Getestet: Zwölf leichte Trekkingzelte bis 3 Kilogramm

Trekkingzelte im Test 2015


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Zelte im Test 2015
Foto: Boris Gnielka

 

Zelte im Test 2015
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Ein gutes Zelt ist leicht und schützt vor Wind und Wolkenbruch. Zwölf Trekkingzelte bis drei Kilo haben wir getestet - hier erfahren Sie, welche Zelte 2015 überzeugten und woran Sie ein gutes Zelt beim Kauf erkennen.
Zu den getesteten Produkten

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Endlich Ruhe! So plötzlich der infernalische Sturm begann, und so heftig, wie er das Zelt einbeulte und letztlich zu Boden drückte, so rasch verschwand er auch wieder. Übrig bleiben ein windschiefes Zelt mit verbogenem Gestänge und die Erkenntnis, dass selbst das stabilste Zelt irgendwann nachgibt. Der Wind muss nur stark genug sein. Und das ist er immer. Jedenfalls in dem kleinen Örtchen Give, das in Süddänemark liegt. Schuld daran ist kein meteorologisches Wunder, sondern ein martialischer Stahlkoloss mit Karbonflügeln, beindicken Auspuffrohren und aufgeschraubtem Sitz. Auf ihm thront Jens Hovgaard wie ein post apokalyptischer Reiter aus Mad Max »Jenseits der Donnerkuppel«. Anders als Mel Gibson ist Jens nicht auf der Jagd nach Benzin, sondern der Techniker in einer von fünf Prüfstationen des outdoor-Zelttests.

Zusammen mit drei Redakteuren untersucht er, welche Windgeschwindigkeiten Zweipersonenzelte aushalten, bevor Sturmleinen reißen, Gestänge brechen - oder einfach nur verbiegen - und das mobile Stoffhaus unbewohnbar wird. Dazu ist viel Fingerspitzengefühl nötig, und bei beschädigten Zelten auch ein Ersatzgestänge und Flickzeug – schließlich prüft outdoor die Sturmfestigkeit von mindestens zwei Seiten. Windgeschwindigkeiten von 70 Sachen sollte ein gutes Zelt schon aushalten, ein sehr gutes mehr als 100. Die meisten Modelle, die Jens Hovgaard anbläst, schaffen das. Aber längst nicht alle ...

Zwölf Zelte hat outdoor für diesen Test ausgesucht

Es sind klassische Trekkingzelte, gebaut für Touren in aller Welt: von Nord-Norwegen bis Südafrika. Ob bei Sturm, Regen oder trockener Hitze, auf Sumpfboden oder Steinplatten errichtet – diese Modelle sollen mit jedem Gelände, jedem Wetter klarkommen. Schließlich kaufen sich die meisten Outdoorer nur ein Zelt – für alle Einsätze. Das zeigt zumindest die aktuelle Leserumfrage von outdoor. Sie zeigte auch, dass ein niedriges Gewicht das wichtigste Kriterium beim Zelt darstellt. Deshalb kommen für den Vergleich nur solche in Frage, die maximal drei Kilo schwer sind. Die leichtesten Modelle im Test wiegen sogar nur die Hälfte: das Marmot Amp 2 P und das Nordisk Halland 2 LW.

 

Zelte im Test 2015
Foto: Boris Gnielka Im langen Innenzelt des Exped Cetus 2 UL finden auch große Outdoorer genügend Platz.

Ein großes Platzangebot steht ebenfalls weit oben auf der Wunschliste der outdoor-Leser. Allerdings fallen die Vorstellungen der Hersteller über die nötige Größe eines Zweimannzeltes recht unterschiedlich aus. Das zeigt zumindest eine weitere Station im Prüfzyklus: die Raummessung. Bewaffnet mit einem lasergesteuerten Entfernungsmesser, ermittelt Test-Redakteur Frank Wacker die Innenräume und Apsiden (Vorzelte). »120 Zentimeter Breite gelten als Mindestmaß für ein Zweipersonenzelt«, sagt der Experte.

Auch die Länge spielt eine wichtige Rolle: Ist das Zelt zu kurz, drückt man im Liegen das Schlafsackfußteil an die Zeltwand. Die Folge: kalte Füße und meist auch ein vom Kondenswasser nasser Schlafsack. Damit das nicht passiert, sollte das Innenzelt mindestens so lang sein wie der Schlafsack, allerdings nicht auf Bodenhöhe, sondern 25 Zentimeter oberhalb davon. Das entspricht der ungefähren Höhe eines Sommerschlafsacks. »Zum Platzangebot zählen aber auch der Stauraum in der Apsis sowie vor allem die Kopffreiheit im Innenzelt«, erklärt Frank Wacker. »Schließlich möchte man bei Schlechtwetter gemütlich im Zelt sitzen, klönen und kochen können«, so der Fachmann. Am bequemsten wohnt es sich in den Kandidaten von Helsport und Wechsel, die nicht nur Sitzhöhe für zwei Personen bieten, sondern auch viel Stauraum in den Apsiden, zwei Eingänge und extrem lange Innenzelte.

Ob man darin im strömenden Regen trocken bleibt, zeigt die Nässeschutzprüfung. outdoor stellt dafür alle Zelte unter eine Beregnungsanlage – was dieses Jahr aufgrund des Wetters nicht nötig gewesen wäre. Stundenlange, ergiebige Niederschläge stellten die Zelte auf eine harte Probe – die alle Modelle meisterten. Schlechter fällt hingegen der Dichtigkeitstest der Bodenwannen aus, die outdoor im Praxiseinsatz mit Löschpapier und nassem Schwamm, aber auch mit einem speziellen Druckmessgerät prüft: Der Boden des Marmot Amp 2 erreicht dabei Werte von geringen 0,2 Bar, was einer Wassersäule von rund 2000 Millimetern entspricht. 5000 sollten es mindestens sein, optimal sind 10.000 Millimeter. Nur Zelte mit derart dichten Böden eignen sich für Touren in chronischen Schlechtwetterregionen wie Patagonien, Island oder Schottland – zumindest dann, wenn sie auch Sturmböen von über 120 km/h Paroli bieten. Das schaffen nicht viele, in unserem Test 2015 sogar nur zwei Zelte: das Rejka Antao 2 Light und das Wechsel Intrepid 2 aus der Zero-G-Linie.

Das Letztere geht auch in einem weiteren wichtigen Prüfpunkt als Sieger hervor: dem Aufbau-Check. Während vor allem die kuppelförmigen Testzelte etwas Übung, in Fällen wie dem Marmot oder Vaude auch eine Anleitung erfordern, stehen die meisten Test-Tunnelzelte im Handumdrehen – allen voran Exped, Fjällräven, Rejka, Robens und eben das Wechsel Intrepid 2.

Was ein gutes Zelt ausmacht

Sie suchen das ideale Zelt? Dann achten Sie auf diese Features.

  1. Lagerraum
  2. Das Vorzelt (Apsis) sollte so weit vorgezogen sein, dass es bei geöffnetem Eingang Regen vom Innenzelt fernhält. Besonders komfortabel sind Zelte mit zwei gegenüberliegenden Apsiden.
  3. Frischluftschleusen
  4. Je besser sich ein Zelt belüften lässt, desto weniger Kondenswasserentsteht im Innern. Große Lüfter sind besser als kleine, zwei besser als einer. Ideal sind solche, die sich von innen schließen lassen.
  5. Schutzhaut
  6. Das Außenzelt schützt vor Wind und Nässe und sollte weit bis zum Boden reichen, um Zugluft im Innern zu reduzieren. Hochwertige Zelte bestehen aus silikonbeschichtetem Polyamid, einfachere Modelle aus Polyester/PU.
  7. Tragende Teile
  8. Je mehr Gestängebögen ein Zelt hat und je öfter sie sich kreuzen, desto stabiler steht es (im Wind). Für hochwertige Zelte wie die Testmodelle kommen nur Bögen aus eloxiertem Aluminiumin Frage.
  9. Ankerplatz
  10. Kann man die Heringsschlaufen in der Länge verstellen, erleichtert das den Zeltaufbauauf steinigem Boden. Und wenn sich das Zelt bei Nässe dehnt, lässt es sich so einfach nachspannen.

Video-Ratgeber Zelte:

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Inhaltsverzeichnis


Die getesteten Trekkingzelte im Überblick:

26.08.2015
Autor: Boris Gnielka
© outdoor
Ausgabe 07, 08, 09/2015, 2015, 2015