Fels-Parade: Klettern in Franken

Fels-Parade: Klettern in Franken


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Outdoor Bayern Franken Klettern
Foto: Christoph Jorda

 

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Foto: Christoph Jorda

 

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Foto: Christoph Jorda

 

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Foto: Christoph Jorda
Franken ist das Klettermekka Deutschlands. Neben Felsen locken stille Winkel und eine relaxte Lebensart.

Und ab!« ruft es von hoch oben. Eine Minute später schwebt Hanna strahlend am Seil vor der Felswand herunter. Ordnungsgemäß in einen Klettergurt eingebunden, natürlich, während ihr Freund Philipp gleichmäßig Seil durch das knapp handtellergroße Sicherungsgerät gibt. Sanft landet die 25-Jährige auf ihren Füßen. »Super Aussicht von oben«, kommentiert sie die Route und beginnt den Knoten zu lösen, der das Seil am Gurt befestigt. Spätsommerliche Sonne wärmt die Luft und strahlt die »Hohe Reute« an, eine beliebte Sportkletterwand unweit des Dorfes Betzenstein. Nur eine von rund 1000 Wänden, Türmen und Massiven mit über 7000 Routen: Willkommen in Deutschlands Klettermekka, dem Nördlichen Frankenjura, zwischen Erlangen, Bamberg und Bayreuth.

 

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Foto: Christoph Jorda In Kursen lernt man nicht nur viel über die richtige Klettertechnik, sondern auch über den Einsatz von Zwischensicherungsgeräten wie dem »Tricam«.

»So, jetzt machen wir Materialkunde.« Kletterlehrer Tom Kranz hat die sechs Teilnehmer des Kurses, zu dem auch Hanna und Philipp gehören, um sich geschart. Häufig bringt Tom an fränkischen Felsen absoluten Anfängern die Grundzüge des Kletterns bei, doch heute geht es darum, sich vom Hallenklettern auf Fels umzustellen. Keine farbig markierten Routen erwarten Kletterer draußen, keine vorher eingehängten Expressschlingen in den Sicherungshaken. Und – gerade in den einfacheren Routen sind die Hakenabstände oft groß. »Deswegen benutzt man Zwischensicherungsgeräte« erklärt Tom und reicht jedem einen »Tricam«, eine Art Metallkeil an einem kurzen Textilband. Am Wandfuß schwirren die sechs jungen Leute los und suchen im Fels passende Löcher, in denen sie den Tricam befestigen können. »Hält perfekt!« Hanna hat sich mit vollem Körpergewicht an das Band gehängt. Und hängt sich anschließend, für ihre nächste Kletterroute, gleich mehrere Exemplare an den Gurt. »Nur zum Üben«, lautet Toms Anweisung, »sodass du ein Gefühl dafür bekommst, mit den Teilen zu hantieren, während du kletterst.« Hanna nickt, ihre Hand findet den ersten Griff im wunderbar löchrigen Kalkgestein. Für eine Felsanfängerin ziemlich elegant klettert sie Meter um Meter nach oben.

 

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Foto: Christian Lampe Großes Obstangebot: Über 40 Sorten Äpfel und 30 Sorten Pflaumen gibt es in Franken.

In der sanft-hügeligen Mittelgebirgslandschaft der Fränkischen Schweiz, in der sich verschwiegene Wälder mit Feldern und Wiesen abwechseln, muss man nie lange nach Felsen suchen, sie gehören zum Landschaftsbild. Blinken plötzlich am Straßenrand auf, wenn man einer Talstraße im Grünen folgt, ergänzen neben urigen Fachwerkhäusern so manche Dorfkulisse. Und sie sind der Grund, warum viele passionierte Kletterer sich gerne dauerhaft hier niederlassen – das gilt für den Kletterlehrer Tom ebenso wie für die in Felskletterkreisen bekannte Sarah Seeger.

Aber auch wenn viele Besucher wegen der Kletterfelsen des Frankenjuras kommen – die Fränkische Schweiz bietet noch eine Menge mehr. Neben der Landschaft, die sich auch bestens zum Wandern und Fahrradfahren eignet, verströmen Dörfer und kleine Städte Gemütlichkeit und Gastfreundschaft. Zudem ist die Fränkische Schweiz eine der burgenreichsten Gegenden Bayerns. Ein besonders pittoreskes Beispiel gibt die kleine, bestens erhaltene Burg Pottenstein ab, die schon seit 1000 Jahren auf einem Hügel über dem gleichnamigen Städtchen thront.

Im 16 Kilometer entfernten Obertrubach hingegen liegt ein klettererspezifisches »Pilgerziel«: Das Grab von Wolfgang Güllich suchen jedes Jahr zahlreiche Bewunderer auf. Bevor ein Autounfall den Ausnahmekletterer 1992 das Leben kostete, erschloss er in seiner Wahlheimat Franken wie weltweit extrem schwere Routen. Nebenbei hat Güllich sich auch noch für das inzwischen großartige Kaffee- und Kuchenangebot im Frankenjura eingesetzt. »Man geht nicht nach dem Klettern zum Kaffeetrinken, Kaffeetrinken ist integraler Bestandteil des Kletterns.« Recht hatte er! Klettern und Genießen gehen in Franken Hand in Hand.

Weitere Infos:

  • Kurse: Die Kletterschule Frankenjura bietet Kletterkurse sowie -reisen und -training an. www.kletterschule-frankenjura.de
  • Unterkunftstipp: Der Landgasthof Fischer in Betzenstein besitzt neben Zimmern auch eine Zeltwiese und sogar eine Kletterwand. www.gasthof-pension-fischer.de
  • Kletterführer: Kletterführer Frankenjura Band 1 und 2, Panico Verlag, jeweils 29,80 Euro.
  • Info allgemein: www.frankenjura.com/klettern
12.04.2015
Autor: Katharina Hübner
© outdoor
Ausgabe /2015, 2015