Trekking in Neuseeland: Auf dem Hillary Trail vor Auckland

Hillary Trail in Neuseeland: Bilder und Infos


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Trekking in Neuseeland: Hillary  Trail
Foto: Ben Wiesenfarth

 

Neuseeland-Hillary-Trail
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Trekking in Neuseeland: Hillary  Trail
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Kein Trek Neuseelands ist schneller erreichbar als der Hillary Trail vor den Toren Aucklands - Wildnisfeeling garantiert! Alle Infos und Reisetipps für eine Trekkingtour um Auckland gibt es hier.

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Und was wollt ihr in den Waitakere Ranges? fragt Salim der Taxifahrer. »Wandern«, antwortet einer seiner beiden Gäste. »Und wo übernachtet ihr?« – »Wir haben ein Zelt dabei« – »Hm.« Nachdenklich steuert Salim seinen Wagen durch die Straßen Aucklands, auf denen am Sonntagmorgen nur ein paar Jogger und Brötchenholer unterwegs sind. »Und was esst ihr?« – »Wir kochen selbst.« – »Hm.« Der Mann aus Pakistan hat sichtlich Probleme, sich nicht anmerken zu lassen, dass er seine beiden Fahrgäste für nicht mehr ganz bei Trost hält. Er hat sie und ihre riesigen Rucksäcke eben in einem Hotel im Zentrum abgeholt, und fährt nun 30 Kilometer nach Westen, dorthin wo ein Naturschutzgebiet die neuseeländische Millionenstadt daran hindert, sich weiter in den immergrünen Urwald der Waitakere Ranges zu fressen. Bei dieser Kette handelt es sich um die erstarrten Lavaströme eines Vulkanausbruchs oder genauer gesagt, um das, was zehn Millionen Jahre Erosion davon übrig gelassen haben. Mit der Souveränität eines Mannes, der es gewohnt ist, alle Arten von Spinnern zu befördern, wünscht der Fahrer seinen Gästen viel Spaß, als sie am Arataki Visitor Centre ihre Rucksäcke auf die Schultern wuchten. Und drückt einem von ihnen noch seine Visitenkarte in die Hand. »Ruft mich an, wenn ich euch wieder abholen soll, vielleicht überlegt ihr es euch ja noch einmal.«

Doch unbeirrt füllen die beiden ihre Trinkblasen am Visitor Centre und werfen von der Holzterrasse des auf Stelzen stehenden Gebäudes einen letzten Blick nach Osten, wo die Silhouette Aucklands mit ihrem unverkennbaren Sky Tower einen seltsamen Kontrast zu dem üppig wuchernden Wald setzt. Doch schon gleich, nachdem man dem Besucherzentrum den Rücken gekehrt hat, verblasst der Anblick der Stadt, so wie ein verstörender Traum nach dem Aufstehen. Es geht hinein in die grüne Welt aus Silberfarnen, Podokarp-Gewächsen und Kauri-Bäumen - auf dem Hillary Trail.

 

Foto: Ben Wiesenfarth

Hillary Trail: In vier Tagen nach Muriwai

Der nach dem neuseeländischen Bergsteiger Edmond Hillary benannte Trek führt in vier Tagen in das 77 Wegkilometer nördlich gelegene Küstennest Muriwai. Die Strecke wurde ganz im Geiste des Everest-Erstbesteigers angelegt, breite und bestens gepflegte Pfade, wie sie auf den vielbegangenen Trekkingklassikern des Inselstaates die Regel sind, gibt es hier nicht. Schon nach wenigen hundert Metern wird klar, der Hillary Trail richtet sich eher an Liebhaber der ruppigen Gangart. In stetem Auf und Ab führt ein schmaler Weg über Wurzeln und Felsblöcke durch die zerklüfteten Hügel.

Oft watet man durch Schlamm, manchmal durch kleine Bäche. Denn obwohl sich die Wai- takere Ranges nur 300 Meter über Meereshöhe erheben, werfen hier die regenschwangeren Wolkenmassen ihren Ballast ab, wenn sie nach ihrer Reise über die Tasmanische See endlich auf eine Landmasse treffen. So spartanisch wie die Wege sind auch die Camps an den Etappenenden ausgestattet. Große, bewirtschaftete Hütten, wie sie auf berühmten Wegen wie dem»Milford Track« oder dem Tangariro-Crossing längst üblich sind, sucht der Wanderer hier vergebens. Hier wird gezeltet, lediglich ein Küchenunterstand und eine Trinkwasserleitung bieten in der Wildnis bescheidenen Luxus. Wer es bequemer mag, muss sich in den beiden Ortschaften einquartieren, die auf dem 70 Kilometer langen Weg liegen.

 

Foto: Ben Wiesenfarth

Naturwunder geniessen, die nicht im Reiseführer stehen

Eine davon erreichen Wanderer gleich am Ende der ersten Etappe. Huia wirkt wie aus der Zeit gefallen, ein paar wenige Häuser, die steinerne Brücke, wo der Fluss in die Bucht mündet. Als einzige Attraktion des Ortes lockt der Huia-Store, er ist Café, Imbiss, Kiosk und Tante-Emma-Laden in einem. Wer die alte Glastür mit der Aufschrift »Bitte keine Hunde (außer Mr. Alfie)« öffnet, fühlt sich um 20 Jahre zurückversetzt, an einigen Stellen haben sich auf Neuseeland nicht nur die Vegetation des Urkontinentes Gondwana erhalten, sondern auch die 80er. An der Wand hinter dem Tresen reihen sich in einem Regal Glasbehälter mit Süßigkeiten, links davon die Truhe mit Hokey-Pokey-Eis, dessen Genuss zu den Kindheitserinnerungen jedes echten Neuseeländers zählt. In einem antiquierten Rekorder dreht sich die unvermeidliche Cat-Stevens-Kassette und über allem ein schwerer Holzventilator. »Hi Süßer, was kann ich dir bringen?« begrüßt die Kellnerin auch schlammverkrustete Mittvierziger, die in anderen Teilen der Welt wie etwas angesehen werden, das man aus dem verstopften Abfluss eines Waschbeckens zieht. Und so könnte man noch zehn Jahre sitzen bleiben, wenn man nicht noch vor der Dämmerung sein Zelt aufschlagen müsste.

Hinter Huia ändert der Hillary Trail seinen Charakter völlig. Aus dem fordernden Urwaldweg wird ein Küstentrek, der um eine Landspitze führt, die das Tor zum Manakau-Harbour bildet. Ein gewaltiger, etwa 20 Kilometer breiter Naturhafen, dessen ganzes Ostufer der Moloch Auckland einnimmt und der sich im Westen in einem zwei Kilometer breiten und sechs Kilometer langen Durchbruch zur Tasmanischen See öffnet. Am Nordufer dieser Einfahrt verläuft aussichtsreich die zweite Etappe Hillary Trails. Als sandiger Pfad führt er hier steile Hügel hinauf, der Blick schweift über die Meerenge. Eine geschichtsträchtige Stelle. Unmittelbar vor der Landspitze liegt der Schauplatz der größten Schiffskatastrophe des jungen Landes. Die HMS Orpheus lief hier an einem stürmischen Februartag im Jahr 1863 auf eine der tückischen Sandbänke vor der Hafeneinfahrt auf. Von der 259-köpfigen Besatzung überlebten nur 60 Seeleute.

Trügerisch ruhig und irrsinnig blau liegt die Unfallstelle an schönen Tagen zu Füßen des Wanderers, der auf die kleine, vorgelagerte Halbinsel Whatipu blickt. Hier knickt der Hillary Trail scharf nach rechts und wendet sich, nun dem Küstenverlauf folgend, nach Norden – und einer weiteren Attraktion zu: den schwarzen Dünen der Karekare Beach. Die Gezeiten der Jahrtausende haben das eisenhaltige Vulkangestein zu einem schwarzen Staub zermahlen, dessen Minerale, ins Lilafarbene changierend, in der Sonne schimmern. Die Eisensanddünen zählen zu den vielen Attraktionen Neuseelands, die es aus Platzgründen nicht in den Reiseführer schaffen, die aber in Ländern, die mit weniger Naturreichtum gesegnet sind, ganze Busladungen von Touristen anziehen würden. Die nächsten Kilometer entlang der Küste bezaubern durch Ursprünglichkeit. Mal fallen dunkle Felsen steil zum Wasser ab, in malerischen Buchten blitzen die Sicheln von Sandstränden. In Europa stünde hier, nur 30 Kilometer von einer Millionenstadt entfernt, eine Villa neben der nächsten. Dass dem nicht so ist, verdanken Gäste und Einheimische dem Gründer des »Waitakere Ranges Regional Parkland«: Sir Algernon Thomas.

 

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Hillary Trail führt durch Waitakere Ranges Regional Parkland

Der Professor für Geologie und Biologie an der Universität Auckland gründete 1894 das Naturreservat. Und so trübt keine Spur der Zivilisation den Blick des Wanderers, bis er am Mittag des dritten Tages Piha erreicht. Im Hochsommer tummeln sich hier die Badegäste, doch schon Ende März herrscht Ruhe. Majestätisch rollen die Wellen auf dem schwarzen Sand aus, dahinter, wie Korken an einer Schnur, warten ein paar Surfer auf ihren Einsatz. Die Gezeitenströmungen am Strand sind tückisch, nicht ohne Grund wird hier »Piha Rescue« gedreht, die neuseeländische Reality-Antwort auf Baywatch.

Über allem thront der Lions-Rock. Der etwa 50 Meter hohe, frei stehende Felsen teilt den Strand von Piha in zwei Hälften. Unterhalb seines Gipfels führt eine Treppe auf einen Absatz, der einen Blick auf den weiteren Küstenverlauf erlaubt. Noch anderthalb Tage folgt ihm der Hillary Trail nach Murawai. Wer vorher in ein Flugzeug steigen muss, verlässt ihn hier. Gut, wenn man schon die Visitenkarte eines Taxifahrers in der Tasche hat.

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24.10.2014
Autor: Alex Krapp
© outdoor
Ausgabe 1/14