren einst ein Arme-Leute-Essen. Heute gelten sie als Delikatesse der Hallertau und haben entsprechend ihren Preis. Weiter im Süden Bayerns setzt man auch auf Heu-Wellness.

Die Kräutervielfalt von Almwiesen sorgt für reichlich ätherische Aromen, deren Heilkraft während längerer Ruhezeiten in einem Heubett besonders gut wirken soll. Dann erwärmt nämlich der Körper die trockenen Gräser auf die ideale Temperatur. Auch um Giftstoffe auszuscheiden und gegen Muskel- und Gelenkerkrankungen wird Heu eingesetzt, genauer gesagt: Heublumen. Das sind trockene Blüten, Blattteile und feine Gräser, also traditionell die Teile des Heus, welche die Heugabel nicht erfasst und die sich auf dem Boden der Tenne absetzen. In einen kleinen Beutel gepresst, werden sie erwärmt und auf betroffene Körperteile aufgelegt oder für Massagen verwendet.

 

Foto: Kur GmbH Bad Reichenhall/Bayerisch Gmain

Mit Salz Körper und Seele entspannen

Weniger »typisch bayerisch« als Hopfen oder Bergwiesenheu werden die meisten Besucher Salz wahrnehmen. Dabei stehen die gelben Kartonverpackungen des Bad Reichenhaller Speisesalzes in fast allen deutschen Supermärkten, und die Geschichte des Salzabbaus in Berchtesgaden beginnt bereits im 12. Jahrhundert. Heute kann man dort im europaweit einzigen Salzheilstollen entspannen und jede Menge gesunde Salzanwendungen genießen. Um ein paar positive Wirkungen zu nennen: Salz reinigt nicht nur die Haut, sondern besitzt auch Reizwirkungen, die das Immunsystem und die Durchblutung fördern.

Neben Peelings gehören Salzwickel und Ruheräume mit salzhaltiger Luft – eine Wohltat für die Atemwege – zu den Berchtesgadener Angeboten. Ein Solebad dagegen entspannt Körper und Geist durch den Auftrieb, den man im salzhaltigen Wasser hat. Denn wenn die Schwerkraft nicht mehr wirkt, entspannen die Muskeln automatisch, und das vegetative Nervensystem fährt herunter. Je höher der Salzgehalt, desto besser trägt das Wasser den Badenden. Von Sole spricht man übrigens, wenn Quellwasser einen Salzgehalt von mindestens 1,4 Prozent enthält.

 

Foto: Oberstaufen Tourismus Marketing GmbH

Brotbad, Brechelbad und Kraxenofen

Natürlich findet man in Bayern verbreitete Anwendungen wie etwa Hot-Stone-Massagen. Wer hingegen originellere Entspannung sucht, sollte ein Brotbad oder auch ein Brechelbad ausprobieren, das einige Hotels anbieten. Beim Brotbad sitzt man in einem nur sanft und trocken erwärmten Raum mit Backofen, und die Luft wird mit Sauerteigenzymen angereichert. Im Mittelalter nutzten die Menschen so an Backtagen die Ofenwärme optimal aus. Das auch als »Bauernsauna « bezeichnete Brechelbad dagegen ist ein Kräuterdunstbad mit zunehmender Wärme bis etwa 65 Grad Celsius.

Der Name kommt vom Flachs- und Hanfbrechen: Die Stengel wurden früher in der sogenannten Brechelstube getrocknet und gebrochen. Anschließend bedampfte man die gewonnenen Fasern und fügte, für ein wohltuendes Raumklima, Kräuter hinzu. Eine weitere besonders urige Wellnessanwendung ist der Kraxenofen. Früher ließen bayerische Bauern sich vor dem Ofen sitzend über ihre heugefüllte Kraxe – ein hölzernes Rückengestell, mit dem sie Heu transportierten – heiße Luft auf Rücken, Schultern und Beckenbereich strömen. So erholten sie sich schneller von der harten körperlichen Arbeit. Traditionelles Handwerk und Wellness sind doch oft enger verwandt, als wir annehmen.

Infos Über Gesundheits- und Wellness-Angebote, Hotels und Pauschalen informieren die Internet-Seiten wellvital.by und gesundes-bayern.de

12.04.2015
Autor: Katharina Hübner
© outdoor