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Trek Neuseeland - Wandern im Abel Tasman Park

Easy Going - Wandern im Abel Tasman Park

Der Abel Tasman Track ist ein wahrer Südseetraum. outdoor-Redakteur Alex Krapp wanderte ihn im Rhythmus der Gezeiten.


Trek Neuseeland Abel Tasman Park
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Verlassene Welten, Traumstrände und grandioses Panorama - der Abel Tasman Park beeindruckt auf ganzer Linie.
Foto: Ben Wiesenfarth

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Neuseeland

If it makes you happy ...«, antwortet der braungebrannte Ranger in der Parkverwaltung in Nelson auf die Frage, ob man den insgesamt nur 50 Kilometer langen Abel Tasman Trek anstatt in fünf Tagen nicht auch in zweieinhalb Tagen laufen könne.

Sein zweideutiges Lächeln gibt zu verstehen, dass auf so eine merkwürdige Idee nur mitteleuropäische Leistungsneurotiker kommen können, denen die Vorstellung, das Leben sei ein Strand und kein Hamsterrad, ebenso fern liegt wie die Tasmanische See der Heimat ihres niederländischen Namensgebers.

1642 entdeckte Abel Tasman mit seinen beiden Schiffen Heemskerck und Zeehaen Neuseeland und ging im Norden der Südinsel vor Anker, ganz in der Nähe von Wainui, am Ostende der Golden Bay gelegen. Sein Aufenthalt währte nur kurz, noch in der ersten Nacht wurde er von Maoris in Kanus angegriffen. Der Holländer floh mit donnernden Kanonen. 1942, anlässlich des 300-jährigen Jubiläums, wurde der an die Ankerstelle angrenzende Abel Tasman National Park nach ihm benannt. Mit nur 225 Quadratkilometern ist er der kleinste des Inselstaates – und mit Abstand der lieblichste. Prägen in den anderen Baumriesen, Gletscher oder Vulkane das Bild, bestechen hier honigfarbene Sandstrände und türkisfarbene Lagunen, die bei Ebbe trocken fallen und auf Schnelligkeit bedachten Wanderern ein paar willkommene Abkürzungen bescheren.

Am Separation Point können Besucher Robben beobachten, genauer gesagt: Ohrenrobben, auch Neuseeländische Seebären genannt. Die Männchen werden bis zu 3,50 Meter groß. Also Abstand halten!
Foto: Ben Wiesenfarth

Süßes Leben – schweres Gepäck

Doch hier im Eiltempo durchzumarschieren, macht in etwa so viel Sinn wie eine Joggingrunde durch die Sixtinische Kapelle. Das wird schon wenige Kilometer hinter dem üblichen Startpunkt im Badeort Marahau klar. Auf einer kleinen Anhöhe lichtet sich der Regenwald und vor einem erstreckt sich der Park in seiner ganzen Pracht: Bewaldete Hügel rollen sanft zum Meer aus, wo blaue Lagunen und Felsbänder aus rötlichem Granit das weiß-goldene Band des Sandstrandes durchbrechen. Nur einen Steinwurf vor der Küste leuchten grüne Farbtupfer wie Adele und Fisherman Island. Man hat unwillkürlich das Gefühl, dort angekommen zu sein, wo man schon immer mal hinwollte. Die meisten Wanderer nehmen sich für das Inselparadies vier bis fünf Tage Zeit, legen an den vielen kleinen Buchten und Stränden Badestopps ein. Wer sich danach immer noch nicht von Silberfarnen, Lianen und Südbuchen trennen möchte, hängt noch vier bis fünf Tage auf dem Inland Track an und kehrt durch das dichtbewaldete Hinterland des Parks zurück zum Ausgangspunkt in Marahau.

Der kleine Ort ist auch in der Nebensaison alles andere als verschlafen. Nur vier Stunden Gehzeit trennen Wanderer von der ersten Nacht im Park. Frühbucher und Glückspilze ergattern vielleicht einen Platz an der traumhaft gelegenen Te Pukatea Bay. Nur ein halbes Dutzend Stellplätze fasst das Camp an dem sichelförmigen Sandstrand. Mike und Kate, ein Pärchen aus dem etwa 30 Kilometer entfernten Nelson, sind schon da. »Without dishwashing!« Mike zeigt sich verblüfft von der Tatsache, dass man moderne Trekkingnahrung nur mit heißem Wasser aufgießen muss und direkt aus der Tüte essen kann. Er selbst trägt eine gusseiserne Pfanne und einen großen Campingkocher mit sich herum, auf dem wenig später Kidneybohnen mit Speck brutzeln. Seine Freundin Kate holt eine Flasche Rotwein aus ihrem Rucksack und zaubert zwei echte Gläser zwischen Geschirrtüchern hervor. Die beiden mögen nicht viel Ahnung vom Wandern mit Gepäck haben, aber wie man es sich gut gehen lässt, das wissen sie genau.

Den richtigen Weg dazu haben sie gewählt. Kein anderer Great Walk Neuseelands macht es Wanderern so leicht wie der Abel Tasman Track: Tagesetappen zwischen 6 und 13 Kilometern, und das ohne nennenswerte Steigungen. Das kommt selbst schwer bepackten Anfängern entgegen, und an jedem Strand besteht die Möglichkeit, sich von einem Wassertaxi abholen zu lassen. Kein Wunder, dass der Abel Tasman Track der beliebteste des Landes ist. Die Parkverwaltung zählt 30?000 Wanderer im Jahr, die wie Kate und Mike mindestens eine Nacht im Park verbringen.

Die beiden schlummern noch in süßen Träumen, als morgens um sieben die deutschen Nachbarn schon mit den Müsliriegeln knistern. Um das Wegstück durch das Sandwatt an der Torrent Bay bei Ebbe zu erwischen, stehen wir früh auf. Sechs solcher »Tidal Passes« gibt es auf dem Track, manche sind nur für zwei Stunden »offen«. Trockenen Fußes gelangen wir auf die andere Seite, wo der Weg in den Wald führt. Das frühe Aufstehen lohnt, man erlebt den Park beim Erwachen. Die Feuchtigkeit der Nacht hängt noch in den Bäumen. Was in der Sonne grell und leuchtend wirkt, erscheint matt und gedämpft. Eine eigenartige Ruhe liegt über den Dingen. Kühle Luft und ausgeruhte Beine erlauben ein höheres Tempo, als es sich in einem Paradiesgarten ziemt.

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Autor: Alexander Krapp

© Outdoor : Ausgabe 12, 10/2009, 2009

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