Bergsteigergeschichte am Mount Everest - ein Rückblick

60 Jahre Erstbesteigung des Mount Everest


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Mount Everest & Lhotse Luftaufnahme
Foto: shrimpo1967 unter CC-BY-SA-2.0

 

Nordseite des Mount Everest
Foto: Luca Galuzzi - www.galuzzi.it (CC-BY-SA-2.5)

 

Nordseite K2
Foto: Kuno Lechner unter CC-BY-SA-3.0

 

Kangchenjunga
Foto: Siegmund Stiehler unter CC-BY-SA-3.0

 

Lhotse
Foto: Uwe Gille unter CC-BY-SA-3.0
Am 29. Mai 2013 jährt sich die Erstbesteigung des Mount Everest zum 60sten Mal. Ein Rückblick auf die bewegte Geschichte des Alpinismus am "Dach der Welt".

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Tenzing Norgay, ein nepalesischer Bergsteiger und Hochträger vom Volk der Sherpa gelang gemeinsam mit dem Neuseeländer Edmund Hillary am 29. Mai 1953 die Erstbesteigung des Mount Everest. 60 Jahre sind seither vergangen, und rund 3684 Bergsteiger und Sherpas haben es ihnen nachgemacht - manche von ihnen sogar mehrfach.

Mal hat der Mount Everest seine Bezwinger geduldig gelitten, mal hat er ihnen die kalte Schulter gezeigt oder sie gar für immer bei sich behalten. Seit 1922, dem Jahr der ersten großen Everestexpedition, starben bis heute 219 Menschen am 8850 Meter hohen Mount Everest.

 

Mount Everest & Lhotse Luftaufnahme
Foto: shrimpo1967 unter CC-BY-SA-2.0 Luftaufnahme: Der Mount Everest überragt den davorliegenden Lhotse.

Die Anziehungskraft des Mount Everest

Die Anziehungskraft des Mount Everest auf Alpinisten erklärt sich mit seiner superlativen Höhe. Dass er auch auf Menschen, die ein Steigeisen kaum von einem Dosenöffner unterscheiden können, eine große Magie ausübt, liegt neben dem Nimbus des höchsten Bergs der Welt auch an der suggerierten Verfügbarkeit: Einige touristische Touren-Anbieter bieten eine "Mount Everest-Besteigung" an wie eine weitere Sehenswürdigkeit bei einer Rundreise.

Für das Gros der Everest-Aspiranten zählt allein der Gipfel, und dementsprechend erfolgen die allermeisten Besteigungen über eine der beiden Hauptaufstiegsrouten. Das hat zur Konsequenz, dass nicht nur am Gipfel und in den Basislagern, sondern auch auf dem Weg der Erstbesteiger über Südsattel und Südostgrat oft ein gefährliches Gedränge herrscht. Zwar werden vor allem von kommerziellen Expeditionen die Anstiege annähernd flächendeckend mit Fixseilen ausstaffiert, um ihrer Klientel ein möglichst gefahrloses und schnelles Vorwärtskommen zu ermöglichen, trotzdem kommt es an neuralgischen Stellen am Mount Everest des öfteren zu Staus.

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Mount Everest Foto: Jozef Kubica
Mount Everest Foto: Jozef Kubica
Mount Everest Foto: Jozef Kubica

Eisige Höhen und Todeszone am Mount Everest

Dies ist keine Lappalie: Vor allem in der "Todeszone" oberhalb von 7500 Metern führt eine längere Verweildauer schnell zu Erfrierungen oder noch dramatischeren Konsequenzen. Dass der Weg zum und besonders der Abstieg vom Dach der Welt auch im Zeitalter täglicher Everest-Wetterberichte aus Innsbruck und gewerblicher Expeditionen kein Spaziergang ist, sollte dank Jon Krakauers Bestseller ("Into Thin Air" oder "In eisige Höhen") über die Tragödie von 1996 eigentlich mittlerweile rund um den Globus bekannt sein.

Neben den Gefahren für Leib und Leben bewirkt der Massenansturm auch stetig wachsende Müllberge am Everest. Fäkalien, alte Seile und leere Sauerstoffflaschen sind mittlerweile fester Bestandteil der vormals einzigartigen Hochgebirgsszenerie. Zwar gab es schon Aufräumexpeditionen, auf lange Sicht wäre aber ein Entsorgungskonzept erstrebenswert, das alle Expeditionen verpflichtet, ihren Müll auch wieder abzutransportieren.

Mount Everest by fair means

Neben den Erstbegehungen sah der Everest auch andere innovative Leistungen. Junko Tabei war 1975 die erste Frau auf dem Everest, den sie über den Südostgrat erreichte. 1978 mussten dann alle bis dahin geltenden Erkenntnisse über die Physiologie des Höhenbergsteigens ebenso wie die Definition des Begriffs "by fair means" umgeschrieben werden, als Reinhold Messner und Peter Habeler am 8. Mai den Gipfel ohne künstlichen Sauerstoff erreichten.

Seit dieser bahnbrechenden Leistung sind viele Alpinisten der Ansicht, dass nur noch Besteigungen ohne Flaschensauerstoff anerkannt werden sollten - schließlich reduzieren sich die Ansprüche mit Sauerstoffmaske auf die eines Siebentausenders. Zwei Jahre später gelang Messner sein zweiter großer Wurf am höchsten aller Gipfel: der erste komplette Alleingang, dazu ohne künstlichen Sauerstoff und auf einer neuen Route im oberen Teil der Nordwand – sicherlich die großartigste Leistung, die der Everest je gesehen hat.

Auf Seite 2: die alpinistische Chronik des Mount Everest


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23.05.2013
Autor: Kern / Burmester / Bücheler
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