Radrunde Allgäu

Radrunde Allgäu: Radgenuss pur


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Outdoor Bayern Radfahren Allgäu
Foto: Christoph Jorda

 

Outdoor Bayern Radfahren Allgäu
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Die "Radrunde Allgäu" bietet Blicke auf Gipfel, Seen und Almen am laufenden Meter - ein Traum in zwölf Etappen.

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Zunächst ist es nur ein Geräusch. Ein dumpfes Geräusch in weiter Ferne. Doch es wird lauter, immer lauter. Als dann schließlich 150 Stück Allgäuer Braunvieh am Horizont auftauchen, ist es fast ohrenbetäubend: Das Klingeln der riesigen Schellen, die um den Hals der Kühe baumeln. Die Viecher herausgeputzt mit Blumenschmuck, der zeigt, dass auf dieser Alpe im Sommer kein Tier verloren ging, die Älpler mit frischem Hemd und Lodenjanker. Braungebrannt sind sie von den Stunden des Sommers, die sie mit der Herde am Berg verbracht haben. Gezeichnet die Hände von der harten Arbeit. Am Scheidplatz, wo die Bauern ihr Vieh und die Älpler das erste von noch einigen Bieren an diesem Tag in Empfang nehmen, fällt die Anspannung ab: Geschafft, alle sind gesund im Tal. Es ist Viehscheidzeit im Allgäu. Der Sommer neigt sich dem Ende zu, und die Rückkehr von Tier und Mensch in die niederen Gefilde wird nach alter Tradition gefeiert. Für Besucher, die zu dieser Zeit (etwa ab Mitte September) auf der Allgäu-Radrunde unterwegs sind, ein Pflichtprogramm. Denn auch wenn der Viehscheid an vielen Orten nicht mehr ganz so gemütlich und klein abläuft wie vor Jahrzehnten, es gibt kaum eine bessere Möglichkeit, den Allgäuern und ihren von Herzen gelebten Traditionen näher zu kommen. Geduldig erklären sie Unwissenden den Unterschied von Glocke und Schelle, ihre Tracht oder die Bedeutung der Spiegel am Kopfschmuck der Tiere (die sollten die bösen Geister vertreiben).

 

Allgäu Outdoor Natur Wandern Urlaub
Foto: Allgäu GmbH

Viele Begegnungen mit den zwei- und vierbeinigen Originalen hat, wer mit wachen Sinnen auf der Radrunde Allgäu unterwegs ist, die auch den Beinamen »Runde in die schönsten Ecken« führt. Denn überall in der Region, vor allem zu Füßen der stattlichen Gipfel, wird die jahrhundertelange, von Respekt geprägte Verbindung von Berg und Mensch deutlich. Zum Beispiel eben beim Viehscheid in Gunzesried, dem größten im Allgäu, für dessen Besuch ein kleiner Abstecher von der 450 Kilometer langen Route notwendig ist. Aber auch in vielen anderen Gemeinden, die direkt von der Allgäu-Radrunde gestreift werden, klingen im Herbst die Schellen: etwa in Immenstadt (dem einzigen Viehscheid, der durch eine Innenstadt führt) ebenso wie in Blaichach und Obermaiselstein. Alle drei liegen in den sogenannten »Alpgärten«.

Die Allgäu-Radrunde ist unterteilt in acht Erlebniswelten, die solch klangvolle Namen wie »Glückswege« oder »Schlosspark« oder eben auch »Alpgärten« tragen. Sie spiegeln den Charakter der jeweiligen Region. Klingt zunächst ein wenig verwirrend – entspricht aber der Bandbreite des Allgäus und der Radrunde, für die ein ganz normales Trekkingrad übrigens ausreicht. Die meisten Wege sind asphaltiert, das Mountainbike kann zu Hause bleiben. Und obwohl es immer wieder mal bergauf geht, ist die Runde für durchschnittlich Trainierte kein Problem.

 

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Foto: Allgäu GmbH

Der zweite Teil der Gipfelwelten-Etappe führt uns ins Tannheimer Tal. Auch wenn die prächtige Gegend bereits zum österreichischen Tirol gehört, ist sie dennoch Teil der Allgäuer Alpen. Aus diesem Grund – und wohl sicherlich auch wegen seiner wunderschönen Landschaft – Teil der Radrunde. Der Schriftsteller Ludwig Steub nannte es einst sogar das schönste Hochtal Europas. Irgendwie will man ihm nicht widersprechen, wenn man mit Blick auf die Bergpersönlichkeiten Gimpel, Rote Flüh und Aggenstein auf 1100 Metern über die bestens ausgebauten Radwege rollt. Doch wirklich weit kommt man oftmals nicht …

Auf der Bank vor dem kleinen Gasthof »Morent « in Zöblen, das Radl angelehnt an den windschiefen Holzzaun, lässt sich die Zeit vergessen. Unterwegs auf der »Gipfelwelten«-Etappe, die ein Stück durch Österreich führt und abends in Pfronten enden soll, zeigt sich das einzige große Manko der Allgäuer Radrunde: Es ist an zu vielen Plätzen so schön, dass man verweilen will. Ralf Morent serviert dunkel schimmernden Rotwein, seine Frau Timmi zaubert in der winzigen Küche über dem Holzofen Köstlichkeiten von der Gänseleber bis zum feinen Pilzgericht, gewürzt mit frischen Kräutern aus dem eigenen Bauerngarten. Der Gasthof ist einer von beachtlichen vier Restaurants im nur zwanzig Kilometer langen Tannheimer Tal, die sich eine (oder gar zwei) Gault-Millaut-Hauben erkochten. Behäbig fließt der Wein die Kehle runter, eins der Zimmer unterm Dach wäre dann auch noch frei … ach, Pfronten wartet auch morgen noch.

Das Wunderbare an der überwiegend asphaltierten Radrunde Allgäu: Sie ist ein Geschenk an alle spontanen Menschen. Denn durch die vielen Anschlüsse an den Bahnverkehr kann man in die Route ein- und aussteigen, wie man will und Zeit hat. Man kann Abschnitte überspringen, und wem das nicht genug ist, wer Lust hat, statt in einem weiten Kreis auch mal geradeaus zu fahren, der findet auch dafür eine Möglichkeit. Beziehungsweise sogar zwei: auf dem Allgäu- Radweg, der die Route von West nach Ost kreuzt, und auf dem Illerradweg, der sie meist entlang dem Fluss von Nord nach Süd schneidet. So lässt sich die Allgäu-Radrunde in vielen Varianten vierteln, halbieren oder auch beliebig verlängern.

 

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Foto: Allgäu GmbH

Beide Achsen, der Allgäu- und der Illerradweg, führen Radler in die Metropole des Allgäus, nach Kempten. Der zentrale Knotenpunkt hält einiges bereit für Besucher. Schließlich hat die alte Römerstadt schon stolze zweitausend Jahre Geschichte auf dem Buckel. Wer denen auf die Spur kommen will, ist im Archäologischen Park Cambodunum bestens aufgehoben. Zu sehen gibt es unter anderem einen gallorömischen Tempelbezirk, eine Basilika und ein Thermenhaus, Letzteres das älteste Steingebäude Kemptens. Doch auch wer »nur« durch die Altstadt bummelt, sich im Garten der Residenz ein Päuschen im Schatten der Bäume gönnt oder in einem der Cafés das emsige Treiben beobachtet, wird vom Charme der Stadt gefangen genommen. Denn neben aller Tradition, neben den sanften Hügeln, den Kühen mit den Klimperwimpern, den schönen Gipfeln, die Bergsteigern Lebensaufgaben verleihen, den historischen Städten – ist das Allgäu auch das: eine moderne Region in Bewegung, die Ökonomie und Ökologie mit Traditionen in Einklang bringen will. Und mittendrin: die Allgäu-Radrunde.

Weitere Infos:

Allgäu GmbH
Allgäuer Straße 1, 87435 Kempten
Tel. 0831/57537-34
www.allgaeu.de/rad

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12.04.2015
Autor: Nina Hölmer
© outdoor
Ausgabe /2015, 2015