Günstige Zweipersonenzelte und Allroundzelte im Test 2014

Test: Zehn Allroundzelte zwischen 270 und 580 Euro


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Zelte im Test 2014
Foto: Boris Gnielka

 

Zelte im Test 2014
Foto: Boris Gnielka

 

Zelte im Test 2014
Foto: Boris Gnielka

 

Zelte im Test 2014
Foto: outdoor

 

Zelte im Test 2014
Foto: Boris Gnielka
Ein gutes Trekkingzelt hält Wind und Regen ab, wiegt wenig und ermöglicht Nächte in zauberhafter Landschaft. Zehn Trekkingzelte für zwei - teilweise sogar drei Personen - haben wir 2014 getestet, verglichen und vor die 450 PS-starke Windmaschine gestellt.
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Drei Faktoren bestimmen den Wert einer Immobilie maßgeblich: die Lage, die Lage und die Lage. Ein Anwesen nach neustem Standard, im Grünen gelegen ist in vielen Regionen heute fast unbezahlbar. Grün wohnen muss man sich eben leisten können. Zumindest beim Feriendomizil ist das allerdings kein Problem. Wer hier die Mobilie - das Zelt - der Immobilie vorzieht, gewinnt auf ganzer Linie: Er bleibt flexibel, kann sich die schönsten Plätze aussuchen und muss dafür meist nicht einmal etwas zahlen. Nur das Schneckenhaus gibt es nicht umsonst. "Gute Trekkingzelte können durchaus auch um die 800 Euro kosten", sagt outdoor-Testredakteur Frank Wacker. "Schließlich bestehen sie aus wasserdichten, reißfesten und trotzdem sehr leichten Materialien, die so klein verpackbar sind, dass sie gut im Rucksack Platz finden."

Doch gibt es auch deutlich günstigere Zelte - und genau die haben wir uns für den aktuellen Test 2014 ausgesucht: zehn Allroundzelte zwischen 270 und 580 Euro, unter vier Kilogramm schwer und mit genügend Platz für zwei Personen - ideal also für Camp und Tour, ob vor der Haustür, im sonnigen Süden, in den Alpen oder in der verregneten, stürmischen Nordlandsteppe.

Drei Wochen lang mussten die getesteten Zelte einen anspruchsvollen Prüfparcours durchlaufen - der diesmal auch einen standardisierten Regentest beinhaltet: "Die neue outdoor-Beregnungsanlage simuliert einen zehnstündigen intensiven Wolkenbruch und bringt damit selbst kleinste Undichtigkeiten ans Licht", so Testredakteur Frank Wacker. Schließlich ist der Schutz vor Nässe die vornehmste Aufgabe eines Zeltes - und sollte heute eigentlich für die meisten kein Problem mehr sein. Ist er auch nicht, zumindest für neun der zehn Testzelte. Nur beim Nordisk Finmark 2 SI sickerte es am höchsten Punkt der Kuppel durch die Nähte - und tropfte ins Zelt.

"Silikonbeschichtete Zelte besitzen in der Regel keine bandversiegelten Nähte, halten aber durch ihre hydrophobe Oberfläche trotzdem dicht - meistens jedenfalls", so Testexperte Frank Wacker. Wer aber sicher gehen will, dass es auf Tour nicht reintropft, sollte silikonbeschichtete Außenzelte immer mit einer Tube Nahtkleber nachträglich abdichten. Die anderen beiden Silikonzelte im Feld - Rejka Vanua Light HC und Tatonka Polar 3 - halten aber auch ohne diese Maßnahme dicht, wie der Test zeigt. Damit beim Zelten - etwa auf feuchten Wiesen - der Hintern nicht nass wird, muss auch die Bodenwanne dicht halten. Selbst dann, wenn man sich im Zelt hinkniet oder mit den Ellbogen aufstützt, wodurch hohe Drücke aufs Material wirken. Auch das misst outdoor mit einem standardisierten Verfahren. Ergebnis: Bei den Zelten von Marmot und The North Face wird es feucht, der Rest hält dicht. Viele Modelle sind sogar so kräftig beschichtet, dass man sie im Sumpf aufstellen könnte.

Praxistest: Zelte im Sturm

Neben Nässe ist Wind der zweite Hauptfeind von Trekkingzelten. Er weht nicht nur in Schlechtwetterregionen, sondern auch im sonnigen Süden - und das, wie Mistral und Scirocco zeigen, auch mal in Sturmstärke. Dennoch zog outdoor für den Windtest gen Norden, ins kühle Dänemark, wo uns die Firma Oase eine über zwei Meter hohe und 450 PS starke Windmaschine zur Verfügung stellte, die bis zu 160 Stundenkilometer auf die Zelte drückt. Ihrem langsam anschwellenden Windstrom mussten die Testzelte sowohl von der Breit- als auch von der Längsseite möglichst lange standhalten, zumindest aber bis 70 km/h (siehe Zelt-Testberichte unten). Nur ein Zelt, das The North Face Talus 3, wird bereits bei dieser auch in unseren Breiten öfter herrschenden Windstärke auf den Boden gedrückt. Drei Modelle zeigen sogar Sturmbunker-Qualitäten: Mountain Hardwear, Robens und Tatonka bleiben selbst bei Sturmstärke, also Windgeschwindigkeiten jenseits von 110 Sachen, tapfer stehen (siehe Video).

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"Die man hoffentlich nie in Anspruch nehmen muss", meint Trekkingprofi Ralf Gantzhorn, der oft in stürmischen Regionen wie Patagonien und Schottland unterwegs ist: "Denn bei über 100 Sachen fliegen einem Steine um die Ohren, werden Äste abgeknickt und Wanderer, vor allem die mit großem Rucksack, einfach umgeweht." Gut, wenn dann wenigstens das Zelt stehen bleibt.

Allerdings nützt ein wetterresistentes Zelt wenig, wenn man darin wie in einer düsteren, niedrigen Höhle haust. In einem Zelt muss man sich wohlfühlen, schließlich kann es sein, dass man darin auch mal ein, zwei Regentage aussitzen muss. Dann freut man sich über ein geräumiges Innenzelt, in dem man aufrecht sitzen kann und das viel Platz in den Apsiden (Vorräume) bietet, um dort das Gepäck, nasse Klamotten und Schuhe zu lagern. Auch über eine helle, freundliche Farbe wird man dankbar sein. "Ein gelbes Innenzelt suggeriert Sonnenschein selbst bei räudigstem Wetter - das hebt die Laune ungemein", erklärt outdoor-Fotograf Lars Schneider, der oft in Lappland auf Zelttour geht.

 

Zelte im Test 2014
Foto: Boris Gnielka Innenraum des Tatonka Polar 3

Weitere Komfortfaktoren, die outdoor während des Praxistests prüft, sind die Größe der Eingänge und die Wirksamkeit von Belüftungsöffnungen, immerhin halten diese die Entstehung von Kondenswasser im Zaum. "Am effektivsten sind Lüfter am Dach des Zeltes", so Testprofi Wacker, "sie wirken zusammen mit einem Außenzelt, das nicht ganz auf den Boden reicht, wie ein Kamin: Warme, verbrauchte Luft steigt auf, zieht ab und lässt frische Luft von unten nachströmen.

"Bestnoten in der Komfortwertung ernten das mit vielen cleveren Komfortdetails ausgestattete Jack Wolfskin Yellowstone 2 Vent und das Tatonka Polar 3 – das einzige Zelt im Test, in dem auch drei Personen samt Trekkinggepäck bequem unterkommen. Schlusslicht bleibt das The North Face Talus 3: Seine locker in den Wohnraum hängenden Wände und die düstere Atmosphäre kosten in der Komfortwertung Punkte.

Ein weiterer Prüfbaustein widmet sich der Aufbauprozedur der Zelte. Sie sollte möglichst flott und unkompliziert, mit wenig Krafteinsatz und selbst mit zwei linken Händen locker über die Bühne gehen. Zeigten sich hier in der Vergangenheit häufiger Probleme, sieht es bei den aktuellen Testzelten fast durchweg klasse aus. Selbst die Modelle, bei denen man zuerst das Gestänge am Innenzelt befestigt, bevor man das Außenzelt darüber wirft, stehen im Nu. Vorbildlich: Mit Ausnahme des Nordisk Finmark 2 SI und des Vaude Mark L 3P lassen sich an allen Zelten zumindest die wichtigsten Heringsschlaufen in der Länge verstellen. "Sie sind vor allem auf steindurchsetztem Boden, wo Heringe nur an wenigen Stellen eine Lücke finden, eine große Hilfe", sagt Testredakteur Frank Wacker.

Und nicht nur da: Zelte, die man bei Sonnenschein aufbaut, flattern abends plötzlich im Wind, weil sich ihr Material durch Taufall - also Nässe - dehnt. Das Gleiche passiert nach einem Regenschauer. Im schlimmsten Fall setzt er erst nachts ein. Wenn es dann noch windet, wacht man vom laut flatternden, weil schlaff stehenden Zelt auf. Gut, wenn man das Zelt dann mittels Heringsschlaufen straffziehen kann, anstatt mühsam alle Heringe neu zu platzieren !

Testfazit und alle Ergebnisse auf Seite 2 des Artikels
- oder in den einzelnen Zelt-Testberichten:


Inhaltsverzeichnis


14.07.2014
Autor: Boris Gnielka
© outdoor
Ausgabe 6/14