Insel-Rundtour Tasmanien

Tasmanien: Naturerlebnisse auf Treks und im Kajak


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Trekking in Tasmanien
Foto: Bernd Jonkmanns

 

Ein natürlicher Bachlauf.
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Sonnenuntergang
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Paddler auf dem Meer.
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Die Steilküste Neuseelands
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Regenwälder, einsame Küsten, ungezähmte Berge - eine Rundreise zu den Naturwundern Tasmaniens und die besten Treks der Insel hier.

Eine eisige Windbö pfeift um die Felsen von "Marion’s Lookout" im tasmanischen Hochland und kräuselt die Oberfläche des 300 Meter tiefer gelegenen Dove Lake. Wolken ziehen am eben noch blauen Himmel und über den 1545 Meter hohen Cradle Mountain. Wie eine Pyramide ragt er auf, eine Bastion mit Zinnen an der rechten Flanke. Rob, der hier als Guide arbeitet, lächelt gelassen und sagt: "Willkommen in der tasmanischen Wetterküche!"

Tasmanien: Outdoor-Insel im Indischen Ozean

Mit der Spitze nach Süden liegt die pfeilförmige, 300 Kilometer lange Insel des Indischen Ozeans; von Australien trennen sie nur 240 Kilometer – ein Outdoor-Spielplatz für Abenteuer zu Land und zu Wasser, solange man wetterfest ist. Denn starke Westwinde können Sonnenschein selbst im Sommer im Nu in Schnee verwandeln. Auch sonst gebärdet sich Tasmanien wild: Rauschende Flüsse schneiden tief in das unberührte Gebirge, Pandani – Heidebäume, die wie Palmen aussehen – stehen neben Teebäumen und grünem Eukalyptus um Seen, und im Nordwesten wuchert der Regenwald »Tarkine«. Kängurus und andere Beuteltiere wie Wombats und Tasmanische Teufel durchstreifen Heideland und Wälder.

Kann man das alles auf einmal sehen?

Man kann es auf einer Rundtour durch Tasmanien versuchen. Sie führt von Hobart im Süden nach Launceston im Norden und über Queenstown im Westen zurück. Auf dem Midland Highway nach Launceston meint man, Europa nicht verlassen zu haben, denn er führt durch weite Hügel, wie sie England schöner nicht bieten könnte. Campbell Town holt einen geistig aus Europa zurück. Das Städtchen gleicht einer Wild-West-Siedlung: An einer Straße reihen sich ein paar Läden anein ander, dahinter beginnen wieder die Hügel. Bei Launceston biegt man nach Westen ab und folgt ab Deloraine kleinen Sträßchen zum Cradle Mountain Lake St. Clair National Park, der im Norden des tasmanischen Hochlands liegt. Schon in den 1920er Jahren entstand hier ein erstes Schutzgebiet. Die schmale Kitchen Hut am Fuß des Cradle Mountain erinnert an diese Zeit; übernachten darf man in dem histo-rischen Gebäude nur im Notfall. Außen sitzen Wanderer in sauberer Kleidung auf Steinen, neben sich ordentlich gepackte Trekkingrucksäcke, Trockenfrüchte und Thermosflaschen. Sie haben heute erst den sechstägigen Klassiker Overland Track begonnen. Vom Dove Lake führt er 85 Kilometer weit über das Hochland mit seinen Seen, Mooren, Heidebäumen und 1400 Meter hohen Bergen nach Süden zum Lake St Clair. Auf dem gepflegtesten Weitwanderweg Tasmaniens bieten Hütten Nachtquartiere, und Bohlenwege helfen über die schlimmsten Schlammpassagen. Wer es eine Spur abenteuerlicher mag, wagt sich in den Walls of Jerusalem National Park, der sich im Osten anschließt. Es gibt zwar einen Campground mit Plattformen für die Zelte, aber schon für die Besteigung des 1499 Meter hohen King David Peak ist Orientierungssinn zwingend. Wanderer können mehrere Tage abseits der Pfade die Berge erkunden, Flüsse überqueren und sich die besten Zeltplätze auf den Knopfgraswiesen suchen.

Nur rund 30 Kilometer westlich des Cradle Mountain wartet eines der offenen Geheimnisse Tasmaniens: Der Regenwald Tarkine steht unter diesem Namen auf kaum einer Landkarte, dabei ist ein Trip unter sein dichtes Blätterdach ein Muss. »Selbst Tasmanier kennen den Tarkine nicht«, sagt Colin. Er arbeitet als Guide für den Anbieter Tarkine Trails, der eine viertägige Auszeit im Regenwald anbietet. In engen Serpentinen steigt der schlaksige Colin unter hohen Bäumen voraus und hinauf zum Camp auf der Tiger Ridge. Jeder trägt Schlafsack und mehrere Lagen Kleidung im Rucksack; Colin hat Proviant für vier Tage verteilt, schleppt aber selber den Löwenanteil. Oben richten sich seine Gäste in Zwei-Mann-Wohnzelten ein, während er das offene Langhaus fegt und ein Feuer im Bollerofen entfacht, denn schneidender Wind saugt die Wärme aus den Knochen.

Schlechtes Wetter? Das lacht Colin einfach weg. »He, das ist ein Regenwald – der heißt nicht umsonst so!« Er überredet die nächsten Tage albenle, sich wasserdicht einzupacken und mit ihm in den Regen zu marschieren. »Wir haben zwei, drei giftige Schlangenarten, aber die größte Gefahr ist das Verlaufen«, sagt Colin. Tatsächlich – dreht man sich um, weiß man vor lauter mannshohen Farnen, Südbuchen, Nelkenzimtbäumen und Scheinulmen nicht mehr, woher man kam. Der Wald tropft leise vor sich hin; verirrt sich ein Sonnenstrahl, leuchten die Bäume und Büsche magisch grün. Einmal schiebt Colin ein paar Äste zur Seite und enthüllt eine von vielen Kameras. Sie zeichnen das verborgene Leben der Tasmanischen Teufel auf. Viele sterben an einem kaum erforschten Krebs; im Tarkine gibt es eine noch gesunde Population. »Wahrscheinlich sind sie selber schuld«, erklärt Colin. Denn die Teufel haben die üble Angewohnheit, sich gegenseitig ins Gesicht zu beißen und so Viren zu übertragen. Nach so viel Wald steht einem der Sinn nach Meer. Auch an Tasmaniens Küsten ziehen Wanderwege entlang, darunter der South Coast Walk. Er folgt einer unberührten Küste und schlängelt sich durch grasbedeckte Berge und alte Eukalyptuswälder. Zwar muss man dafür von Hobart zum Start der Tour fliegen, doch die Verbindung ist gut.

Tasmanien vom Kajak aus entdecken

Aber zu einer Tasmanienreise gehört unbedingt auch eine Paddeltour. Die wettergegerbte Kim und der entspannte Jan von roaring40skajaking packen Kajaks auf den Hänger, und schon geht es von Hobart in eineinhalb Stunden auf Landstraßen in die Fortescue Bay. Dort stehen alle mit den Spritzdecken um die Taille wie verlorene Enten am Strand. Dann gleiten die Kajaks ins Wasser, und der Trupp paddelt am Ufer entlang. Auf Felsen hocken schwarzgesichtige Kormorane, und Robben heben ihre Nasen neugierig aus den Fluten. Nach einem Lunch aus Wraps, Keksen und Kaffee paddelt das Grüppchen zurück. Auf halbem Weg zeigt sich plötzlich eine Finne im Wasser. Ein Wal! Vorsichtig drehen alle bei und dümpeln auf den Wellen. Auf und ab taucht die Rückenflosse, so nah, dass Jan flüstert: »Ich kann ihn riechen – quite fishy.« Wie zum Abschied hebt sich die Fluke. »Bye bye and thank you«, ruft Kim, als der Wal aus der Fortescue Bay gleitet.

Reiseinfos Tasmanien

Hinkommen:
Mit der australischen Fluggesellschaft Qantas geht es mehrmals täglich von Frankfurt nach Hobart, mit mehreren Zwischenstopps, Hin- und Rückflug ab 1300 Euro, qantas.com.au »Rumkommen Busse fahren Städte und größere Orte an (tassielink.com.au), aber kaum die Startpunkte der Wanderungen. Besser: Mietwagen nehmen, z. B. über sixt.de, avis.de (ab 27 Euro/ Tag bei 4 Wochen Leihdauer).

Orientieren:
Für den Rundtrip per Auto ist man mit der Travel Map Tasmania (Carto Plus, 1:575 000, ca. 4 Euro) gut beraten. Zum Wandern reichen oft die Kärtchen im Rother-Führer Tasmanien (18,90 Euro); für knifflige Wege: Karten von TASMAP (1:25.000, tasmap.tas.gov.au, um die 7 Euro).

Informieren:
Allgemeine Infos zu Australien & Tasmanien bietet australia.com. Lieber schmökern? Barbara Barkhausens »Australien-Lesebuch« (Mana-Verlag, 24,80 Euro) versorgt mit wichtigen Fakten zu Geschichte, Kultur und Wirtschaft, abgerundet von Reportagen, Porträts und Fotos.

Beste Reisezeit:
Im tasmanischen Sommer (Dezember bis Februar, Temperaturen bis zu 20 Grad) wandert man am besten. Aber selbst dann können einen Regen und Schneefälle überraschen, vor allem bei Touren in den Bergen.

Unterkünfte:

  • in Hobart: Das Hotel Collins ist eine Mischung aus Backsteinbau und Hochhaus und liegt wunderbar nah am Hafen. DZ ab 110 Euro. hotelcollins.com.au
  • am Cradle Mountain: Hier lohnen die urige Pepper‘s Cradle Mountain Lodge (cradlemountainlodge.com.au, DZ ab 110 Euro) und das Cradle Mountain Chateau Hotel (cradlemountainchateau.com.au, DZ ab 116 Euro). Beide Häuser trennt eine kurze Fahrt vom Dove Lake, dem Ausgangspunkt für Wanderungen auf und um den Cradle Mountain. Näher am See liegen die Waldheim Chalets: Vierer-Blockhütte mit Stockbetten und Küche ab 65 Euro, sheffieldcradleinfo.com.au
  • in Launceston: Sehr stylish wohnt es sich im Hotel Charles – das Extra an Zivilisation genießt man besonders nach einer Zelttour. Das Stadtzentrum und die Schlucht des Flusses Tamar liegen in fußläufiger Entfernung. DZ ab 90 Euro, hotelcharles.com.au

Essen, Trinken & Action in Tasmanien

Aussie-Bar:
Bodenständig und gut speist man im Brunswick Hotel in Hobart. Es verbindet das Flair einer typisch australischen Kneipe mit einem modernen Anstrich und bietet auch Übernachtungen an. hotelbrunswick.com.au

Bier & Livemusik:
An der Waterfront, den Straßen und Gassen direkt am Hafen, geht Hobart aus: Hier gibt es Livemusik und gutes Essen. Wer es gerne irisch mag, sollte im Irish Murphys vorbeischauen: irishmurphys.com.au

Fisch & Wein:
In Launceston kann man in der aus Holz gebauten, früheren Mühle Ritchie‘s Mill stilvoll essen gehen, vor allem Fisch: stillwater.com.au

Tasmanien erleben:
Im Tarkine Rainforest wandert man zu Fuß durch Regenwald zum Langhaus und erkundet von dort aus den Dschungel. Immer zwei Personen schlafen in einem Hauszelt (ca. 1200 Euro/4Tage). tarkinetrails.com.au haben außerdem einen Dschungeltrek und eine Küstenwanderung im Angebot. Auf Halb-, Ganztags- und Mehrtagestouren lernen Paddler im Seekajak Hobart oder die tasmanischen Küsten aus neuer Perpektive kennen. Touren ab ca. 60 Euro, etwa bei roaring40skayaking.com.au

Anbieter für Tasmanien-Reisen

Karawane Reisen: 14 Tage Tasmanien, ab 1575 Euro.
www.karawane.de

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03.02.2016
Autor: Kerstin Rotard
© outdoor
Ausgabe 12/2014