Trekking auf dem Otter Trail in Südafrika

Entlang der Südostküste Afrikas: der Otter Trail


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Wandern auf dem Otter Trail in Südafrika
Foto: Christoph Jorda

 

Wandern auf dem Otter Trail in Südafrika
Foto: Christoph Jorda

 

Wandern auf dem Otter Trail in Südafrika
Foto: Christoph Jorda

 

Wandern auf dem Otter Trail in Südafrika
Foto: Christoph Jorda

 

Wandern auf dem Otter Trail in Südafrika
Foto: Christoph Jorda
Abenteuerliche Flussquerungen, Lagerfeuer und jeden Abend ein Bad im Meer – auf dem Otter Trail lernen Wanderer die wilde Küste Südafrikas kennen.

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Zikadengesänge empfangen Wanderer auf den steilen Serpentinen kurz nach dem Storms River Camp, dazu ein Geräusch wie ein ferner Güterzug: das Meer. In einer halben Stunde führt das erste Stück des Wegs zum Strand und zieht dann im Auf und Ab die Küste entlang. Felsige Abschnitte wechseln mit urigen Pfaden. Das Rauschen der Wellen begleitet den ganzen Otter Trail. Fünf Tage lang folgt er der Südostküste Südafrikas vom Storms River Camp nach Nature’s Valley. Abenteuerliche Flussquerungen warten hier ebenso wie wunderbare Camps für die Nacht, die der Wildnis des Tsitsikamma-Nationalparks einen Hauch Komfort verleihen.

Auf der ersten Etappe begegnen einem noch Tageswanderer vom nahen Storms River; ab dann ist man unter sich: Pro Tag dürfen zwölf Wanderer starten. Jeden Morgen zerstreut sich das Feld, jeder geht sein Tempo, und abends trifft man sich im Camp. Der Trail überwindet insgesamt zwar nur 1300 Höhenmeter im Auf- und 1500 im Abstieg, aber die bis zu 200 Meter hohen Klippen haben es in sich - vor allem bei 30 Grad und mit dickem Rucksack. Der ist nötig, denn man muss Essen, Kocher, Schlafsack und Kleidung mitnehmen.

Stimmungsvoll: Die Ngubu Huts

Am Ende des ersten Tags führt der Weg durch freigeschlagene Tunnel aus Farnbäumen, Eisenhölzern und Steineiben, dann tauchen die Ngubu Huts auf. Sie bilden das erste von vier baugleichen Camps: Zwei Hütten mit Stockbetten für je sechs Personen fügen sich in die Landschaft ein. Dazu eine halb offene Gemeinschaftshütte, Feuerstellen, ein Klohäuschen und eine Freiluftdusche – fertig ist die Mini-Siedlung. Holz liegt bereit; man ist aber zur Sparsamkeit angehalten, denn die nachrückenden Wanderer sollen am nächsten Tag auch Brennmaterial vorfinden.

Abends lodern die Flammen auf, es riecht nach Grillgut und Meeresluft. Gielie wendet geübt fettzischende Steaks. „Wir haben eigenes Fleisch dabei“, sagt er. „Und jede Menge Whisky!“ Er gehört zu einem Sechser-Trüppchen Farmer, allesamt waschechte Südafrikaner mit europäischen Wurzeln. Sie legen Wert auf Lagerfeuer und ein gepflegtes Barbecue. „Bis morgen reicht unser Fleischvorrat“, erzählt Gielie. „Danach wird es schlecht bei der Hitze.“

 

Wandern auf dem Otter Trail in Südafrika
Foto: Christoph Jorda Immer wieder taucht der Weg in typisch südafrikanischen Urwald ein.

Panoramatag mit duftenden Fybnos-Heiden und Küsten-Urwald

Strahlend blauer Himmel kündigt den nächsten Schönwettertag an. Die Farmer sind schon lange weg, als der Rest der zwölf Wanderer nach und nach aufbricht: zuerst das Pärchen Neels und Marilyne, dann Johan mit Gerda. Es geht über Treppen und Brücken aus dem Urwald auf die Klippen. Würziger Duft hüllt die Wanderer ein, erst riecht es nach Lebkuchen, dann süß wie Honig: Die Heidepflanzen des Fynbos blühen und nehmen einen Großteil des Hochplateaus ein. Dazwischen leuchten violett Blüten wie Löwenmäulchen, eine weiß-gelbe Blume erinnert an Enzian. Aus dem Fynbos ragt ein Felssporn empor und gibt den Blick auf die zerklüftete Steilküste frei. Eine gute Wanderstunde westlich schneidet das Tal des Kleinbos-Flusses in die Klippen, die erste echte Flussquerung des Trails.

Neels und Marilyne werfen kaum einen Blick auf die Aussicht. Sie sind Rentner; er war früher bei einer Minengesellschaft tätig, sie im Finanzsektor. Neels leuchtet schon von weitem neonorange über die Heide. Er trägt eine Schwimmweste am Rucksack, denn wandern – schön und gut, aber vor Wasser ist ihm etwas bange. Die beiden gehen rasch weiter, denn sie wollen die erste Flussquerung hinter sich bringen. Auf dem Trail warten unzählige Wasserläufe, die meisten quert man über Trittsteine oder Brückchen, bei den größten hilft nur waten. Als besonders knifflig gelten der Elandsbos an Tag drei und der Bloukrans auf der vierten Etappe: Ihre Furten liegen direkt am Meer, die Flut drückt mächtig den Flusslauf hoch. Deswegen bekommen alle Wanderer am Start eine Fluttabelle und den dringenden Rat, die Gefahrenstellen nur bei Ebbe in Angriff zu nehmen.

Der Kleinbos jedoch plätschert harmlos unter Bäumen zwischen dicken, rundgewaschenen Felsen durch und bietet schattige Rastplätze – ideal für die Mittagspause. Die Querung? Ein bisschen Gestocher mit den Trekkingstöcken und etwas Obacht, dass man von den Steinen nicht abgleitet. Maximal wadenhoch reicht das Wasser. Neels lächelt erleichtert ein schüchternes Lächeln: keine Schwimmeinlage! Wer hingegen das nächste Camp nicht zum Schwimmen nutzt, ist selber schuld: Ein breiter Strand lädt zum Sonnenbad, dahinter lockt das Meer. Die Farmer Boys ruhen sich schon lange halb nackt im Schatten vor ihrer Hütte aus, als Johan und Gerda eintrudeln. Wie auf rohen Eiern staksen sie die Stufen zur Hütte hoch. Sie haben sich mit dem Weg übernommen. Vor allem Johan quält sich: „Ich dachte, ich wäre recht sportlich. Aber Tennisspielen ist eine ganz andere Nummer als das hier.“ Er setzt den Rucksack ab und fragt: „Wird es morgen wieder so heftig?“ Da erwarten ihn zwei Flussquerungen auf Meereshöhe, eine davon heikel. Will Johan das jetzt wirklich schon wissen?

Augen zu und durch: im Regen durch den Elandsbos River waten

Am Abend ziehen Wolken her auf, nicht ungewöhnlich an der Küste, auch im Sommer. Die Farmer grillen die letzten Lammkoteletts. „Morgen gibt es Regen“, prophezeien sie. „Zum Otter gehört das einfach dazu.“ Direkt hinter ihnen glimmen aus dem Dämmer Augenpaare, Flecken zeichnen sich auf hellem Fell ab. Ginsterkatzen! Sie haben spitzere Schnauzen als Hauskatzen und eine ebenso große Neugier. Als alle in den Betten liegen, plumpst etwas in der Hütte, fast hätte man es überhört. Ginsterkatzen gehören nicht umsonst zu den Schleichkatzen: Einer der gewieften Räuber hat sich unbemerkt in die Hütte gestohlen und auf dem Tisch das Erstbeste geschnappt. Mit ihrer Beute wetzt die Katze in den Busch. Am nächsten Morgen fehlt Marilynes Kaffee, und irgendwo ist einer Ginsterkatze vermutlich sehr übel.

Aber dafür schweben nur Wolkenschleier am Himmel. Nach einer halben Stunde Gehzeit wähnt man sich plötzlich in Wales: Sanft und grün strahlt der Fynbos, ab und an taucht der Weg in Tunnel aus Busch. Das Meer bricht sich weiß gischtend an steilen Felsen. Die steinernen Riegel erinnern an vergessene U-Boote aus einem vergangenen Krieg, zerfressen von Wind und Wellen und großen Stürmen. Es zieht langsam zu, dann setzt feiner Niesel ein. Am Elandsbos River regnet es in Strömen. Doch das ist auch schon egal, denn die tiefste Stelle der Furt reicht bis zur Brust. Schicksalsergeben hebt man den Rucksack auf den Kopf und watet ans andere Ufer. Dort noch ein paar Schritte durch schweren, feuchten Sand, dann zieht der Weg unter Steineiben und durch Fynbos zu den Oakhurst Huts.

 

Wandern auf dem Otter Trail in Südafrika
Foto: Christoph Jorda Selbst bei Ebbe steht der Bloukrans River erschreckend hoch.

Eine echte Herausforderung: die Querung des Bloukrans River

Die Wackelkandidaten Johan und Gerda stehen am Morgen angeschlagen, aber abmarschbereit vor der Hütte, und Johan sprüht vor guter Laune: „Ich sage nur: zweitletzter Tag!“ Ein Weißbrustkormoran hockt auf den Felsen wie die oberste Figur eines Totempfahls, die Flügel im rechten Winkel vom Körper gespreizt. Er wendet sich immer wieder im Sonnenschein, die letzten Wolken ziehen weiter. Der Pfad schlängelt sich durch Bäume mit wild verdrehten und verschlungenen Ästen. Plötzlich flattert ein Schatten durch den Wald, rote Flügel blitzen, dazwischen Dunkelblau: ein Knysna Leorie. Er heißt zu Recht Federhelmturako – ein knallgrünes Federbüschel steht auf seinem Kopf zu Berge. An den Küstenfelsen trocknen Kormorane und Reiher fächelnd ihr Gefieder, ein munterer Bach mäandert durch ein sattgrünes Tal dem Meer zu. Aber der Pfad steigt hinauf an den Rand der Klippen, zu einem Naturpool, in dessen Zulauf Krabben nach Beute zangeln. Die Ellbogen auf dem Felsrand, schaut man beim Baden aufs weit unten schimmernde Meer. Eine schöne Atempause, denn jetzt geht es dem Knackpunkt des Otter Trails entgegen: dem Bloukrans River. An seinem Ufer liegt rundgewaschenes Schwemmholz wie die Knochen uralter riesiger Tiere, rostbraun fließt der Fluss ins Meer. An seiner Mündung wirft die Dünung gewaltige Wellen auf. Johan und Gerda sind schon auf der anderen Seite und winken mehr als erleichtert herüber. Den Rucksack auf dem Kopf geht es ins Wasser. Die Strömung zerrt an den Füßen, an der tiefsten Stelle reicht das Wasser bis zum Kinn. Natürlich wogt gerade jetzt eine Riesenwelle heran, hilfloses Strampeln, den Rucksack oben halten! Leichtes Abtreiben, dann bohren sich die Sohlen in Sand. Geschafft! Aber jetzt muss man scharfkantige Felsen hochklettern.

Marilyne sagt am Abend, dass sie das schlimmer fand als den Fluss. „Ich kann nicht gut klettern, und dann noch das schwere Gepäck!“ Die Farmer Boys treiben andere Gedanken um: „Der Pub in Nature’s Valley macht um zehn auf. Dann wollen wir da sein.“ Dass ein hübscher Weg durch duftenden Fynbos dorthin führt, vorbei an Proteen, den Nationalpflanzen Südafrikas, mit ihren blassroten, fedrigen Kelchen – egal. Und auch der Hatsch durch die Straßen von Nature’s Valley schert sie nicht. Am Ende treffen sich alle im Pub, vor dem heruntergewanderte Schuhe in einem Baum hängen. Nur Johan und Gerda sind schon in ihrem Quartier, froh, dass es vorbei ist. Der Rest futtert sich durch die Speisekarte, in beschlagenen Gläsern perlt das verdiente Bier.

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27.05.2014
Autor: Kerstin Rotard
© outdoor
Ausgabe 11/2013