Südafrika: Wandern rund um Kapstadt

Outdoor-City Kapstadt in Südafrika


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Outdoor-City Kapstadt
Foto: Lars Schneider

 

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Kaum eine Metropole bietet Outdoorern so viele Möglichkeiten wie Kapstadt. Vor allem Wanderer schöpfen am Kap der Guten Hoffnung aus dem Vollen.

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Es gibt keine gesicherten Aufzeichnungen über die Erstbesteigung des Tafelbergs. Fest steht nur, dass der Holländer Jan van Riebeeck 1652 im Auftrag der Niederländischen Ostindien- Kompanie in der Tafelbucht eine Versorgungsstation für Schiffe auf dem langen Weg von Europa nach Indien aufbaute. Ob er damals erkannte, an welch landschaftlich einzigartigem Ort er sich befand, ist nicht überliefert. Tatsache ist aber, dass aus seiner Station am Fuß des Tafelbergs eine der aufregendsten Metropolen der Welt geworden ist. Und das auch für Outdoor-Fans. Denn da ist nicht nur das Meer, das die Stadt von zwei Seiten umspült und Surfer, Paddler, Schwimmer und Taucher lockt, sondern eben auch dieser Berg. 1087 Meter hoch an seinem höchsten Punkt, die Stadt nagt allenfalls ganz zaghaft an seinen Steilhängen, aber schon 200 Höhenmeter über dem Meer beginnen Natur und Wildnis, die sich über das weite Gipfelplateau gen Süden bis zum Kap der Guten Hoffnung fortsetzen. Eine unerschöpfliche Spielwiese, vor allem für Wanderer, Radfahrer und Trailrunner.

Die Großstadttrails locken

Katrin Schneider und Susann Schubert sind dem Ruf der Outdoor-City gefolgt. Beide verbringen sie so viel Zeit wie möglich in der Natur, die Hamburgerin Katrin auf den Treks der Welt; Susann kommt aus dem Erzgebirge und ist bisher hauptsächlich im Winter herumgekommen: Sie gehört zur deutschen Telemark-Nationalmannschaft. Zusammen wollen die beiden die Natur am Kap zu Fuß erleben, warmes Aprilwetter und die Metropole mit all ihren Annehmlichkeiten genießen – wo sonst auf dem Globus ließe sich das so schön kombinieren wie hier? Kapstadt ist übersät von Trails: Überall an den Hängen und oben auf dem Tafelberg zeigt die Wanderkarte Wege. Nach ein wenig Sightseeing, Souvenirshopping und dem Besuch einiger der vielen guten Cafés in der oberen Kloof Street nehmen sie noch vor Sonnenaufgang die Straße auf den 350 Meter hohen Signal Hill, den Nachbarn des Tafelbergs im Nordwesten. Sie sind nicht die Ersten heute: Vom Straßenrand leuchten ihnen die Stirnlampen der Läufer und die Reflektoren der Rennradler entgegen.

Die Uhr zeigt noch keine sechs, doch die Kapstädter trainieren schon, entweder allein oder in kleinen Gruppen. »Ganz schön sportlich. So etwas habe ich noch nirgends auf der Welt gesehen«, sagt Katrin. Der Himmel glimmt pink und orangefarben, als sie kurz vor dem Parkplatz am Si-gnal Hill am Straßenrand halten und aussteigen, um den Blick über das Lichtermeer der Stadt gleiten zu lassen. Mächtig und dunkel thront der Tafelberg im Hintergrund, drüben in Bo-Kaap, dem Stadtteil, der früher als Malaien-Viertel bezeichnet wurde, ruft ein Muezzin die Gläubigen zum Gebet. Seine Rufe überstimmen den noch spärlichen Verkehr. Dort unten, wo die Häuser so schön bunt leuchten, dass sie beinahe jeden Magazin-Artikel über Südafrika zieren, lebten lange Zeit fast nur Nachfahren ehemaliger Sklaven aus Südostasien.

 

Outdoor-City Kapstadt
Foto: Lars Schneider Morgens liegt Downtown Kapstadt noch im Dunst.

Kapstadt: Wanderung zum Lion‘s Head

Die ersten Meter auf dem Trail liegen hinter den beiden Frauen, als die Sonne über den Horizont kriecht. Jetzt geht es der Höhe nach: Zuerst leuchtet die Spitze des Table Mountain auf, dann der im Süden aufragende Lion‘s Head (669 m), und nach einer kleinen Weile streifen die Sonnenstrahlen auch die Dornenbüsche und Gräser des kleinen Plateaus auf dem Signal Hill. Vorbei an einer einsamen Kapelle führt der Weg zum Fuß des vier Kilometer entfernten Lion‘s Head, dann windet sich der Pfad langsam aufwärts um dessen nördliche Flanke. Der kleine Bruder des Tafelbergs ist zwar nicht so hoch, allerdings wartet eine kurze Kletterpassage unterhalb seines Gipfelplateaus. Oben spaziert man wie auf einer tischebenen Fläche hoch über einer der schönsten Städte der Welt umher, schaut nördlich zum Green-Point-Stadium hinunter, das für die Fußball-WM 2010 neu erbaut wurde, südlich an den Zwölf Aposteln entlang – achtzehn Gipfel, die auf einer Strecke von sechs Kilometern aus dem Massiv des Tafelbergs herausragen. Richtung Osten scheint sich das Häusermeer Kapstadts bis zum fernen Horizont zu erstrecken.

Ganz anders sieht es im Südosten des Tafelberges aus, wo zwischen Meer und Hang nur ein paar hundert Meter liegen, auf die sich Straße, Bahnlinie und ein paar Reihen Wohnhäuser quetschen. Das hört sich eng an, wirkt aber überhaupt nicht so. Und: Hier verläuft eine wunderbare kleine Rundwanderung, die an einem der klassischen Postkartenmotive Kapstadts beginnt, den bunten Umkleidehäusern von St. James. Sie gehören zum Rockpool, einem Gezeitenbecken am Atlantikstrand. Katrin und Susann sind vor Sonnenaufgang vor Ort – den Tag am Meer erwachen zu sehen, ist etwas ganz Besonderes. Mit den ersten Strahlen lassen sie die farbenfrohen Holzhäuschen hinter sich und auch einige Schwimmer, die jetzt schon dem kalten Atlantik trotzen. In einer lockeren Kette aus Läufern, Walkern und Spaziergängern verlieren sie sich immer am Wasser entlang gen Norden, dem Vorort Muizenberg entgegen. Dort verlassen sie den Meeressaum und wandern gut 150 Meter oberhalb durch dichte Vegetation zurück nach St. James.

Kapstadt: Alle Wege führen zum Tafelberg

Kapstadt ist voll von solchen Wegen, und jeder scheint irgendwann auf den Tafelberg abzuzweigen. Immer wieder anders, immer wieder schön. Die längste Tour hinauf zum höchsten Punkt beginnt 75 Kilometer weiter südlich direkt am Cape Point, nur einen Kilometer östlich vom Kap der Guten Hoffnung: Von dort zieht sich der Hoerikwaggo Trail in fünf Etappen über das Rückgrat des Tafelbergs bis zur Seilbahnstation oberhalb der Stadt. Übernachtet wird in Camps, die sich in die Natur einfügen, mit festen Zelten und echten Betten. Die Rucksäcke wiegen ein bisschen mehr als sonst, als Susi und Katrin am Visitor Center am Kap aus dem Taxi steigen. Dafür weht hier etwas kühlere Luft. Und im Bauch kribbelt die Abenteuerlust.

Der Trail existiert erst seit drei Jahren, und es entsteht schnell das Gefühl, dass sich das noch nicht rumgesprochen hat. Bis auf den ersten Tag sind die beiden völlig allein unterwegs. Erst abends, in den Camps, treffen sie auf andere Menschen: Parkangestellte, die sich um die Anlagen kümmern. Im Silvermine Camp ist es Tyler, tiefschwarz seine Haut, seine Augen und Zähne leuchten weiß unter der großen Hutkrempe hervor. Er ist diese Woche hier oben stationiert, aber es gefällt ihm nicht so recht, »es ist einsam und kalt«. Er hat es lieber etwas wärmer, wie unten in Cape Town oder besser noch weiter im Norden, wo seine Frau und seine Kinder leben. »Aber es ist ein guter Job als Ranger, das muss ich sagen.« Die Arbeitslosigkeit ist hoch in Südafrika. Drei Etappen liegen in Silvermine schon hinter den Frauen. An den Abenden wartet jetzt zwar kein Mojito mehr, kein Steak und kein Salat in einem der Restaurants an der Kloof Street, und stattdessen gibt es Pasta oder Kartoffelbrei aus der Tüte. Aber dafür erleben sie den Sternenhimmel und lauschen den Geräuschen der Wildnis – obwohl Kapstadt und seine Vororte nah sind, meist irgendwo unter ihnen, oft sogar sichtbar.

An den letzten beiden Tagen führt der Trail geradewegs zum Gipfel. Zwei Tage, in denen die Einsamkeit beglückt und die Pflanzenvielfalt – 1400 Arten wurden allein auf dem Tafelberg gezählt, mehr als in ganz Großbritannien – und die Lust auf dieses eine giftgrüne Glas voller Minze am Ende der Tour immer weiter steigt. »Wir gehen ins Manna Epicure, direkt vom Berg, ohne Umweg.« Denn dort, so viel ist sicher, gibt es den besten Mojito der Welt. Dass sie dem Ziel näherkommen, ahnen sie, als ihnen plötzlich eine fünfköpfige Familie in Strandsandalen gegenübersteht. »Geht es dort nach Kapstadt?« fragt der hilflose Vater auf Deutsch und zeigt recht genau in die Richtung, in der die Frauen vor fünf Tagen gestartet sind. »Nicht direkt. Aber der Weg ist verdammt schön.«

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07.03.2013
Autor: Lars Schneider
© outdoor
Ausgabe 1/2013