Zweipersonenzelte im Test 2016

Geräumiges Zelt für Trekkingtouren gesucht? - Test


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Zelte im outdoor-Test
Foto: Ralf Bücheler

 

Foto: Boris Gnielka

 

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Gute Zelte schützen vor Wind und Wolkenbruch, bieten viel Wohnkomfort und sind fix aufgebaut. Welche der zwölf Zweipersonenzelte in unserem Test 2016 diese Kriterien am besten erfüllten, lesen Sie hier ...
Zu den getesteten Produkten

Wenn Jens Hovgaard seine Arbeit aufnimmt, wird es laut und windig. So laut, dass sich seine Kollegen eilig Schaumstoffstöpsel in die Ohren prokeln, und so windig, dass sie vorher seinen Arbeitsplatz – eine große Wiese – nach Gegenständen absuchen, die fortgeblasen werden könnten. Erzeugt wird der Sturm von einem fast drei Meter hohen Koloss, der auch als Requisite eines Mad-Max-Films durchgehen könnte, eigentlich aber als Antrieb für Hoovercraft-Speedboote gebaut wurde. "450 Pferdestärken leistet mein Baby, das reicht für 200 Stundenkilometer Winddruck", sagt Jens, setzt sich auf sein Gerät und dreht den Zündschlüssel.

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So testet outdoor: Windmaschine
Foto: Boris Gnielka

Vor Jens und seiner Höllenmaschine steht eine lange Reihe von Trekkingzelten, die das outdoor-Testteam am Vortag akribisch errichtet und mit 30 Zentimeter langen Heringen so fest auf der Wiese verankert hat, dass sie auch dann nicht wegfliegen, wenn Jens Vollgas gibt. Es sind die Kandidaten des aktuellen Zelttests: zwölf Zweipersonenzelte, zwischen 280 und 880 Euro teuer und gemacht für den Allroundeinsatz: für die Zeltwiese in Bayern, den Sumpfboden in Lappland oder den Steinteppich in den Bergen. Ob sonnig-heiß, bitterkalt oder nass und stürmisch: In diesen Zelten soll man sich sicher fühlen, geborgen und natürlich auch wohl – ganz egal, auf welches Abenteuer man sich einlässt.

Um herauszufinden, mit welchen Zelten das am besten gelingt, hat das outdoor- Testteam ein Prüfprogramm entwickelt, das nicht nur auf den Nässe- und Windschutz der Zelte zielt, sondern auch den Wohnkomfort einschließt:

"Niemand möchte in einem dunklen, niedrigen Loch hausen, in dem er sich kaum rühren kann", so outdoor-Onlineredakteur Ralf Bücheler, der wichtige Stationen des Tests auf Video gebannt hat.

Hier geht's zu den Videos.

 

Trekking-Mahlzeit TreknEat
Foto: Boris Gnielka Ein großer Vorteil sturmfester Zelte: Man kann sie auf Panoramaplätzen aufbauen.

Zelte im Test 2016: Komfortwertung

Der Komfort im Zelt hängt nicht nur vom Platzangebot ab, sondern auch von der Belüftung und Anzahl der Vorräume. "Ideal sind Zelte, die zwei Apsiden an den Längsseiten bieten: So hat jeder einen Stauraum und Ausgang", rät outdoor-Profi Frank Wacker. Im Zelt-Test 2016 waren das die Zelte von Fjällräven, Marmot, MSR, Robens und Wechsel. Am meisten Komfort bietet das Robens Goshawk: Es hat nicht nur die größten Apsiden – eine davon lässt sich sogar mit Trekkingstöcken zu einer regenund seitenwindgeschützten Veranda erweitern –, sondern auch eine besonders effektive Belüftung und ein freundlich-helles Innenzelt mit senkrechten Seitenwänden. Ganz anders aufgebaut sind die Zweipersonenzelte von Rejka und Tatonka: Sie haben statt zwei Seitenapsiden eine extra lange Apsis an der Front. Eine Lösung, die vor allem Nordlandtrekker bevorzugen, da sie im großen Vorraum nasse Sachen ausziehen und kochen können, wenn es draußen regnet und stürmt. Dass es im Innenzelt der beiden Trekkingzelte etwas beengt zugeht, nimmt man da in Kauf. Schließlich werden sie so windschlüpfiger und leichter – zwei Kriterien, die nicht nur bei Nordlandfans hoch im Kurs stehen.

Nässeschutz & Sturmstabilität der Zelte

Wie auch der Nässeschutz, den outdoor diesmal gleich mehrmals testete: zuerst unter einer Beregnungsanlage, die einen zehnstündigen Wolkenbruch simuliert, dann beim dreitägigen Praxistest, bei dem es fast durchgängig regnete. Um so erfreulicher, dass fast alle Zelte dicht hielten. Nass werden kann es nur in den Modellen von Mountain Hardwear und Marmot – das aber mit seinem luftigen Moskitonetz-Innenzelt sowieso mehr für Urlaube im sonnigen Süden ausgelegt ist. Doch auch dort bläst es gerne mal empfindlich – wer den Mistral kennt, wird das bestätigen. Sturmstabilität ist also nicht nur bei Nordlandzelten Pflicht, weshalb outdoor viel Wert auf den Windtest legt – und Jens Hovgaard mit seinem Propeller alles gibt, um die Zelte mit sanft ansteigendem Windspeed bis an ihre Grenzen anzustürmen. Und die liegen diesmal hoch: Nur zwei der getesteten Zweipersonenzelte gehen schon bei 80 Sachen zu Boden: Mountain Hardwear Optic Vue 2.5 und MSR Elixir 2. Immerhin bleiben die beiden Zelte dabei – bis auf verbogene Stangen – unversehrt. Ebenso wie die übrigen Zelte im Test, die zum Teil noch bei Orkanwindstärke so gut stehen, dass man darin aufrecht sitzend eine Suppe schlürfen kann. Das gilt vor allem für das Tatonka Abisko.

 

Zelte im Test: Pluspunkt
Foto: Boris Gnielka

Tops & Flops:

Von innen verschließbare Lüfter sind eine praktische Sache. Bei den Zelten von Helsport und Tatonka lassen sich die Luftschleusen mittels Schnürzug schneedicht schließen. Ein Moskitonetz im Lüfter hält zudem lästige Tiere draußen.

 

Zelte im Test: Pluspunkt
Foto: Boris Gnielka

Bei Flaute sind Lüfter nur wirksam, wenn einer am Boden, ein zweiter am anderen Ende des Zeltes oben angebracht ist. So entsteht durch den "Kamineffekt" ein Luftstrom – bei den Zelten von Fjällräven, Helsport, Hilleberg und Salewa.

 

Zelte im Test: Pluspunkt
Foto: Boris Gnielka

Nichts ist lästiger, als beim Aufbau festzustellen, dass so mancher Hering nicht in den Boden geht, weil er auf Stein stößt. Mit vielen längenverstellbaren Heringsschlaufen (Robens, Tatonka, Wechsel) "umgeht" man das Problem.

 

Zelte im Test: Minuspunkt
Foto: Boris Gnielka

Beim Marmot Limelight 2P muss man die Sturmleinen selbst ans Zelt knoten, auch fehlen für zwei Abspannpunkte die Leinen. Mountain Hardwear überlässt das Knoten ebenfalls dem Kunden, liefert zudem nur zwei der vier nötigen Leinen mit.

 

Zelte im Test: Minuspunkt
Foto: Boris Gnielka

Bei neun der zwölf Zelte müssen die Gestängebögen beim Aufbau durch Stoffkanäle geführt werden. Beim Vaude Taurus sind diese zu eng, sodass man die Stangen – zumindest bei Nässe – nur mit viel Geduld hineinbekommt.

Fazit des Zelt-Tests 2016:

Das Tatonka Abisko, das Tunnelzelt mit extra großer Apsis, ist der Spitzenreiter beim Windtest: Es bleibt bis 150 km/h aufrecht stehen und wird erst bei 180 zu Boden gedrückt. Auch den Regentest meisterte das Zelt, das für Nordlandtrekker wie geschaffen ist: Es lässt sich im Handumdrehen aufbauen, super belüften und klein verpacken.

Material- und Verarbeitungsgüte des Tatonka Abisko sind ebenso vorbildlich wie das Gewicht: 2,7 Kilo sind für ein solch stabiles Zelt wenig, und der Verkaufspreis von 570 Euro angemessen – zumal es genügend Platz für zwei bietet. Wer sparen möchte, greift hingegen zum Rejka Antao II XL, dem zweiten Nordlandtunnel mit Riesenapsis. In puncto Wetterschutz, Komfort und Aufbauprozedur unterscheidet es sich vom Tatonka Abisko nur marginal. Kleine Abstriche muss man beim Gewicht (3,1 kg) sowie bei der Material- und Verarbeitungsgüte machen. Dafür kostet es allerdings auch nur 380 Euro.

Großgewachsene sollten aber bevor sie eines der beiden Zelte kaufen Probe liegen: Durch die am Fußende sehr schräg verlaufenden Wände können sie im Schlafsack liegend leicht gegen die Zeltwand stoßen. Ein Zelt, bei dem das garantiert nicht passiert, ist das Salewa Alptrek 2. Zwar gestaltet sich die Aufbauprozedur mit den vier Gestängebögen etwas umständlich, doch dafür verwöhnt das Zelt mit viel Komfort, kostet nur knapp 400 Euro und bietet selbst heftigen Stürmen Paroli. Mit 3,1 Kilogramm wiegt es zudem wenig, was es zum erstklassigen Biwakzelt für Touren in den Bergen macht. Wer hingegen einen richtigen Allrounder sucht, findet ihn bei den Zelten von Fjällräven, Robens und Wechsel. Sie alle schützen klasse vor Wind und Wolkenbruch, lassen sich leicht aufbauen und bieten mit seitlichen Apsiden viel Wohnkomfort, eine top Liegelänge und üppig Platz für zwei.

Mit Abstand am meisten Komfort bietet das günstigste der drei Test-Zelte: das 550 Euro teure Robens Goshawk. Das Goshawk ist ein Zelt, das auch sonst keine Schwächen kennt und deshalb zusammen mit dem für Nordlandtrekker perfekten Tatonka-Tunnelzelt den Testsieg 2016 verdient.

Die Testergebnisse der Trekkingzelte im Überblick

Trekkingzelt / Link zum Testbericht Preis Testurteil
Tatonka Abisko (Testsieger) 570 Euro Sehr gut
Robens Goshawk (Testsieger) 550 Euro Sehr gut
Rejka Antao II Light XL (Kauftipp) 380 Euro Sehr gut
Salewa Alptrek II (Kauftipp) 330 Euro Sehr gut
Fjällräven Abisko Dome 2 750 Euro Sehr gut
Hilleberg Nallo 3 880 Euro Sehr gut
Wechsel Pioneer Zero-G 580 Euro Sehr gut
Vaude Taurus UL 2P 490 Euro Gut
Helsport Fonnfjell Pro 2 700 Euro Gut
Marmot Limelight 2 P 320 Euro Befriedigend
Mountain Hardwear Optic Vue 2.5 280 Euro Befriedigend
MSR Elixir 2W 280 Euro Befriedigend

08.08.2016
Autor: Boris Gnielka
© outdoor
Ausgabe 08/2016