Bayerische Alpen: Panoramatouren rund um Garmisch-Partenkirchen

Panoramatouren in den Bayerischen Alpen


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Wandern rund um Garmisch
Foto: Wolfgang Ehn

 

Wandern rund um Garmisch
Foto: Wolfgang Ehn

 

Wandern rund um Garmisch
Foto: Wolfgang Ehn

 

Wandern rund um Garmisch
Foto: Wolfgang Ehn

 

Wandern rund um Garmisch
Foto: Wolfgang Ehn
Einfach mal den Blick schweifen lassen. In den Bayerischen Alpen rund um Garmisch müssen Wanderer dazu nicht mal bis zum Gipfel gehen, denn schön ist das Panorama schon unterwegs.

Wie oft er nun schon auf Watzmann und Zugspitze stand, vermag Sepp Dengg aus Garmisch-Partenkirchen nicht zu sagen. Sicherlich viele Male, das bringt der Beruf des Bergführers so mit sich. »Ich habe nie gezählt«, sagt der Gründer der Bergsteigerschule Zugspitze. Dengg ist wegen seiner Gäste auf die Gipfel gegangen, nicht für die Statistik.

Auch heute, fünf Jahre nachdem er sein Unternehmen an Nachfolger Michael Gebhardt übergeben hat, kann sich der 76-Jährige vom Führen nicht ganz lösen. Kein Wunder. Nach 41 Jahren im Job kommen immer noch Gäste von früher, die mit ihm gehen wollen. »Das sind keine Kunden, sondern Freunde«, erklärt er. Und auch nach so langer Zeit gibt es immer noch etwas Neues zu entdecken. Die Bayerischen Alpen sind schließlich groß. Alleine den Talkessel von Garmisch-Partenkirchen formen drei Gebirge: das Ammergebirge mit dem felsdurchsetzten Kramerspitz im Norden und Nordwesten, das Estergebirge mit dem bewaldeten Wank im Osten und das Wettersteinmassiv mit seinen gewaltigen Felsflanken und Graten im Süden. Zig Wander-, Mountainbike-, Kletter- und Kajaktouren locken rund um die 26.000-Einwohner-Gemeinde und erfreuen Outdoor-Sportler aus aller Welt.

 

Wandern rund um Garmisch
Foto: Wolfgang Ehn Vor dem Gipfel des Kramerspitz breitet sich das Wettersteingebirge aus.

Gipfeltour auf den Kramerspitz

Eine der Hauptattraktionen ist sicherlich die Zugspitze. »Dabei gibt es viele aussichtsreiche Alternativen, daran muss man die Leute mal erinnern«, betont Dengg. So gewährt der Kramerspitz vis à vis des höchsten deutschen Berges eine herrliche Aussicht. Die Überschreitung von der Stepbergalm über den Kramersteig zum 1985 Meter hohen Gipfel und weiter über die Mittergernspitze hinab zum Berggasthaus St. Anton »sollten auch wir Kletterer und Bergführer viel öfter machen«. Wer an der Stepbergalm sitzt, kann Dengg nur Recht geben. Von der Sonnenterrasse genießen Wanderer eine Panorama-Aussicht, die rund um Garmisch-Partenkirchen ihresgleichen sucht. Und es ist so gemütlich, dass man meinen könnte, die berühmte bayerische Lebensart sei hier erfunden worden.

Seit 1990 stellt die Familie Ostler in den Sommermonaten Milch und Butter selbst her und bewirtet hungrige Wanderer mit Kaiserschmarrn und deftigen Brotzeiten. Der Blick wandert hin und her zwischen Teller und Aussicht. Ein hellgrauer Felsgipfel reiht sich an den nächsten, reckt sich dem Himmel zu, wie die Holzspitzen eines Staketenzauns. Vom Kleinen Waxenstein über den Großen, die Schöneck-, Schönanger- und Riffelspitzen bis zur Zugspitze stehen die Felsen Spalier. Einer schöner und mächtiger als der andere – einem langgestreckten Amphitheater gleich. Das Beste einer Kramerüberschreitung ist, dass dieses Panorama während der ganzen Tour erhalten bleibt. Mit solchen Ausblicken können nicht einmal die Gämsensichtungen mithalten, zu denen es im Gipfelbereich des Kramers kommt.

 

Pause auf der Riffelscharte
Foto: Wolfgang Ehn Einfach die Aussicht genießen: Brotzeit an der Riffelscharte.

Eine weitere aussichtsreiche Wanderung: die Route auf dem Schafsteig zur Riffelscharte. Sie verläuft auf der Südseite des nördlichsten Wettersteingrates, der vom Kleinen Waxenstein bis zur Zugspitze führt. Durch die steilen Grasflanken zieht dort ein schmaler Pfad, der beeindruckende Aus- und Einblicke auf den Jubiläumsgrat und seine felsigen Kare liefert.

Der Aufstieg zu diesem Schmankerl hat es allerdings in sich. Der erste Abschnitt durch die Höllentalklamm zur Höllentalangerhütte gibt sich noch technisch einfach. Ab der Hütte ist der Pfad jedoch recht steil, mühsam und nur spärlich markiert. Aber es lohnt sich, denn anders als bei der Route zu Deutschlands Superlativberg warten Wanderer an einem schönen Sommerwochenende nicht im Stop-and-Go. Stattdessen treffen sie auf dem Schafsteig auf Gleichgesinnte, diewie sie das Abenteuer jenseits ausgetretener Pfade suchen. Wer den steilen Anstieg zum Steig scheut, kann diesen auch auslassen, weiter durchs Höllental gehen und von dort direkt zur Riffelscharte aufsteigen. Beim Abstieg von der Scharte wartet auf beiden Varianten ein Blick, der zu den schönsten der Region gehört.

Tief unten zwischen ausgedehnten Waldflächen schimmert der Eibsee mit seinen neun kleinen Inseln, die von hell türkisfarbenem Wasser eingerahmt werden. Dahinter erstrecken sich die Grasgipfel des Ammergebirges. Der Eibsee hat es auch den Einheimischen angetan. Peter Langer, seit 33 Jahren als Maschinist bei der Eibsee-Seilbahn tätig, kommt nicht nur zum Arbeiten an den Fuß der Zugspitze: »Es gibt nichts Schöneres, als an einem freien Tag morgens um sieben Uhr auf dem See mit dem Kajak zu fahren und später mit einer Thermoskanne und einer Pfeife auf einer der Inseln zu sitzen und die Landschaft zu genießen.«

Fotostrecke: Chiemgau - Wandern im Land der Seen

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Foto: Heiko Mandl
Foto: Heiko Mandl
Foto: Heiko Mandl

Naturerlebnisse wie diese finden sich auch an anderen Orten Bayerns. Beispielsweise im Chiemgau im Südosten (siehe Fotostrecke oben). Namensgebend für die weitläufige Landschaft ist der größte See im Freistaat. Die 1669 Meter hohe Kampenwand lockt zudem Bergsteiger. Schroffe Felsen bilden ihren markanten Kamm, der mit hellem Fels aus dem Grün der Nadelbäume ragt. Von seinem Gipfel eröffnet sich eine fantastische Rundschau über die Berchtesgadener Alpen und den Chiemsee. An klaren Tagen erkennt man sogar die Erdkrümmung am Horizont. Der Aufstieg beginnt in Kohlstatt, nahe Aschau, kann aber auch durch eine Seilbahnfahrt verkürzt werden. Anfangs folgt der Weg einer Forststraße bis zur Mais- Alm. Von hier aus führen mehrere ausgeschilderte Varianten zum Gipfel.

Einen guten Anlaufpunkt bildet die Steinling-Alm, die auf Höhe der Baumgrenze den letzten und steilsten Abschnitt und damit den Beginn einer leichten Kletterei markiert. Immer häufiger sorgen jetzt auch die Hände für Halt. Kurz vor dem Gipfel passiert man zwei Felswände, die sich wie ein Canyon an beiden Seiten des Pfads erheben, dann ist das Ziel erreicht. Die Spitze der Kampenwand ziert das mit zwölf Metern höchste Gipfelkreuz der Bayerischen Alpen. Wer schnell geht, schafft den Aufstieg in etwas mehr als vier Stunden. Doch wichtig ist etwas anderes. Sepp Dengg gibt seinen Gästen oft einen seiner Lieblingssprüche mit auf den Weg: »Wichtig ist nicht, dass du abends sagen kannst, du hättest die und die Tour oder den und den Berg abgehakt, sondern dass du einen schönen Tag erlebt hast.«

 

Wandern rund um Garmisch
Foto: Wolfgang Ehn Ausklang einer Tagestour im Herzen von Garmisch.

Auch der Bergführer selbst lässt es immer häufiger ruhiger angehen. Zum Wank, der sich im Osten von Garmisch-Partenkirchen erhebt, kann er nicht nur direkt von der Haustür aus aufbrechen, sondern je nach Bedarf und Trainingsziel auch die Seilbahn nutzen. »Meist zum Abstieg, um die Gelenke zu schonen«, erzählt er. Eine ausladende Panoramatour führt vom Gschwandtnerbauer über den Roßwank und aussichtsreich nach Süden zur Wettersteinwand bis zum 1780 Meter hohen Gipfel. Der Wank werde auch »Unterer Preußengrill« genannt, erklärt Dengg. Der »Obere Preußengrill« sei die Zugspitze. »Hoffentlich nimmt diese bayerischen Ausdrücke niemand krumm«, fügt er an und lacht. Wem ein paar gutmütige Frotzeleien als Retourkutschen auf der Zunge liegen, kann sie nach einer Wanktour in den urbayerischen Gaststätten von Partenkirchen an den Mann oder die Frau bringen, denn der Durst auf ein Weißbier und der Hunger nach einer deftigen Schweinshaxe oder nach einem Obatzten vereint die Völker der Welt und spätestens beim zweiten »Hefe « bestätigt sich sowohl für Bayern als auch Preußen die alte Weisheit von Mark Twain, dass Reisen tödlich für Vorurteile ist.

Garmischs 3 Top-Touren:

1. Kramer-Runde - 13 km, 6,5 Stunden, Hm 1300
Die Runde führt vom Berggasthof Almhütte in Garmisch-Partenkirchen über das Gelbe Gwänd auf den 1985 m hohen Kramer. Unterwegs gibt es zwei Einkehrmöglichkeiten: die Stepbergalm (Butter und Quark selbst hergestellt) beim Aufstieg und die Berggaststätte St. Martin beim Abstieg.

2. Über den Wank - 16km, 6 Stunden, Hm 1040
Eine schöne Tour führt vom Parkplatz der Wankbahn (740 m) in dreieinhalb Stunden zunächst ostwärts über Schlattan nach Gschwandt, dann nach Norden auf den Roßwank und weiter zum Gipfel. Zurück geht hinab zur Esterbergalm (1264 m) und zurück zum Ausgangspunkt. Die Tour kann auch je nach Motivation mit der Wankbahn am Gipfel starten oder enden.

3. Wetterstein-Gebirge - 18km, 8 Stunden, Hm 1700
Nicht nur die Einblicke in die Flanken des gewaltigen Jubiläumsgrats im Süden, sondern auch die Aussicht auf den türkisgrünen Eibsee machen die Runde von Hammersbach über die Höllentalangerhütte und den Schafsteig unterhalb der Schönangerspitze zu einer außergewöhnlichen Tour. Technisch durchaus anspruchsvoll.

Mehr: www.gapa.de/wandern

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12.04.2015
Autor: Mirijam Hempel
© outdoor
Ausgabe /2015, 2015