Zehn leichte Trekkingzelte im outdoor-Test 2012

Zweipersonen-Zelte im Test 2012


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Zehn Trekkingzelte im outdoor-Test 2012
Foto: Boris Gnielka

 

Zehn Trekkingzelte im outdoor-Test 2012
Foto: Boris Gnielka

 

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Zehn Trekkingzelte im outdoor-Test 2012
Foto: Boris Gnielka
Übernachten in freier Natur macht Laune. Alles, was man dafür braucht, ist ein gutes Zelt. outdoor hat zehn Zweipersonenzelte zwischen 360 und 900 Euro getestet und gibt die besten Tipps, wie es draußen beim Zelten richtig schön wird.
Vergleichbare Produkte im Test

Nur auf Zelttour erlebt man die Natur ungefiltert, sieht die Sonne unter- und aufgehen, den Mond seine Bahn ziehen und tausend Sterne funkeln. Man riecht den Morgen, bevor es hell wird, sieht Rehe, Füchse, Hasen, hört Bussarde kreischen, Kauze pfeifen, Amseln trällern oder Spechte hämmern. Und das kostenlos – ob in Deutschland, den Alpen oder Skandinavien. Alles, was man dafür braucht, sind Unternehmungslust, eine Matte, Schlafsack und – ein Zelt.

Eines, das nicht gleich beim ersten Windhauch umfällt, im Regen zur Badewanne wird oder bei Flaute zu einer stickigen Kondenswasserhöhle mutiert. Besonders teuer muss das Zelt gar nicht sein, das zeigen nicht nur vergangene Zelt-Tests von outdoor, das beweist auch der aktuelle Vergleich, in dem die Redaktion zehn neue Trekkingzelte auf Herz und Nieren geprüft hat.

 

Zehn Trekkingzelte im outdoor-Test 2012
Foto: Boris Gnielka Minimales Gewicht hat seinen Preis: 900 Euro kostet das knapp 1,9 kg leichte Helsport Fjellheimen.

Im Fokus des Tests: Kuppel- und Tunnelzelte

Alle Zelte besitzen ein rucksacktaugliches Gewicht von im Schnitt drei Kilogramm und sollen zwei Personen bequem ­Unterschlupf bieten. So weit die Gemeinsamkeiten. Weniger Eintracht herrscht beim Verkaufspreis: Er liegt zwischen 360 und stolzen 900 Euro, das Gros der Zelte kostet um 500 Euro. Auch in der Zeltform zeigt sich das Testfeld uneinig: Kuppel- und Tunnelzelte teilen sich das Feld fast paritätisch, nur geodätische Zelte sind nicht vertreten – für Trekkingtouren ist diese bei Expeditionen sehr beliebte Zeltform oft zu schwer.

Während Kuppelzelte zur Not auch ohne Heringe stehen bleiben und eine hohe Eigenstabilität aufweisen, muss man Tunnelzelte sehr sorgfältig abspannen – auch bei wenig Wind. Dafür wiegen sie bei gleichem Platzangebot oft deutlich weniger. Doch sagt die Form erst einmal wenig über die Leistungsfähigkeit eines Zeltes aus. Um sie zu prüfen, nehmen die Tester der outdoor-Redaktion alle zehn Zelte vier Wochen lang in die Mangel, wiegen sie mit einer Digitalwaage, messen mit ­einem Soutertester die Wasserdichtigkeit der B­odenwannen, bauen sie auf, kartografieren mit einem Laser-Entfernungsmesser die Apsiden und Innenräume, leben, kochen, essen und schlafen in ihnen.

Schließlich stürmt eine 500-PS starke Windmaschine alle Zelte von zwei verschiedenen Seiten bis zum bitteren Ende an. Kein outdoor-Test ist aufwendiger, zu Recht, denn ein Zelt muss viele Anforderungen erfüllen, um in der Natur zu bestehen – und im outdoor-Test ein gutes Urteil zu ergattern.

Leichtes auf- und abbauen bei Tunnelzelten - Kuppelzelte für Geduldige

Zunächst muss sich ein gutes Zelt einfach auf- und abbauen lassen – auch unter erschwerten ­Bedingungen, wie etwa im Wind. Am besten geht das mit den Modellen Jack Wolfskin Sanctuary 2 RT und Robens Goshawk. Auch die meisten ­anderen Tunnelzelte im Testfeld lassen sich flott binnen zwei bis drei Minuten aufbauen, vor ­allem solche Modelle, bei denen sich die Heringsschlaufen in der Länge verstellen lassen. Das erleichtert es, selbst in steinigem Boden sichere Ankerplätze für die Heringe zu finden.

Etwas mehr Geduld braucht man für die Kuppelzelte – mit Ausnahme des Hilleberg Rogen, das ebenfalls verlängerbare Heringsschlaufen besitzt und schon mit zwei Bodennägeln sicher steht. Doch mit der richtigen Technik bekommt man jedes der Testzelte problemlos und zügig aufgestellt und abgespannt – Voraussetzung für zuverlässigen Schutz vor Wind und Wolkenbruch.

 

Zehn Trekkingzelte im outdoor-Test 2012
Foto: Boris Gnielka Bei Wind und Wetter im Einsatz: unsere Testcrew.

Härtetest im dänischen Landregen

Wie gut die Testmodelle vor Wetterkapriolen schützen, müssen sie in Dänemark unter Beweis stellen. Dort schüttet es wie bestellt in Strömen, für den Sturm sorgt aber nicht das Tiefdruckgebiet, sondern die meterhohe Windmaschine. Mit ihr erzeugen die Tester einen langsam, aber stetig anschwellenden Luftstrom, der bei Vollgas mit über 160 Stundenkilometern auf die Prüflinge eindrischt – abwechselnd von zwei Seiten. Bei diesem Orkan bleibt kein Zelt mehr stehen, muss es auch gar nicht.

Für ein gutes Abschneiden reichen 70 km/h völlig aus, für ein sehr gutes sollten schon 100 Sachen drin sein. Zum Vergleich: Bei dieser Geschwindigkeit fliegen erste Dachziegel von den Häusern, brechen Äste und wird ein aufrechter Gang unmöglich. Dennoch bewältigen die meisten Testzelte die Windprüfung und bleiben bis 70 km/h locker stehen. Fjällräven Akka Dome 2 und Robens Goshawk schneiden am besten ab – sie bleiben bis 100 Sachen stramm stehen und ­gehen erst bei 120 zu Boden. Auch das Marmot Nusku 2P und das The North Face Westwind ­gehören zu den sturmtauglichen Testkandidaten. Schlusslicht vor der Windmaschine ist das Exped Mira II, das bereits bei 65 km/h einbricht.

Drei Tage lang trommelt das Nordmeertief auf die Zelte ein. Erfolglos: Bis auf minimale Saugeffekte beim Exped Mira II halten alle Modelle dicht. Bei den Bodenwannen sieht es genauso aus – das zeigt die Laborprüfung mit dem Soutertester. Nur beim Helsport Fjellheimen Superlight muss man nachhelfen und die unversiegelte ­Bodennaht vor der ersten Tour abkleben.

Fast genauso wichtig wie der Wetterschutz ist der Wohnkomfort eines Zeltes. Und der beschränkt sich nicht allein auf das Raumangebot im Innern. Will man sich richtig wohlfühlen, müssen auch die Vorräume (Apsiden) so groß sein, dass Rucksack, nasse Klamotten und Schuhe nebst Campingküche darin Platz finden. Ideal sind Zelte mit zwei Apsiden: So hat jeder seine eigene. Außerdem kann das Zelt dann bei Hitzestau auf Durchzug gestellt und bei Sturm leichter betreten werden – ein Eingang liegt immer im Windschatten.

Weitere Komfortmerkmale sind ein helles Innenzelt, weite, hohe Eingänge und von innen schließbare Lüfterhutzen. Als wahrer Wellnesstempel entpuppt sich vor allen anderen das Marmot Nusku 2P. In seinem hellgelben, geräumigen und hohen Innenzelt fühlten sich die Tester am wohlsten, doch auch Fjällräven Akka Dome 2, Hilleberg Rogen, Robens Goshawk und The North Face Westwind sammeln viele Wohlfühlpunkte.

Testfazit und alle Ergebnisse des Zelttests finden Sie auf Seite 2 und in der Fotostrecke (siehe oben)


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27.07.2012
Autor: Boris Gnielka
© Outdoor
Ausgabe 07/2012