Trekkingstöcke im Test

Wanderstöcke im Praxistest 2017

Foto: Benjamin Hahn / Björn Hänssler

Fotostrecke

Die neuesten Trekkingstöcke sollen mit vielen cleveren Details den Komfort auf Tour erhöhen. Welchen modernen Wanderstöcken gelingt das am besten? Der outdoor-Test 2017 zeigt's ...
Zu den getesteten Produkten
  • Trekkingstöcke erhöhen den Halt auf rutschigen Wegen, geben Sicherheit auf abschüssigen Passagen und fördern einen flüssigen Wanderstil
  • Im outdoor-Test 2017: 10 Wanderstöcke für Herren und Damen, vom 70-Euro-Preisschlager bis hin zum 190 Euro teuren Karbon-Stock.
  • Eine überragende Performance lieferte der Leki Micro Vario Carbon Antishock, unser Testsieger 2017. Außerdem haben wir zwei Teleskopstöcke für Frauen getestet: den Black Diamond Ws Trail Ergo Cork und den Leki Cressida Antishock.

Das komplette Testergebnis im Überblick:

Trekkingstock / Link zum Testbericht Preis Testurteil
Leki Micro Vario Carbon AS (Testsieger) 170 Euro Überragend
Komperdell Carbon Utralight Vario 4 190 Euro Sehr gut
Leki Cressida AS 130 Euro Sehr gut
Black Diamond W Trail Ergo Cork (Kauftipp) 90 Euro Sehr gut
Fizan Compact (Kauftipp) 75 Euro Sehr gut
Helinox DL 145 170 Euro Sehr gut
Black Diamond Alpine FLZ 120 Euro Gut
Fizan Adventure 70 Euro Gut
Komperdell Explorer Contour 90 Euro Gut
MSR Talus TR-3 140 Euro Befriedigend
Loading  

Über die Vorteile von Trekkingstöcken + Testbericht:

Nimm zwei! - Diesem prominenten Slogan eines deutschen Süßwarenherstellers folgen mittlerweile immer mehr Wanderer. Doch statt zu vitaminschwangeren Lutschbonbons greifen sie zu Trekkingstöcken, die nur paarweise verwendet leisten, was sie versprechen: für mehr Komfort beim Wandern sorgen. Wurden sie vor wenigen Jahren vor allem wegen ihres knieschonenden Effekts während längerer Abstiege eingesetzt, haben sich mittlerweile weitere Gründe dazugesellt: Sportliche Outdoorer nutzen den zusätzlichen Schub, den Trekkingstöcke bergauf entfalten, Trekking-Fans freuen sich über den verbesserten Halt im weglosen Terrain sowie bei Flussquerungen und Weitwanderer über die Entlastung der arg strapazierten Beinmuskulatur. Doch auch komfortbewusste Tageswanderer profitieren von der Stützenhilfe, erhöhen Trekkingstöcke doch den Halt auf rutschigen Wegen, geben Sicherheit auf abschüssigen Passagen und fördern einen flüssigen Gehstil.

Die gestiegene Nachfrage inspirierte die Hersteller zu Entwicklungen, die aus simplen Aluminiumstäben raffinierte Hightech-Produkte machten – zehn davon haben wir uns für den vorliegenden Test besorgt: vom 70-Euro-Preisschlager bis hin zum 190 Euro teuren Karbonpaar. Auch zwei spezielle Frauenstöcke befinden sich im Testfeld: Black Diamond Women‘s Trail Ergo Cork und Leki Cressida. Im Vergleich zu den acht Unisex-Trekkingstöcken haben sie kleinere Griffe – die beim Black-Diamond-Wanderstock zudem stärker angewinkelt sind.

Hohe Anforderungen an die getesteten Stöcke

Bei ihren Touren mit leichtem Wander- und schwerem Trekkingrucksack prüften die Tester, wie leicht die Stockpaare in den Händen liegen – und ob sie beim Aufsetzen dämpfen oder den Impuls direkt und im schlimmsten Fall schwingend an die Hand weiterleiten. »Eigentlich sollten Stöcke weder Schockwellen ans Handgelenk weiterleiten noch vibrieren«, erklärt outdoor-Ausrüstungsredakteur Frank Wacker.

Von den Testpaaren schafft das nur ein einziger Wanderstock vollständig: der Leki Micro Vario Carbon Antishock. Wie der Name schon andeutet, schluckt ein kleiner Gummipuffer den beim Aufsetzen entstehenden Impuls. Die Vibrationsfreiheit wiederum verdankt er dem Werkstoff Karbon, der leichter, fester, aber auch teurer ist als Aluminium und deswegen nur bei einem weiteren Testpaar zum Einsatz kommt: dem Komperdell Carbon Ultralite Vario 4. Auch er kennt keine Vibrationen – im Gegensatz etwa zum Fizan Adventure und Komperdell Explorer Contour, die beide auf harten Böden zu Zitteraalen mutieren. Allerdings spielen Vibrations- und Dämpfungseigenschaften fast nur auf Forst- und Ziehwegen eine Rolle.

Wo liegen die Stärken der getesteten Wanderstöcke?

Auf Wanderpfaden zählen vielmehr Dirigierbarkeit und Stabilität. Ersteres erleichtert es, die Stockspitzen dorthin zu setzen, wo sie auch Halt finden – zwischen die Steine, nicht darauf. Und von erhöhter Stabilität profitiert, wer einen dicken Rucksack trägt und sich – etwa beim Ausrutschen oder auf Abstiegen – kräftig aufstützt. Auch in diesen beiden Disziplinen liegen die beiden teuren Karbonmodelle von Leki und Komperdell vorne, gefolgt vom Ultraleichtmodell Fizan Compakt – das mit 75 Euro nicht einmal die Hälfte der getesteten Kohlefaser-Stöcken kostet.

Der mit 590 Gramm Paargewicht schwerste Teststock schwingt träge, lässt sich nur mühevoll dirigieren und ist nicht einmal besonders stabil. Die Besonderheit des MSR-Stocks liegt in der Längenverstellung: Sie lässt sich direkt am Griff vornehmen. Was sich praktisch anhört, bringt keine Vorteile, da der verbaute Mechanismus mehr Kraft und Geschick verlangt als andere Verstellsysteme. Diese bestehen bei acht Testpaaren aus einer leichtgängigen Außenklemmung: einem gebogenen Hebel. Nur beim Fizan Compact findet sich eine Innenklemmung. Bei ihr werden die drei Stocksegmente gegeneinander verdreht. »Mit Handschuhen oder kalten Händen ist das kaum möglich«, sagt Testerin Katleen Richter, die auf Tour nur Stöcke mit Außenklemmung trägt. »Diese können sich auch nicht so leicht von selbst lockern«, ergänzt Equipment-Profi Wacker.

Bei den Griffen hingegen fördert der Trekkingstock-Test nur geringe Unterschiede zutage: Zwar ernten die von Leki am meisten Lob, doch auch alle anderen liegen ergonomisch-bequem in der Hand. Das gilt genauso für die Schlaufen: ob glatt wie bei Leki oder gepolstert wie beim Rest, entscheidet vor allem der Geschmack.

Keine Geschmacksache hingegen ist die Packlänge: je kürzer, desto besser, lässt sich das Paar dann noch einfacher an den Rucksack schnallen oder auf Reisen mitnehmen. Hier erzielen vor allem die drei Faltstöecke von Black Diamond, Komperdell und Leki Topwerte. »Bei ihnen schiebt man die Segmente nicht teleskopartig zusammen, sondern trennt und faltet sie«, so Frank Wacker. Das gelingt nur bei Black Diamond und Leki blitzschnell und auf Knopfdruck; beim Komperdell Carbon Ultralite Vario 4 muss man die Segmente auseinanderschrauben ...

Aktuelle Angebote zu den Trekkingstöcken




Das Fazit unseres Trekkingstock-Tests:

Von allen getesteten Trekkingstöcken 2017 überzeugte unterm Strich der Leki Micro Vario Carbon AS am meisten. Er holt in sämtlichen Disziplinen Bestnoten und eignet sich perfekt für Touren aller Art – kostet aber auch 170 Euro. Fast genauso gut, aber nicht günstiger, sind die Modelle Helinox DL 145 und Komperdell Carbon Ultralite Vario 4. Sie eignen sich mit ihrer Maximallänge von 1,45 Metern vor allem für sehr große Wanderer bestens. Wer hingegen kleine Hände hat, trifft mit den Damenmodellen Black Diamond Women‘s Trail Ergo Cork und Leki Cressida eine sehr gute Wahl, Sparfüchse und Grammzähler mit dem Fizan Compact: Er kostet 75 Euro.

28.04.2017
Autor: Boris Gnielka
© outdoor
Ausgabe 04/2017